So weit will man es in Deutschland nicht kommen lassen. In Bayern glaubt man, das Vordringen der Pflanze noch stoppen zu können. Seit 2007 ruft das bayerische Gesundheitsministerium zur Ambrosiabekämpfung auf. Jedermann soll den Kreisverwaltungsbehörden (Landratsämter und Ordnungsämter der kreisfreien Städte) größere Ambrosia-Vorkommen melden. 2008 wurden 102 größere Bestände mit über 100 Pflanzen in Bayern registriert.
Unterfranken schwach betroffen Bisher wurden die meisten Bestände in Oberbayern, Niederbayern und Mittelfranken ausgemacht. Schwaben, Unter- und Oberfranken gelten hingegen als schwach betroffen. Das will aber nicht viel heißen, sagte Gesundheitsminister Söder. So habe Rheinland-Pfalz gemeldet, das es in dem Bundesland überhaupt keine Ambrosia gebe. Das aber hielten Fachleute für praktisch ausgeschlossen.
Ambrosia, genauer Beifuß-Ambrosie oder Beifußblättrige Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), macht es den botanischen Laien nicht ganz einfach, sie aufzuspüren. Außerhalb der Blütezeit ist die Pflanze eher unscheinbar und kann leicht mit anderen verwechselt werden. In den Verdacht kommen so oft der gemeine Beifuß (Artemisia vulgaris), der weiße Gänsefuß (Chenopodium album), der zurückgebogene Amaranth (Amaranthus retroflexus) und die Hundspetersilie (Aethusa cynapium). Im Keimblattstadium kann die eingeschleppte Ambrosia zudem mit Kamille-Arten verwechselt werden.
Charakteristisch für die Allergien auslösende Beifuß-Ambrosie sind doppelt fiederteilige Blätter, die auf beiden Seiten grün gefärbt sind (beim gemeinen Beifuß ist die Unterseite heller) sowie behaarte Stängel, die sich im Herbst rötlich verfärben können und oft stark verzweigt sind. Am Ende der Triebe sind die männlichen Blütenstände traubenartig angebracht, was der Pflanze ihren weiteren Namen "Beifußblättriges Traubenkraut" eintrug. Vergleichendes Bildmaterial hält die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) auf ihrer Internetseite ( http://www.lfl.bayern.de ) bereit.
In Wäldern und auf Wiesen wird man die 30 bis 150 Zentimeter hohe Beifuß-Ambrosie kaum finden. Die Pflanze besiedelt vorwiegend offene Flächen wie Baustellen, Brachen, offene Böden, Bahndämme, Weg- und Straßenränder. In Ober- und Niederbayern scheint die Pflanze Autobahngrünstreifen zu bevorzugen. Häufig siedelt sich die Pflanze auf abgegrenzten Flächen an, die für die Produktion von Schnittblumen zur Selbstbedienung vorgesehen sind.
Verunreinigtes Vogelfutter Die Erklärung dafür findet sich in den Verbreitungswegen: Der Samen wird über verunreinigtes Vogelfutter importiert und haftet an Erdmaterial, das wiederum von Fahrzeugen über die Grenzen gebracht wird. Wenn Vogelfutter zur Aussaat verwendet wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, sich einen Ambrosia-Bestand heranzuziehen. Auch wenn es mühsam ist: Die Behörden appellieren an die Käufer von Vogelfutter, diese nach den Ambrosia-Samen zu durchsuchen. Wie diese aussehen, wird ebenfalls auf einschlägigen Informationsseiten im Internet gezeigt. Bei Beifuß, der bereits jetzt - Ende Juni - in Blüte steht, kann es sich nur um die harmlose heimische Art handeln, denn die Beifuß-Ambrosie blüht frühestens ab Ende Juli, dann aber bis Oktober. Deshalb kann die Pflanze die jährliche Leidenszeit von Pollen-Allergikern um mehrere Wochen verlängern.
Bei den Landratsämtern melden Wer größere Ambrosia-Bestände findet, sollte die Ordnungsämter bei den Landratsämtern und kreisfreien Städten informieren, bat der Landesgesundheitsminister. Wie es sich für eine deutsche Verwaltung gehört, gibt es dafür ein Formular, das man von der Homepage der Landesanstalt (LfL) für Landwirtschaft herunterladen kann. Aber auch ohne Formular werden Meldungen entgegengenommen. Neben den Kreisverwaltungsbehörden gibt es eine zentrale Meldestelle beim Institut für Pflanzenschutz des LfL (Lange Point 10, 85354 Freising, Pflanzenschutz@LfL.bayern.de ).
Einzelne Pflanzen kann natürlich jeder auch selbst abreißen, wobei zur Verwendung von Handschuhen geraten wird. Wichtig ist dabei, die Pflanze vollständig zu entfernen, in einen Plastikbeutel zu packen in der Restmülltonne zu entsorgen. Gelangen die Pflanzen über die Biomülltonne auf den Komposthaufen, können die Wurzeln wieder anwachsen oder die Samen noch ausreifen.
Die Chance, das Übel rechtzeitig buchstäblich an der Wurzel zu packen, bestehe noch, heißt es auf einer umfangreichen Ambrosia-Information des bayerischen Gesundheitsministeriums im Internet (http://www.stmugv.bayern.de). Doch niemand wisse, wie lange noch. Ralf Müller
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