Also schnell wieder nach draußen ins Warme. Dort wartet schon Thomas Albus auf mich, der mir etwas Besonderes zeigen will, das auch etwas mit Kälte zu tun hat: eine Tiefkühltruhe auf vier Rädern. Thomas arbeitet bei der Firma Bofrost in Stockstadt und bringt vielen Menschen Obst, Gemüse, Fleisch, Aufläufe, Kuchen und viele andere leckere Sachen ins Haus und zwar alle tiefgekühlt. Das ist dann so kalt gefroren wie zum Beispiel Vanille-Eis, so dass man alles erst auftauen, beziehungsweise erwärmen muss, bevor man es essen kann. Außer Eis natürlich.
Aus dem Tiefkühllager, in dem es so kalt ist, dass die Männer die dort arbeiten, spezielle Schutzkleidung tragen müssen, werden die Waren in den Wagen von Thomas und all den anderen Fahrern umgelagert. Damit sie auf der Fahrt von Stockstadt bis zu den Kunden nicht auftauen, muss es in den Wagen ähnlich kalt sein, wie im Lager, erklärt Thomas. »Wenn ich hier los fahre, sind die Kälteplatten in meinem Auto sogar bis auf minus 40 Grad herunter gekühlt«, sagt er. Allein die Vorstellung lässt mich spontan wieder zittern.
»Während ich unterwegs bin, erwärmt sich das Innere des Wagens nach und nach, aber nie mehr als bis auf minus 18 Grad, sonst nehmen die Waren Schaden«, erklärt Thomas und zeigt auf ein Thermometer an der Außenwand seines Kleinlasters, auf dem er immer die Temperatur im Innern überprüfen kann. »Und warum ist das Auto an die Steckdose angeschlossen?«, frage ich mit Blick auf das lange Kabel, das in einer Steckdose oberhalb der Fahrertür endet. »Die Kühlakkus, die die Kälte quasi speichern, werden mit Hilfe von Strom aufgeladen. Weil das sehr lange dauert, schließen wir die Autos über Nacht an die Steckdose an«, erklärt er mir.
Klar, dass ich auch noch wissen will, was Thomas Leckeres hinter den zehn Türen seiner fahrbaren Tiefkühltruhe geladen hat. Ob wohl mein Lieblingsessen dabei ist? Thomas fängt an aufzuzählen: »Pizza, Brokkoli, Eis am Stiel, Himbeeren, Champignons, Fisch, Hähnchenschnitzel, Wiener Würstchen, Frikadellen, Currywurst, Maultaschen, Tomatensuppe, Chinesische Ente, Berliner, Apfelkuchen …« Weil Thomas gar nicht aufhört, quake ich dazwischen: »Und was ist mit Pommes?« Schwupps öffnet er eine Tür und zieht eine Tüte mit Pommes heraus. »Wieviel Tüten und Päckchen sind denn da drin?«, frage ich und schaue neugierig ins Innere, aber nur so lang bis meine Schnabelspitze kalt wird. »In etwa 800 Artikel«, antwortet Thomas. Ich staune. »So viele? Und da weißt du sofort, wo die Pommes sind?« Thomas lacht und sein Chef, Ralph Giese, der zu uns gekommen ist, sagt, dass Thomas alles sogar mit verbundenen Augen finden könne.
Dann zeigen Beide mir noch den kleinen Computer in der Fahrerkabine. Ihn kann man abnehmen, direkt an der Haustür die Bestellung eingeben und das Ganze direkt an einen Drucker senden, der sich ebenfalls in der Fahrerkabine befindet. Auf dem Zettel, der dann ausgedruckt wird, steht auch, in welchem Fach sich welches Produkt befindet, erzählt Thomas. Nur für alle Fälle.
Als ich um den Wagen herum watschele, sehe ich, dass hinten sogar Fotos von Kindern abgebildet sind. Ralph Giese, der meinen Blick bemerkt hat, erklärt mir, dass die Firma Bofrost jedes Jahr vor Weihnachten Kalender verkauft, von denen jeweils ein Euro an Not leidende Kinder gespendet wird. »Da alle 3000 Verkaufsfahrer in Deutschland wieder fleißig mit gemacht haben, konnte das Unternehmen 2011 eine Million Euro für die Aktion »Ein Herz für Kinder« spenden«, sagt Ralph. Ich bin beeindruckt, sowohl von der Summe als auch von den vielen Verkaufsfahrern.
Als ich das laut sage, lachen die zwei Männer und sagen mir, dass die Firma in Europa fast 10 000 Mitarbeiter hat. »Seit neuestem sind wir auch in Moskau unterwegs«, sagt Ralph. »Ach du je, da ist es ja noch kälter«, entfährt es mir. Und bevor ich wieder anfange, mit den Zähnen zu klappern, watschele ich lieber schnell in meine warme Redaktion, wo ich eine große Portion Pommes esse.



































