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06.02.2012 10:21 Uhr 0 Kommentare

Was gegen die Angst vor Referaten hilft

Berlin (dpa/tmn) Eigentlich ist alles klar: Es gibt eine These, einen Spannungsbogen und Ausblicke zum Schluss. Was soll da jetzt noch schiefgehen? Und doch steigert sich die Nervosität mit jeder Minute. Was tun gegen die Panikattacke kurz vorm Referat?
Guter Auftritt beim Referat
Bei Referaten sollte vor allem der Anfang gut sitzen. Denn hier ist die Aufmerksamkeit der Hörer am größten. (Foto: Diagentur)

Viele Studenten kennen das: Das Referat ist eigentlich gut vorbereitet. Dennoch gerät der Auftritt vor dem Seminar zur gefühlten Katastrophe. Die Stimme ist brüchig, die Hände hektisch, die Knie schlottern. Anstatt souverän vorzutragen, was man sich erarbeitet hat, fühlt man sich wie das Kaninchen vor der Schlange.

Der Rat des Diplompsychologen Reinhard Franke lautet: üben und sich bewusst machen, was im Körper passiert, wenn sich Angst breitmacht. Franke leitet an der Freien Universität Berlin den Kurs «Redeangst bewältigen». Dort halten die Teilnehmer in jeder Sitzung ein Kurzreferat. Thema kann ein Lieblingsfilm, ein Buch oder ein Theaterstück sein. Die Vorbereitungszeit für das Referat beträgt 20 Minuten, die Zeit für die Präsentation sechs: «Man muss nicht stundenlange Referate halten, um das zu üben», sagt Franke. «Die kritische Phase liegt im Anfang.»

Am Anfang eines Referates ist die Aufmerksamkeit der Zuhörer besonders hoch - ebenso wie der eigene Pulsschlag. Alle Blicke sind auf einen gerichtet, das Blut schießt einem in die Wangen, die Hände werden feucht und Unsicherheit macht sich breit: Was ist, wenn die Stimme jetzt versagt, der Faden reißt, die Erwartungen der Zuhörer plötzlich unerfüllbar erscheinen? Vernünftige Argumente, dass man doch gut vorbereitet sei und die Zuhörer freundlich gesinnt, helfen in dieser Situation oft nicht weiter, erklärt die Hamburger Kommunikationstrainerin Marion Klimmer: «Kognitive Einsichten nutzen nichts.»

Die Pädagogin erklärt das mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung: Während der Verstand sachlich argumentiert, seien Emotionen, wie Angstgefühle in einem älteren Hirnareal, dem limbischen System, organisiert. Eigentlich, so Klimmer, habe es die Natur gut mit uns gemeint, als sie Gefühlshirn und Großhirn voneinander trennte: «Es geht darum, in Gefahrensituationen ohne Umschweife und Überlegungen reagieren zu können.» Dumm nur, wenn die scheinbare Gefahrensituation nichts weiter ist als das erste Referat, das man an der Universität halten muss, das aber durch unangenehme Vorerfahrungen als Belastung empfunden wird.

Marion Klimmer hat ihren eigenen Weg gefunden, sich auf Vorträge mit möglicherweise kritischen Zuhörern vorzubereiten: «Um alle Gehirnareale miteinander zu vernetzen, höre ich entspannende Musik und bewege dazu meine Augen zehn bis zwanzigmal von rechts nach links. Das geht auch noch kurz vor dem Auftritt.» Ziel dieser Methode sei es, die schnelle, ausbalancierende Wirkung von Träumen auf den wachen Zustand zu übertragen: Der traumreiche REM-Schlaf ist nämlich ebenfalls durch schnelle Augenbewegungen gekennzeichnet. Dafür steht auch die Abkürzung REM - «Rapid Eye Movement».

Auch andere Selbsthilfetechniken dienen dazu, belastende Emotionen und einschränkende Glaubenssätze wie «Ich kann das nicht» loszuwerden. Die Auftrittstrainerin Fee Rojas aus Hannover empfiehlt etwa die Klopftechnik aus der Energetischen Psychologie: «Man kann damit aktiv und unabhängig von anderen an seinen persönlichen Emotionen arbeiten.» Dabei werden bestimmte Akupunkturpunkte beklopft und positive Affirmationen ausgesprochen. Aber sieht das für einen Studenten nicht esoterisch und albern zugleich aus? «Wer große Angst hat, probiert eine Menge aus», weiß Rojas.

Literatur:

Michael Bohne: Bitte Klopfen! Anleitung zur emotionalen Selbsthilfe, Carl-Auer Verlag, 2011, 64 Seiten, 7,00 Euro, ISBN-13 978-3-89670-737-6

Studenten sollten, wenn sie mit dem Referat beginnen, nicht mehr an sich zweifeln. Wichtig sei es, nun zu seinem Können auch zu stehen, rät der Auftrittscoach Michael Bohne. Oft helfe es auch, sich sein reales Alter bewusst zu machen. Als Student sei man oft schon 20 Jahre oder älter und habe dementsprechend viel erlebt.



 
 
 
 
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