Durchschnittlich trinke jeder Deutsche über 15 Jahre umgerechnet 12 Liter reinen Alkohol pro Jahr. Das entspricht umgerechnet 500 Flaschen Bier oder 100 Flaschen Wein beziehungsweise 30 Flaschen Schnaps pro Jahr.
Mehr als 70.000 vorzeitige Todesfälle gingen jährlich auf Alkohol zurück. Beim Tabakkonsum seien es sogar bis zu 140.000 Fälle pro Jahr.
Gaßmann wies darauf hin, dass auch das Risiko, Gewalttäter zu werden, durch riskanten Alkoholkonsum steige. Drei von zehn aufgeklärten Gewaltdelikten wie schwere Körperverletzung, Totschlag oder Vergewaltigung würden unter Alkoholeinfluss verübt. Dennoch werde der Zusammenhang von Alkoholkonsum und Gewalt immer noch weitgehend ignoriert, kritisierte der DHS-Geschäftsführer. Bei jugendlichen Gewalttätern stehe sogar jeder vierte unter Alkoholeinfluss. Die DHS fordert daher flächendeckende und kontinuierliche Alkohol-Präventionsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche sowie stärkere Kontrollen bei der Einhaltung der Jugendschutzgesetze in Gaststätten.
»Der Suchtmittelkonsum der Bundesbürger bleibt auf einem extrem hohen Niveau mit allen nicht hinnehmbaren Folgen und Risiken wie körperlichen und seelischen Erkrankungen, Gewalt oder Verletzte und Tote im Straßenverkehr«, sagte DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann.
Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden durch Alkoholkonsum werde pro Jahr auf 24,4 Milliarden Euro geschätzt, sagte Gaßmann weiter. Dem gegenüber stünden Einnahmen aus der Alkoholsteuer von rund 3,5 Milliarden Euro. Für die Alkoholwerbung gebe die Industrie wiederum jährlich rund eine Milliarde Euro aus.
Gewaltige Mehrkosten entstehen dem Gesundheitssystem nach Einschätzung der Suchtexperten auch durch die steigende Medikamentenabhängigkeit im Alter. 70 Prozent aller Medikamente in Deutschland würden von Senioren eingenommen. 1,7 bis 2,8 Millionen der über 60-Jährigen würden mittlerweise einen problematischen Gebrauch psychoaktiver Medikamente aufweisen. Die exzessive Einnahme der Schlaf- und Schmerzmittel führe bei den alten Menschen häufig zu Stürzen unter anderem mit komplizierten Oberschenkelhalsfrakturen.
Erste Erfolge in der Suchtbekämpfung zeichnen sich laut DHS-Geschäftsführer dagegen beim Rauchen ab. Erfreulich sei der Rückgang des Tabakkonsums 2008 auf einen Pro-Kopf-Verbrauch von 1.068 Zigaretten (2007: 1.112). Trotzdem sei die Zahl der Raucher mit rund 16,6 Millionen in der Bundesrepublik weiterhin zu hoch.
Zwischen 110.000 und 140.000 Menschen jährlich würden zudem an den Folgen des Tabakkonsums sterben. Verstärkte Restriktionen gegen das Rauchen wie Werbeeinschränkungen und Rauchverbote hätten gezeigt, dass es Möglichkeiten gibt, dem Suchtmittelkonsum etwas entgegenzusetzen, sagte Gaßmann. dc/KNA/epd





































