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08.02.2012 00:00 Uhr 0 Kommentare

Aufmüpfig-anarchistischer Baubrigadier und »Deutscher Kojak«

Geburtstag: Manfred Krug wird 75 - 1949 in die DDR übergesiedelt - 1977 nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns in den Westen

Berlin Der gelernte Stahlschmelzer Manfred Krug ist nach eigenem Bekunden »als Schauspieler auf die Welt gekommen«, der früh Hollywoods Star-Cowboy Gary Cooper verehrte. Denn der »hat nie etwas anderes gespielt als sich selbst, und das ist die Hohe Schule«, wie Krug in seinem Buch »Mein schönes Leben« schrieb.

Heute wird der 1937 in Duisburg geborene Schauspieler, der als Junge mit seinem Vater 1949 in die DDR übersiedelte und 1977 nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wieder in den Westen ging, 75 Jahre alt.
Aus diesem Anlass blickt er auf sein Leben zurück. Mit seinem »Bilderbuch - Ein Sammelsurium« macht er sich ein Geburtstagsgeschenk und öffnet die Koffer und Kisten vom Dachboden mit Erinnerungsfotos und Texten, mit denen er sein Leben und seine wechselvolle Karriere Revue passieren lässt.
Und da gibt es wirklich viel zu erzählen. Immerhin war Krug in der DDR der »Tausendsassa der Defa-Filme«, wo er in den Babelsberger Studios seit 1961 unter Vertrag stand. Später war er im Westen das liebenswerte und auch manchmal ruppige »Rauhbein, das von drüben kam«, wie ihn Zeitungen nannten. Mit Filmen wie »Mir nach, Canaillen!«, »Wege übers Land«, »Fünf Patronenhülsen« und »Auf der Sonnenseite« wurde Krug einer der populärsten Kino- und Fernseh-Schauspieler im Osten Deutschlands, der von 1969 bis 1973 mehrmals zum Publikumsliebling gewählt wurde. Später gehörte er zu den Künstlern, die auch in der Bundesrepublik - nach einigen Anlaufschwierigkeiten und Ängsten - den beruflichen Anschluss fanden.
Hier wurde er als brummiger »Tatort«-Kommissar Stoever als der »deutsche Kojak« ein Fernsehstar und hier war er als »Liebling Kreuzberg« auch der populäre Anwalt, der ein Herz für die kleinen Leute hat. Und es gab auch mal eine Zeit, als vom ARD-Vorabendprogramm noch nicht von der angeblichen »Todeszone« gesprochen wurde, denn da gab es den abenteuerlustigen Truckerfahrer Manfred Krug, der jahrelang weltweit »Auf Achse« war und damit zu einem TV-Publikumsliebling avancierte.
Vom aktiven Schauspielberuf hat sich »Manne« zwar schon mit dem Eintritt ins offizielle Rentenalter zurückgezogen, ungewöhnlich genug für gefragte Protagonisten seiner Zunft. Aber gesundheitliche »Warnschüsse vor den Bug« wie ein Schlaganfall 1997 in seiner Berliner Wohnung, von dem er sich ironischerweise in einer Rehaklinik auf dem Gelände der einstigen »SED-Bonzensiedlung« Wandlitz erholte, hatte Krug denn doch nicht ganz ignorieren wollen.
Aber mit »Jazz und Lyrik« tritt der leidenschaftliche Jazzinterpret und Chansonsänger (»Es steht ein Haus in New Orleans«) immer noch auf wie mit der Sängerin Uschi Brüning.
Wie vom Donner gerührt war der ansonsten eher unerschrockene Schauspieler, als der 1965 gedrehte Frank-Beyer-Film »Spur der Steine« mit Krug als aufmüpfig-anarchistischer Baubrigadier von der SED verdammt wurde und schnell wieder aus den Kinos verschwand (für über 20 Jahre) bzw. von Stasitrupps gestört wurde. »Das war Goebbels’sche Manier, und ich erlebte meinen ersten schweren Einbruch mit meinem Glauben an das bessere, gerechtere Deutschland mit den sozialistischen Idealen«, erinnerte er sich bald nach dem Mauerfall. »Hieb Nummer zwei« war die militärische Niederschlagung des Prager Frühlings 1968.
Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Biermann-Ausbürgerung im November 1976. Nach dem massenweisen Künstlerprotest, dem sich auch Krug angeschlossen hatte, wurde der Schauspieler beruflich kaltgestellt und von Stasi-Leuten verfolgt.
Wilfried Mommert (dpa)

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