Fotogalerie: Klicken Sie auf eines der Bilder, um die Fotogalerie zu starten:
Bilderserie: Peter Rogowsky
Dieses Gespann fuhr zwar in beiden »Heats« jeweils die schnellste Runde, musste sich aber dennoch zweimal mit der Kronprinzentrolle zufrieden geben. Willemsens Erfolgsrezept bei 35 Grad im Schatten war einfach: »Wir mussten den Kopf ein bisschen cool halten.« Cool war er im zweiten Lauf besonders in der zehnten Runde, als er in der Spitzkehre vor dem Turm an dem lange führenden Etienne Bax vorbeizog. Der belgische Jungspund, letztlich Dritter, nahm's gelassen: »Daniel ist seit 20 Jahren mein Vorbild.« Kein Wunder, war Rekord-Weltmeister Willemsen doch mit verschiedenen Co-Piloten zwischen 2003 und 2008 World Champion.
Motor wöchentlich gewechselt
Der Bruder von Etienne Bax, Robbie, saß und sitzt im Seitenwagen von Thomas Morch, soll dort aufgebaut und an die Weltspitze herangeführt werden. Mit ihrer 700-ccm-WHT-Zabel fuhren sie auf Gesamtrang zehn - Ziel erreicht. »Wir wechseln bei diesen Temperaturen wöchentlich den Motor«, plaudert der Torgauer im Gespräch mit unserer Zeitung aus dem Nähkästchen. »Der andere wird komplett zerlegt und dann wieder zusammengebaut.«
75 PS leistet die Maschine normalerweise - bei der »brutalen Hitze« in Straßbessenbach, so Streckensprecher Carsten Wernado, eventuell etwas weniger. »Das hängt von der Kühlungsanlage ab, die wir einbauen«, erklärt der 25-jährige Morch, der schätzt, an diesem Wochenende ca. sechs Kilogramm Körpergewicht verloren zu haben. Dabei wiegt er normalerweise nur 74 kg - in kompletter Montur allerdings 25 - 30 kg mehr.
Rund 250 Zuschauer
Das Wochenende in Straßbessenbach: Mensch und Maschine mussten an ihre Grenzen gehen. Das galt bedingt auch für die circa 2500 Zuschauer, die der Hitze mit Strohhüten und zu Sonnenschirmen umfunktionierten Regenschirmen trotzten.
Nass wurden sie nicht, obwohl die Helfer von Ausrichter MSC Straßbessenbach, so schätzt Rennsekretärin Anja Seubert, an den beiden Tagen mehr als 100 000 Liter Wasser auf dem 1670 Meter langen Rundkurs auf dem »Sattel« verteilten. Dies war nötig, um die Staubentwicklung, insbesondere beim Start, zu minimieren. Allerdings war das auch ein Vabanquespiel: »Wird zu viel gespritzt, wird die Strecke schmierig und so auf andere Art gefährlich«, erklärt Morch. Doch die Aufgabe wurde gut gelöst - wie überhaupt, so Anja Seubert, die dreiköpfige Jury mit der Ausrichtung seitens des MSC sehr zufrieden war. »Die Streckenbeschaffenheit war optimal«, bestätigte denn auch Peter Kartmann.
Der 30-jährige Aschaffenburger startete in der Clubsport-Klasse der ambitionierten Hobbyfahrer für den MSC Straßbessenbach. Sie sitzen auf Zwei- und Viertaktmaschinen bis 650 ccm, die 40 - 60 PS leisten. »Ich bin motivierter«, antwortete er auf die Frage nach einem möglichen Heimvorteil. Denn auch er darf aus Gründen des Naturschutzes nur am Rennwochenende auf seine Hausstrecke. Wie fast alle anderen Fahrer auch hatte er sich neben der Strecke häuslich eingerichtet und auch dort geschlafen, denn »zu Hause ist es noch heißer.«
Der Wertungslauf endete so wie das erste Halbfinale: Felix Rath vor Peter Kartmann. Der Brechener fuhr auf seiner KTM einen souveränen Start-Ziel-Sieg heraus, profitierte dabei auch vom Pech von Florian Brand. Der Heimbuchenthaler, Sieger des zweiten Halbfinales, kam schlecht vom Start weg und fand sich nach einem Sturz nur auf Rang 13 wieder. Bis auf Platz sechs kämpfte sich der 18-Jährige noch vor. Ebenfalls ein Sturz sowie ein »Steher« schon in Runde eins warfen Kim Irmgartz zurück. Mit einer Runde Rückstand belegte die Grafschafterin, die einzige Frau, noch Rang 24 in dem 40er-Feld. In der Openklasse fuhr der Mittelsinner Florian Welzenbach, ebenfalls auf KTM, in die Punkte. Als 14. wies er auf Sieger Darlo Dapor, der mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 52,84 km ins Ziel kam, gut 1:25 Minuten Rückstand auf.
Auch 2011 wird es einen »Großen Preis von Deutschland« im Bessenbacher Ortsteil geben - dann wieder regulär. Denn heuer sind die Straßbessenbacher für Reutlingen eingesprungen. »Wir haben nicht draufgelegt«, beantwortet Anja Seubert die Frage nach dem Etat für diese Großveranstaltung, für die allein 20000 Euro an Preisgeldern fällig wurden.
Und zum Naturschutz: »Unsere erfahrenen und fleißiger Helfer renaturieren die Strecke sofort nach dem letzten Rennen.« Wenn die Bagger, Raupen und Walzen fertig sind, sehe die Strecke wieder »eben wie eine Autobahn« aus.
Thomas Steigerwald





































