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29.06.2009 00:00 Uhr 0 Kommentare

Auch einmal ein Auge zugedrückt

Fußball Deutsche Meisterschaft im Gehörlosen-Fußball in Aschaffenburg-Schweinheim - Ein Deal mit Erich Ziegler

Fußball Der neue deutsche Meister im Gehörlosen-Fußball heißt GSV Düsseldorf. Am Samstag setzten sich die Nordrhein-Westfäler in Aschaffenburg auf dem Gelände des BSC Schweinheim im Endspiel um die Deutsche Fußball-Gehörlosen-Meisterschaft gegen den GTSV Essen durch. Der Titelverteidiger siegte nach 150 Minuten knapp mit 5:4 im Elfmeterschießen (1:1 nach regulärer Spielzeit).
Auch einmal ein Auge zugedrückt
Hintermann! Zuruf hilft nicht im Gehörlosen-Fußball: Der Düsseldorfer Daniel Rotondi muss alleine bemerken, dass er von Ruben Kleine (Essen) attackiert wird. Victoria Schilde
Als vor einem Jahr das 52. Endspiel um die deutsche Meisterschaft in Hamburg ausgetragen wurde, stand die Vergabe für den Endspielort 2009 an. Der ehemalige Gehörlosen-Nationalspieler Erich Ziegler, jetzt Mitglied beim Gehörlosenverein (GV) Aschaffenburg, habe angefragt, ob das Endspiel in Schweinheim stattfinden könnte. "Wir haben dann einen Deal gemacht und gesagt, dass dies zu seinen Ehren der Fall sein wird, falls er für ein Comeback zur Verfügung steht und die Senioren-Nationalmannschaft verstärkt", verrät Dieter Wickert, Verbandsfachwart des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes. Vor dem Finale wies Jens Becker, technischer Leiter des DGSV, Abteilung Fußball, die Schiedsrichter Maurice Koch (VfR Großostheim) und seine beiden Assistenten Felix Jungewelter (BSC Schweinheim) und Tobias Dietrich (Spvgg Niedernberg) ein. Beim Gehörlosen-Fußball muss der Schiedsrichter nicht nur die Pfeife bedienen, sondern auch eine Fahne mitführen, die er bei jeder Entscheidung zu schwenken hat. Dennoch darf er auch das Pfeifen nicht vergessen, denn beim Fußball dürfen auch Schwerhörige, deren Hörverlust mindestens 55 Dezibel betragen muss, mitspielen.

Die Spieler wissen instinktiv, wo sich der Nebenmann befindet. Handzeichen erleichtern zwar die Kommunikation, dennoch gibt es auch einen verbalen Austausch. "Ich habe in der Anfangsphase ein wenig gebraucht, um mich zurecht zu finden. Es ist ab und an schwer, zu kommunizieren. Ein Herbeizitieren eines Spielers ist nicht immer möglich, und man muss viel mit Gesten arbeiten. Aber die Spieler gehen trotz der Anspannung auf dich ein und verstehen oft, was du meinst", so Schiedsrichter Maurice Koch nach der Partie.

Schwierige Entscheidungen

Schwer war es für ihn, in der ein oder anderen Spielsituation zu entscheiden, ob die Essener Spieler wirklich den Pfiff und die Fahne nicht mitbekommen hatten oder auf Zeit spielten. In der 120. Minute wollten die Düsseldorfer vor dem anstehenden Elfmeterschießen noch einmal wechseln. "Ich habe vor dem Spiel den sportlichen Leitern beider Mannschaften ausrichten lassen, dass ich bei einem Eckball nicht mehr einwechseln lasse. Das ist in der Bezirksliga so üblich", verrät der Unparteiische. Als er dann doch direkt nach dem Eckball die Partie abpfiff, war der Düsseldorfer Trainer außer sich und beschimpfte lautstark den Schiedsrichterassistenten. Im Vorfeld des Elfmeterschießens kam es zur Rudelbildung, bei der zwei Spieler heftig aneinander gerieten. Von ihren Mannschaftskameraden wurden sie aber rechtzeitig zur Vernunft gebracht.

Eine großartige Erfahrung

"Das ein oder andere Mal habe ich ein Auge zugedrückt. Aber es war eine großartige Erfahrung für mich", lautete das Fazit von Maurice Koch. "Für uns als Verein war es große Ehre, dass wir das Spiel hier ausrichten durften. In dem Zusammenhang darf ich auch einmal sagen, dass bei uns Hörende immer gerne willkommen sind, vielleicht ja schon bei unserem brasilianischen Abend am 11. Juli", lauteten die Abschlussworte von Dolmetscherin Claudia Kraus.  (Carsten Maier)

Stichwort: Gehörlosen-Verein (GV) Aschaffenburg

"Der Verein in Aschaffenburg wurde 1936 gegründet , und im vergangenen Jahr haben wir ein neues Vereinsheim bekommen. Das war auch ganz wichtig für uns", schildert Claudia Kraus, deren Eltern gehörlos sind.

Mitglied Patrick Göhler baute das Vereinsheim und vermietet das Gebäude kostenlos an den Verein. Der GV Aschaffenburg zählt 140 Mitglieder , die vor allem in Skat und Rommee gegeneinander antreten sich bei vielen Kulturveranstaltungen engagieren. "Was in Aschaffenburg noch fehlt, ist eine Fußballabteilung. Vielleicht können wir mit der Vergabe des Endspiels das Interesse wecken.", ergänzt Jens Becker, technischer Leiter des DGSV, Abteilung Fußball.

 
 
 
 

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