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24.12.2008 00:00 Uhr 0 Kommentare

Der Aschaffenburger Jahrhundertwein

Der Jahrgang 1984 Drei Profis, je zwei Regionalliga- und Oberliga-Fußballer und sogar ein Nationalspieler - Was aus ihnen wurde

Fußball "Ein toller Jahrgang!" Die Augen von Heinz Kreß funkeln. "Wirklich sehr gut", sagt der 69-Jährige. Ein "Jahrhundertwein" würden Winzer schwärmen, aber Heinz Kreß ist kein Winzer, er ist Fußballtrainer. Die Rede ist auch nicht von edlen Tropfen, der 69-Jährige betrachtet ein Foto. Darauf zu sehen: Die Aschaffenburger Kreisauswahl des Jahrgangs 1984.
Der Aschaffenburger Jahrhundertwein
Die Kreisauswahl Aschaffenburg (Jahrgang 1984): Hintere Reihe (von links): Thorsten Schnall, Simon Hock, Sebastian Bonn, Andreas Biniasch, Sandro Heymig, Christoph Zanetti, Michael Wagner, Marcel Schäfer. Vordere Reihe (von links): Simon Schmidt, Stefan Hock, Florian Michelbrink, Daniel Lux, Benedikt Klebing, Andreas Fuchs, Daniel Baier. Auf dem Bild fehlen: Jose Holebas, Julian Müller, Frank Schröer und Thomas Spatz. Das Foto entstand 1997 bei einem Junioren-Turnier in Spanien. Heinz Kreß
Heinz Kreß hat schon viele talentierte Fußballer gesehen, schließlich war er von 1990 bis 2001 für die D- und C-Junioren-Auswahlteams des Kreises Aschaffenburg und des Bezirks Unterfranken verantwortlich. Aber so viele gute Nachwuchskicker in einem Kreis und in einem Jahrgang - das war schon etwas Besonderes. Klar, dass sich Heinz Kreß noch bestens an diese Mannschaft erinnert.

Zwei Bundesligaspieler aus einem Jahrgang im Kreis, das ist schon sehr selten. Heinz Kreß über Marcel Schäfer und Daniel Baier Besonders an zwei Spieler: "Man hat das bei den beiden sofort gesehen, gleich im ersten Training. Das waren einfach gute Fußballer", sagt Heinz Kreß. Der Straßbessenbacher Marcel Schäfer und der Aschaffenburger Daniel Baier waren anfangs nur zwei unter 30 Kindern, die 1995 zur ersten Sichtung eingeladen waren, aber sie stachen Heinz Kreß sofort ins Auge. "Mit Abstand" die Besten, sagt er rückblickend. "Und das in einem sehr guten Jahrgang."

Denn da waren nicht nur Baier und Schäfer. Mit Jose Holebas (damals FC Südring, jetzt 1860 München) schaffte ein Dritter aus dem 84er Jahrgang den Sprung zu den Profis. Dazu kommen mit dem Großostheimer Simon Schmidt (Darmstadt 98) und Frank Schröer (Viktoria Aschaffenburg) zwei Regionalliga-Akteure. Christoph Zanetti (damals DJK-TSV Stadtprozelten, jetzt Bayern Alzenau) und der Großwallstädter Julian Müller (Borussia Neunkirchen) schafften es immerhin bis in die Oberliga

Ob er denn damals schon wusste, dass er zwei kommende Bundesligaspieler, gar einen Nationalspieler vor sich hatte? "Nein, da kann viel dazwischen kommen. Vor allem gibt es viele Trainingsweltmeister. Aber später, so ab der C-Jugend, da hat man auch gesehen, dass beide Profi werden wollten."

Heinz Kreß weiß, wovon er spricht. Zahlreiche Talente hatte er unter seinen Fittichen, die es später tatsächlich in den Profibereich schafften. Einen Jahrgang zuvor trainierte er den Schimborner und heutigen Nationalspieler Heiko Westermann (Schalke 04). "Aber zwei Bundesligaspieler aus einem Jahrgang im Kreis, das ist schon sehr selten." In der unterfränkischen Bezirksauswahl hatte Kreß einmal Jochen Seitz (Viktoria Aschaffenburg/jetzt TSG Hoffenheim) und den Grombühler Frank Baumann (jetzt Werder Bremen) in einem Team - beide schafften den Sprung in die Bundesliga, Baumann wurde sogar Nationalspieler.

"Mit Marcel und Daniel war das ähnlich", sieht Kreß Parallelen. "Damals haben alle Trainer Jochen Seitz die größere Karriere vorhergesagt und Frank Baumann ist Nationalspieler geworden. Jetzt haben alle gedacht, dass Daniel Baier das größere Talent ist, aber Marcel ist Nationalspieler und Daniel momentan nur in der 2. Liga." Auch Kreß sah in der Jugend Baier vorne, vor allem die Technik des Mittelfeldmannes hatte es ihm angetan: "Insbesondere in der Halle hat es richtig Spaß gemacht, Daniel zuzuschauen."

Marcel Schäfer bestach schon in der Jugend durch seinen Einsatz. "Er war mehr ein Kämpfer, ein Draufgänger", erinnert sich der Auswahltrainer. Und schon damals auf der linken Seite zuhause. "Aber mehr offensiv, im Wechsel mit Zanetti", so Kress. "Wir mussten mit einer Viererkette spielen und mit drei Spitzen, das war Vorgabe des Verbandes." Da durfte dann auch Marcel Schäfer öfter seinen Offensivdrang austoben.

Fußarbeit

Und an sich arbeiten. "Rechter Fuß, rechter Fuß, habe ich ihm immer zugerufen. Das war sein schwacher", lacht Kreß. "Man muss mit dem schwachen Fuß in jeder Situation einen guten Ball spielen können. Kein Torschuss, keine Flanke, aber einen anständigen Pass zum Mitspieler, das ist ganz wichtig", sagt der B-Schein-Inhaber, der gezielt Schäfers rechten Fuß schulte.

Doch Auswahltrainer können sich kaum intensiv um die Talente kümmern, zu selten sind die gemeinsamen Trainingseinheiten. Ein Manko, das Heinz Kreß früh erkannte und abstellte: "Die Kollegen im Bezirk haben ihre Spieler alle vier Wochen gesehen. Aber wir im Kreis Aschaffenburg haben schon immer mehr gemacht. Einmal in der Woche war Training in Großostheim."

Trotzdem lief das meiste in den Vereinen. Von Heinz Kreß bekamen die Vereinstrainer entsprechend Hinweise, Stärken der Auswahlakteure besonders zu fördern und an den Schwächen zu arbeiten. "Bei Marcel und Daniel musste ich da wenig sagen. Da waren schon die Väter dahinter", erinnert sich Kreß an Markus Schäfer und Jürgen Baier - beide damals selbst Fußballprofis.

Die Sache mit Haas

Doch nicht immer führt der Weg zum Ruhm über die Aschaffenburger Kreisauswahl. So beim Erlenbacher Daniel Haas, der zuletzt in der Bundesliga das Tor der TSG Hoffenheim hütete.

Den Adleraugen von Heinz Kreß war der junge Torhüter keineswegs entgangen. "Ich habe extra den Verbandstrainer angerufen und ihm gesagt, dass ich einen tollen D-Jugendtorwart habe, allerdings jüngerer Jahrgang", erinnert sich Kreß. Weil besagter Verbandstrainer aber ausschließlich auf Akteure des älteren Jahrgangs baute, wurde Daniel Haas nicht eingeladen. Seiner Karriere tat dies keinen Abbruch, das Talent wurde kurz darauf von Spähern der Frankfurter Eintracht entdeckt.

So verhinderte nur ein sturer Verbandstrainer zwei Aschaffenburger Jahrhundertweine in zwei aufeinander folgenden Jahren - Haas gehörte dem Jahrgang 1983 an, wie ein gewisser Heiko Westermann.  (Oliver Banach)

Der Aschaffenburger Jahrhundertwein
Der Talent-Schmiedemeister: Heinz Kreß entging zwischen 1993 und 2000 kaum ein hoffnungsvoller Nachwuchskicker im Kreis Aschaffenburg. Andreas Schantz


Die Aschaffenburger Kreisauswahl 1984

Daniel Baier: Stammverein: RW Aschaffenburg; heute FC Augsburg (2. Liga, ausgeliehen vom VfL Wolfsburg/1 U-21-Länderspiel).

Andreas Biniasch: TSV Pflaumheim; TSV Pflaumheim (Bezirksliga Unterfranken).

Sebastian Bonn: TSV Röllfeld; TSV Röllfeld (A-Klasse Aschaffenburg).

Andreas Fuchs: DJK Hain; FC Laufach (Bezirksliga Unterfranken).

Sandro Heymig: Tuspo Obernburg; TSV Brunnthal (Kreisliga München, Gruppe 2).

Simon Hock: TSV Pflaumheim; verletzungsbedingtes Karriereende.

Stefan Hock: TSV Pflaumheim; SV Heimstetten (Landesliga Südbayern).

Jose Holebas: FC Südring; TSV 1860 München (2. Liga).

Benedikt Klebing: SV Stockstadt; Eintracht Straßbessenbach (Kreisliga Aschaffenburg/Miltenberg).

Daniel Lux: TSV Collenberg; TSV Collenberg (Kreisliga Aschaffenburg/Miltenberg).

Florian Michelbrink: SV Stockstadt; verletzungsbedingtes Karriereende.

Julian Müller: SV Großwallstadt; Borussia Neunkirchen (Oberliga Südwest).

Marcel Schäfer: Eintracht Straßbessenbach; VfL Wolfsburg (Bundesliga/1 A-Länderspiel).

Simon Schmidt: VfR Großostheim; Darmstadt 98 (Regionalliga Süd).

Thorsten Schnall: TuS Röllbach; SV Erlenbach (Bezirksoberliga Unterfranken).

Thomas Spatz: SG Strietwald; SV Erlenbach (Bezirksoberliga Unterfranken).

Frank Schröer: Viktoria Aschaffenburg; Viktoria Aschaffenburg (Regionalliga Süd).

Michael Wagner: TSV Niedernberg; verletzungsbedingtes Karriereende.

Christoph Zanetti: DJK-TSV Stadtprozelten; Bayern Alzenau (Hessenliga).


 
 
 
 

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