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23.12.2009 14:35 Uhr 0 Kommentare

Eintracht Frankfurts Profi Patrick Ochs über Trainertypen, Träume und Transferpolitik

Fußball 24 Punkte, Platz 10: Mit dieser Bilanz, der besten seit 16 Jahren, kann Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt nach der Vorrunde zufrieden in die Weihnachts-ferien gehen. Dennoch ist in der Main-Metropole zuletzt Feuer unterm Dach gewesen. Denn Trainer Michael Skibbe hadert wieder einmal mit Vereinsboss Heribert Bruchhagen, weil dieser auf dem Transfermarkt nur das Geld ausgeben will, das die Eintracht tatsächlich hat.

So platzte schon im Sommer die erhoffte Verpflichtung des Ex-Schalkers Lincoln aus finanziellen Gründen. In der vergangenen Woche ging der griechische Nationalstürmer Theofanis Gekas der Eintracht durch die Lappen. Der Reservist aus Leverkusen wechselte lieber zu Bundesliga-Schlusslicht Hertha BSC Berlin.



Fotogalerie: Klicken Sie auf eines der Bilder, um die Fotogalerie zu starten:

Bilderserie: Harald Schreiber

Patrick Ochs hat die ganze Aufregung interessiert verfolgt. Der 25-Jährige gebürtige Frankfurter hatte auf der rechten Seite in Abwehr und Mittelfeld großen Anteil daran, dass die Eintracht ihre Vorrundenziele erreicht hat. Er gehörte zu den konstantesten und zuverlässigsten Eintracht-Profis, auch wenn er sich eine überflüssige Rote Karte leistete. Die Main-Echo-Redakteure Oliver Banach und Martin Schwarzkopf sprachen mit Patrick Ochs kurz vor Weihnachten über seine Vorrundenbilanz, seine Erfahrungen mit verschiedenen Trainertypen und seine persönlichen Ziele.

Herr Ochs, gibt es nach dieser Vorrunde mit 24 Punkten für die Eintracht überhaupt irgendetwas zu meckern?
Mit der Punktzahl kann man voll und ganz zufrieden sein. Wir haben bisher eine ordentliche Saison gespielt. Vor allem haben wir aber besseren Fußball als im Vorjahr gezeigt, von einigen Ausrutschern abgesehen, bei denen wir richtig schlecht aufgetreten sind. Die Fans haben mehr Freude gehabt – und wir als Mannschaft auch.

Für Sie gab es in der Vorrunde persönlich eine wesentliche Veränderung: Sie sind von ihrer Stammposition auf der rechten Abwehrseite ins rechte Mittelfeld gerückt – und damit auf eine Position, die sie in der Eintracht-Jugend und bei den Amateuren des FC Bayern München auch schon gespielt haben. Wer hatte die Idee zu diesem Positionswechsel?

Das war die Idee unseres Trainers Michael Skibbe. Bei einem Freundschaftsspiel in Griechenland hat er mich im zentralen defensiven Mittelfeld ausprobiert – und das hat gut funktioniert, vor allem bei den Offensivaktionen. Deshalb hat der Trainer entschieden, dass wir es auch in der Bundesliga testen sollten.

Ist Ihnen der Umstieg leicht gefallen, schließlich hatten Sie als rechter Verteidiger einen guten Ruf in der Liga?


Für mich war das keine große Umstellung, nur weil ich ein bisschen weiter vorne spiele. Der wesentliche Unterschied ist, dass man als Mittelfeldspieler mehr Aktionen in der Offensive hat. Das macht mir Spaß, und es zahlt sich bisher in den Resultaten für die Mannschaft aus: Nach meinem Wechsel ins Mittelfeld haben wir zwei Spiele gewonnen und einmal unentschieden gespielt, das kann sich durchaus sehen lassen.

Fühlen Sie sich im Mittelfeld also wohler als in der Abwehr?


Mir ist es egal, wo ich spiele. Ich gebe immer alles und spiele auf der Position, auf der mich die Mannschaft braucht und auf der mich der Trainer einsetzen will.

Nicht nur Ihre Spielposition hat sich geändert. Bei Eintracht Frankfurt sollte nach dem Trainerwechsel von Friedhelm Funkel zu Michael Skibbe alles anders werden. Wie haben Sie diesen Wandel erlebt – und was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen diesen beiden Trainern?

Beide sind gute Trainer, sie haben aber unterschiedliche Auffassungen vom Fußballspielen. Friedhelm Funkel war ein Trainer, der auf die Defensive Wert gelegt hat. Das haben wir in jedem Training gesehen: Wenn wir zum Beispiel vier gegen vier gespielt haben, wollte Funkel vor allem, das kein Tor passiert. Bei Michael Skibbe ist es genau umgekehrt: Er erwartet bei der gleichen Übung von uns, dass wir möglichst viele Tore erzielen – und das nach tollen Kombinationen. Damit ist auch schon der wesentliche Unterschied zwischen den beiden benannt: Michael Skibbe ist eher offensiv orientiert und will mit uns möglichst schönen Fußball zeigen.

Tatsächlich gab es einige ansehnliche Auftritte ihrer Mannschaft. Doch auch Ihr neuer Trainer musste mit bitteren Tiefpunkten und ganz schwachen Vorstellungen leben. Warum gab es diese Einbrüche, zum Beispiel gegen Leverkusen?


Das können wir uns selbst nicht erklären. Wenn wir es wüssten, würden wir es ja sofort abstellen. Aber Sie haben natürlich recht: Die fehlende Konstanz ist derzeit unsere größte Schwäche, wenn wir stabiler spielen würden, könnten wir in der Tabelle noch deutlich besser dastehen. Das wird auch unsere wichtigste Aufgabe in der Rückrunde sein: Wir müssen konstant gute Leistungen zeigen und die starken Schwankungen abstellen.

Fehlen der Eintracht für konstantere Leistungen die großen Namen in der Mannschaft?

Wir haben tatsächlich keinen überragenden individuellen Klassespieler, wir leben von unserer ausgeglichenen Mannschaft, von unserem gemeinsamen Willen, immer noch mehr zu erreichen. Wenn auch nur zwei oder drei von uns keine Normalform erreichen, fallen wir
schnell auf die Nase. Wir müssen jede Woche Vollgas geben – nur so können wir auch gegen nominell stärkere Gegner wie zuletzt in Hoffenheim bestehen.

Michael Skibbe führt die zum Teil schwachen Auftritte auch auf die fehlende Qualität in der Mannschaft zurück – und fordert deshalb Verstärkungen. Kurz vor Weihnachten gab es deshalb wieder Zoff mit Vereinschef Heribert Bruchhagen, weil dieser aus Skibbes Sicht zu vorsichtig auf dem Transfermarkt agiert. Belastet diese Auseinandersetzung die Mannschaft?


Nein, überhaupt nicht. Es ist unsere Aufgabe, jede Woche unsere bestmögliche Leistung auf dem Platz abzurufen. Natürlich lesen wir Zeitung und bekommen mit, was über unseren Verein geschrieben wird. Wir wissen aber auch, dass da manches aufgebauscht wird. Wir freuen uns auf jedes Spiel und wollen immer gewinnen, daran ändern solche Schlagzeilen gar nichts.

Beim Streit zwischen Skibbe und Bruchhagen geht es aber um Grundsätzliches: Wie viel Risiko kann sich Eintracht Frankfurt leisten, wie viel Risiko muss sich der Verein leisten? Dazu haben Sie doch auch eine eigene Meinung: Braucht die Eintracht Verstärkungen, zum Beispiel einen neuen Stürmer?

Jede Mannschaft freut sich über gute Spieler. Wenn Spieler wie der Grieche Gekas oder der Brasilianer Lincoln auf dem Markt sind, warum sollen wir dann nicht versuchen, sie zu bekommen? Die Mannschaft hätte sicherlich nichts dagegen, wenn so jemand zu uns kommt – und Verstärkungen werden uns bestimmt gut tun. Jeder einzelne Spieler von uns würde in der Bundesliga lieber einmal oben angreifen als auf Dauer nur im Mittelfeld zu stehen. Immer nur Mittelmaß, das ist aus meiner Sicht keine Perspektive für die Eintracht. Meine Meinung ist klar: Irgendwann müssen wir einmal mehr riskieren und investieren, um oben heranzukommen.

Ist das Ziel, weiter oben mitzuspielen, überhaupt realistisch?


Ich denke ja. Wir haben uns sehr positiv entwickelt, 23 Punkte nach der Vorrunde sind der beste Beleg, dass in Frankfurt gut gearbeitet wird. Wenn wir jetzt noch zwei, drei echte Verstärkungen dazubekommen, ist für uns noch mehr möglich.

Lassen Sie uns über Ihre persönlichen Ziele sprechen: Träumen Sie noch von einer Berufung in die Nationalmannschaft?

Das wird immer mein Traum bleiben, aber die Erfüllung dieses Traums ist derzeit weit weg. Selbst als ich in der Bundesliga über Monate Top-Leistungen gebracht habe, wurde zwar immer davon geredet, dass ich einmal im Nationalteam reinschnuppern dürfte – aber die Berufung blieb dann immer aus. Deshalb konzentriere ich mich ausschließlich auf Eintracht Frankfurt, die Nationalmannschaft ist für mich derzeit kein Thema.

Ich das nicht frustrierend, trotz konstant guter Vorstellungen offenbar bei Joachim Löw überhaupt keine Chance zu haben?

Nein, das finde ich nicht frustrierend. Ich lebe meinen Traum, kann hier in der Frankfurter Arena vor mehr als 50 000 begeisterten Zuschauern Fußball spielen. Klar ist aber auch: Wenn die Einladung zur Nationalmannschaft kommt, würde ich sie begeistert annehmen.

Zurück zur Bundesliga und zur Eintracht: Ist es ein realistisches Ziel für die Rückrunde, die Plätze, die zur Teilnahme an internationalen Wettbewerben berechtigen, ins Visier zu nehmen?


Nein. Tatsächlich ist der Abstand zur Spitzengruppe nicht sehr groß – aber auch der Abstand nach unten ist nicht überwältigend. Drei Niederlagen in Folge, und wir stecken wieder mitten im Abstiegskampf. Wir müssen deshalb an unseren realistische Zielen festhalten. Wir wollen 46 Punkte erreichen – das wäre eine gute Leistung.

Auf welchem Tabellenplatz wird Eintracht Frankfurt die Saison beenden?

Wir werden alles dafür tun, dass es ein einstelliger Tabellenplatz wird.



 
 
 
 
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