Nur beim Vermessen der überdimensionalen Blöcke unterstützt sie ein Computer. Der Computer zeichnet eine dreidimensionale Karte der Gesteinsoberfläche: Linien, wie die Höhenmarkierungen auf einer Landkarte, zeigen an, wo die Oberfläche höher oder tiefer ist. Mit dem bloßen Auge ist nichts zu erkennen. Auch die geübten Finger der Läpper können nur selten die Unebenheiten im Gestein fühlen, die der Computer findet.
Trotz der fast unsichtbaren Unebenheiten wäre der frisch angelieferte Granit für die Kunden des Aschaffenburger Unternehmens völlig ungeeignet. Für ihre hochpräzisen Maschinen benötigen sie glatte Oberflächen, deren höchste und tiefste Stellen nicht mehr als einige tausendstel Millimeter Höhendifferenz aufweisen dürfen. Wer diese Kunden sind und welche Geräte sie damit bauen, darüber sprechen die Mitarbeiter in dem Raum, in dem ständig eine Klimaanlage die Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant hält, nicht gern. Auch die Auftragsblätter enthalten keine Namen. Nur so viel: Die Granitplatten mit der glatten Oberfläche sind in der Messtechnik und in vielen Laboren gefragt.
Im Klimaraum gelagert
Bevor aus der angelieferten Platte - die meisten kommen mit Schiffen aus Südafrika und China - ein hochpräzises Arbeitsgerät werden kann, muss der Granit einige Stunden in dem abgeschotteten Klimaraum lagern. »Sonst hängt die Platte durch oder die Ecken biegen sich hoch«, erklärt Heiko Fehlhauer, der stellvertretende Abteilungsleiter. Auch das erkennt das bloße Auge freilich nicht, das Messgerät hingegen schon.
Nachdem sich die Platte an das Klima angepasst hat, beginnt die Handarbeit, die bei großen Aufträgen schon mal zwei Mitarbeiter mehr als eine Woche beschäftigen kann: Zuerst zeichnet der Schleifer die Höhenlinien grob auf der Platte nach, bevor er den Granit mit einem Schwamm befeuchtet. Auf die feuchten Stellen verteilen Fehlhauer und sein Team ein feines Pulver aus Silizium und Kohlenstoff. Dann kommen die gusseisernen Läppplatten zum Einsatz, die jedem Lehrling bei Oelze Präzision nicht nur viel Geduld, sondern auch einige Wochen mit Muskelkater abverlangen.
Unsichtbare Berge
Mit kreisförmigen Bewegungen verreiben die Arbeiter das feine Pulver, um die Oberfläche abzuschleifen. »Die Arbeit geht in den ersten Wochen ganz schön in die Arme«, sind sich alle einig. »Wie viel Kraft man dafür braucht, um größere oder kleinere Unebenheiten zu beseitigen, da entwickelt jeder seine eigene Technik«, erklärt Heiko Fehlhauer. Nach jedem Läppvorgang, muss erneut gemessen und gerechnet werden: Wo sind die Berge noch zu hoch, wo darf ich jetzt nicht mehr abtragen? Eine Sisyphos-Arbeit, könnte man meinen. Doch gerade diese Genauigkeit reizt die Mitarbeiter im Klimaraum. Jeden Tag eine neue Herausforderung, scheinbar unsichtbare Berge zu beseitigen und Täler auszugleichen. Jeden Tag das Bestreben, noch genauer zu werden. Wie ein Wettkampf mit sich selbst.
Foto: Peter Rogowsky
Firmensteckbrief




































