Dienstag, 22.5.2012
 
Login | Neu hier?
 
 
  
 
hinzufügen Merkliste (0 Objekte)
 
Punkte
Text vergrößern
Text verkleinern
Artikel drucken
Artikel weiterempfehlen
Artikel kommentieren
+
Bookmark
Del.icio.us
Digg
Facebook
Google Bookmarks
Mister Wong
Webnews
Yigg
01.06.2007 00:00 Uhr 0 Kommentare

Wo ein Haar zum Berg wird

Bei Oelze Präzision wird bei Granitplatten besonders genau Maß genommen

Wo der Laie eine ebene Oberfläche sieht, finden die Mitarbeiter von Oelze Präzision noch riesige Täler und Hügel. Das Unternehmen im Industriegebiet des Aschaffenburger Stadtteils Obernau fertigt Granitplatten, deren Oberflächen so eben sind, dass selbst ein ausgefallenes Haar sich darauf wie ein Gebirge auftürmen würde. Kunden sind Maschinenbauer, bei denen es auf höchste Genauigkeit ankommt.

Wo ein Haar zum Berg wird
pic_82069 LinoImport
Sieben Meter ist der Granitklotz lang, über acht Tonnen schwer, den Heinz Krenz gerade läppt, wie das Schleifen der Oberfläche genannt wird. In dem Klimaraum von Oelze Präzision wird nicht viel gesprochen. Alle arbeiten konzentriert. Im Hintergrund dudelt leise ein Radio. Hier kommen keine hoch-technisierten Geräte zum Einsatz, Laserstrahl-Vermessungssysteme oder vollautomatische Schleifmaschinen sucht man vergebens. Heinz Krenz und seine Kollegen läppen die Granitplatten auf einige tausendstel Millimeter genau - in Handarbeit.

Nur beim Vermessen der überdimensionalen Blöcke unterstützt sie ein Computer. Der Computer zeichnet eine dreidimensionale Karte der Gesteinsoberfläche: Linien, wie die Höhenmarkierungen auf einer Landkarte, zeigen an, wo die Oberfläche höher oder tiefer ist. Mit dem bloßen Auge ist nichts zu erkennen. Auch die geübten Finger der Läpper können nur selten die Unebenheiten im Gestein fühlen, die der Computer findet.

Trotz der fast unsichtbaren Unebenheiten wäre der frisch angelieferte Granit für die Kunden des Aschaffenburger Unternehmens völlig ungeeignet. Für ihre hochpräzisen Maschinen benötigen sie glatte Oberflächen, deren höchste und tiefste Stellen nicht mehr als einige tausendstel Millimeter Höhendifferenz aufweisen dürfen. Wer diese Kunden sind und welche Geräte sie damit bauen, darüber sprechen die Mitarbeiter in dem Raum, in dem ständig eine Klimaanlage die Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant hält, nicht gern. Auch die Auftragsblätter enthalten keine Namen. Nur so viel: Die Granitplatten mit der glatten Oberfläche sind in der Messtechnik und in vielen Laboren gefragt.

Im Klimaraum gelagert

Bevor aus der angelieferten Platte - die meisten kommen mit Schiffen aus Südafrika und China - ein hochpräzises Arbeitsgerät werden kann, muss der Granit einige Stunden in dem abgeschotteten Klimaraum lagern. »Sonst hängt die Platte durch oder die Ecken biegen sich hoch«, erklärt Heiko Fehlhauer, der stellvertretende Abteilungsleiter. Auch das erkennt das bloße Auge freilich nicht, das Messgerät hingegen schon.

Nachdem sich die Platte an das Klima angepasst hat, beginnt die Handarbeit, die bei großen Aufträgen schon mal zwei Mitarbeiter mehr als eine Woche beschäftigen kann: Zuerst zeichnet der Schleifer die Höhenlinien grob auf der Platte nach, bevor er den Granit mit einem Schwamm befeuchtet. Auf die feuchten Stellen verteilen Fehlhauer und sein Team ein feines Pulver aus Silizium und Kohlenstoff. Dann kommen die gusseisernen Läppplatten zum Einsatz, die jedem Lehrling bei Oelze Präzision nicht nur viel Geduld, sondern auch einige Wochen mit Muskelkater abverlangen.

Unsichtbare Berge

Mit kreisförmigen Bewegungen verreiben die Arbeiter das feine Pulver, um die Oberfläche abzuschleifen. »Die Arbeit geht in den ersten Wochen ganz schön in die Arme«, sind sich alle einig. »Wie viel Kraft man dafür braucht, um größere oder kleinere Unebenheiten zu beseitigen, da entwickelt jeder seine eigene Technik«, erklärt Heiko Fehlhauer. Nach jedem Läppvorgang, muss erneut gemessen und gerechnet werden: Wo sind die Berge noch zu hoch, wo darf ich jetzt nicht mehr abtragen? Eine Sisyphos-Arbeit, könnte man meinen. Doch gerade diese Genauigkeit reizt die Mitarbeiter im Klimaraum. Jeden Tag eine neue Herausforderung, scheinbar unsichtbare Berge zu beseitigen und Täler auszugleichen. Jeden Tag das Bestreben, noch genauer zu werden. Wie ein Wettkampf mit sich selbst.

Christian Dietz
Foto: Peter Rogowsky

Firmensteckbrief

  • Oelze Präzisionsund Messzeugfabrik
  • Branche: Präzisions-Messzeuge
  • Rechtsform: Gesellschaft mit beschränkter Haftung
  • Gründung: 1926 als Unternehmen für Holzbearbeitungsmaschinen
  • Mitarbeiter: 23
  • Geschäftsführer: Reinhilde Oelze, Lars Oelze
  • Informationen: www.oelze-praezision.de>

  •  
     
     
     

    da-20120509-buergstatt
     

     

    TELEFON- UND BRANCHENBUCH
    Was suchen Sie?


    Wo suchen Sie?



    da-20120522-dirker
     
    VERANSTALTUNGSKALENDER
    Mai 2012
    Mo Di Mi Do Fr Sa So
     123456
    78910111213
    14151617181920
    21222324252627
    28293031   
           

    SUCHE IM RESSORT