Bis über die fränkische Platte reicht das Auge; wenn das Wetter mitspielt, ist gar die Frankenwarte bei Würzburg zu sehen, so Thomas Roth. Der 42-Jährige arbeitet für Alois Konstantin Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und dessen Sohn, den Erbprinzen Carl Friedrich. Dem Fürsten gehören Hof und Wald. Roth ist der Revierförster.
Er weiß, dass der Name "Margarethenhof" im Jahr 1348 erstmals auf einer Urkunde stand. Die profanierte Kapelle wird dem Ende des 12. Jahrhunderts zugerechnet. Jahrhundertelang war das Anwesen ein wichtiges landwirtschaftliches Hofgut für das ehemalige Kloster Neustadt. Genauer gesagt: bis zur Säkularisation 1803. Seither regieren die Fürsten zu Löwenstein.
Hinter der Kapelle sprudelt eine Quelle. Sie war wohl vor vielen hundert Jahren das Argument, auf dem wasserarmen Spessart-Höhenrücken ein Hofgut zu bauen. Der Bach, der zur tagaus tagein Wasser liefernden Quelle gehört, mündet als "Schweppbach" in den Main.
Mit dem Besitzerwechsel 1803 änderte sich die Hofhaltung. Die Jagdleidenschaft der neuen Herren soll dazu geführt haben, dass auf dem Hof Pferde gezüchtet wurden. 1817 wird ein Gestüt englischer Zuchtpferde erwähnt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Kleinod des Wanderers Ziel. Das Archäologische Spessartprojekt berichtet von "schöne(r) Stimmung an den langen Tischen", vom "teilweise mit einer Laube überdachten Hof". Genannt wird die Wirtin "Margarethers-Anna", bekannt für ihren Kochkäse. Das Geviert des etwa 80 auf 80 Metern großen Hofs umfasst Ställe, Scheune, Wohnhaus und Kapelle. Tiere leben hier schon lange nicht mehr. Heute ist das Wohnhaus vermietet.
Die Kapelle wurde 1619 bis 1633 restauriert, so Förster Roth. 1709 ließ Abt Bernhard Krieg die Südmauer im gotischen Stil neu aufbauen. Der Abt verewigte sich mit seinem Wappen am West-Giebel oberhalb des Eingangs zur Empore. An den Saal der Kapelle schmiegt sich ein rechteckiger Chor aus dem 17. Jahrhundert. Mitarbeiter des Spessartprojekts vermuten, dass er eine romanische Apsis ersetzte, von der das Rundfenster stammt.
Vor zehn Jahren ist eine Wand der leeren und abgeschlossenen Buntsandstein-Kapelle eingestürzt. Mit alten Materialien haben Fachleute sie aufgebaut und die Fenstergewände hergerichtet, sagt Roth. "Alles mit der Hand." Alte Biberschwanz-Ziegeln hat man wiederverwendet oder herbeigeschafft. Der Dachstuhl ist neu.
Die Lautlosigkeit der ehemaligen Rodungsinsel mit dem Margarethenhof macht schweigsam. Matthias Schwind Ende der Serie "Reingeschaut"; alle Folgen im Internet unter www.main-netz.de/nachrichten/serien/gebaeude-im-spessart







































