Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn, der auch Vize-Ministerpräsident und Integrationsminister ist, hatte am Donnerstag die gesellschaftliche Akzeptanz eines »asiatisch aussehenden Vizekanzlers« infrage gestellt und mit seinen Äußerungen einen Sturm der Entrüstung entfacht.
»Die Wortwahl war offensichtlich missverständlich. Es ist aber notwendig, diese Debatte zu führen«, sagte Becker. Hahn habe eigentlich das von ihm geschilderte Rassismus-Problem im Umgang mit Rösler ansprechen wollen.
Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth schilderte ähnliche Erlebnisse. »Als FDP-Mitglied erlebe ich häufig offene oder versteckte rassistische Äußerungen mit Blick auf Rösler. Dabei könne wir stolz auf unser Land sein, in dem es möglich ist, dass ein Opfer des Vietnam-Krieges es bis in die Regierungsspitze schaffen kann«, sagte Kurth der in Halle erscheinenden »Mitteldeutschen Zeitung«. Aus seiner Sicht stelle Hahn nicht Rösler infrage. Vielmehr wolle dieser wissen, »ob die Bürger tatsächlich für den Fortschritt bereit sind, einen »asiatisch aussehenden Deutschen« als Vizekanzler zu akzeptieren. Das ist ein Appell an das schlechte Gewissen der Deutschen.«
Rückendeckung bekam Hahn auch von Ausländerbeiräten. »Er ist nicht rassistisch eingestellt«, sagte der Vorsitzende der hessischen Ausländerbeiräte (agah), Corrado Di Benedetto, der Nachrichtenagentur dpa. Im Gegenteil: »Ich sehe die Äußerungen des Integrationsministers unmissverständlich positiv.«
»Unsere Gesellschaft ist wohl noch nicht so weit, dass man es als selbstverständlich ansieht, dass Menschen mit Migrationshintergrund Führungspositionen besetzen«, sagte Di Benedetto. Hahn habe dieses Thema angesprochen – »und es ging dabei keineswegs um Rösler«.
Hahn hatte der »Frankfurter Neuen Presse« gesagt: »Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.« Die Opposition reagierte mit heftiger Kritik und warf Hahn »billigsten Rassismus« und eine »stillose Entgleisung« vor.
Hahn selbst hatte am Abend versucht, die Wogen mit einer schriftlichen Mitteilung wieder zu glätten. »Ich habe darauf hinweisen wollen, dass es in unserer Gesellschaft einen weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gibt.« Dieses gesellschaftliche Problem dürfe man nicht totschweigen, sondern müsse es offen ansprechen, um es zu bekämpfen. dpa
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