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10.12.2012 17:15 Uhr 0 Kommentare

Opel beendet Autobau in Bochum

3000 Jobs in Gefahr 
Es ist ein schwarzer Tag für die Opelaner in Bochum. In ihrem Werk rollt in vier Jahren das letzte Auto vom Band. Es wird ein Zafira-Minivan sein. Anschließend ist nach mehr als einem halben Jahrhundert mit der Produktion ganzer Fahrzeuge Schluss. Die Mitarbeiter sind aufgebracht und enttäuscht. Das ohnehin vom Strukturwandel schwer getroffene Ruhrgebiet verliert weitere bis zu 3000 Jobs. Und doch, sagen Experten, ist die Entscheidung richtig.
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 Viele wirken wie unter Schock, andere fassungslos an diesem bitterkalten Morgen. Als die Bochumer Opel-Mitarbeiter am Montag die Belegschaftsversammlung im Kongresszentrum verlassen, blicken die meisten starr drein und strömen wortlos am Journalisten-Pulk vorbei. »Ich hab abgeschaltet«, sagt einer im Vorbeigehen sichtlich frustriert.

Es sind mehr als 2000, die zusammenkamen. Gerade hat Opel-Interimschef Thomas Sedran das Ende des Autobaus in ihrem Werk verkündet. Ab 2016 werden keine Zafiras mehr von den Bändern in Bochum rollen. Diesmal soll das Aus endgültig sein.

»Wir sind alle in so einer Art Schockstarre«, sagt Werkzeugmacher Carsten Adametz. Der drahtige Mann ist seit 25 Jahren Opelaner. Jetzt hat er nur noch Angst um seinen Job. »Am heutigen Tag ist meine ganze Zukunft zerrissen worden.«

Dann bricht Wut und Enttäuschung aus ihm heraus. »Dass die einer Mannschaft, die bald 50 Jahre hier super Produkte herstellt, so in den Arsch treten, ist eine Sauerei.« Als Vertrauensmann wird der 44-Jährige später dabei sein, wenn Betriebsrat und Gewerkschaft darüber beraten, wie der Kampf um das Opel-Werk aussehen könnte.

Einige Meter von Adamek entfernt, auf der anderen Straßenseite, steht ein Polizeiauto. Ein junger Mann nickt im Vorbeigehen in Richtung des Wagens. »Das sagt doch schon alles, oder?« sagt Sebastian, der seine Ausbildung bei Opel macht. »Dass die da Beamte reinholen, und Security, die uns am Eingang kontrolliert.«

Hinter den Glastüren des Kongresszentrums sei die Stimmung aggressiv gewesen, gereizt, erzählt der 23-Jährige. »Einige sind sehr laut geworden«, berichtet seine Kollegin Yvonne, auch Auszubildende. Opel-Chef Sedran spricht nur wenige Minuten, um die schlechte Nachricht zu verbreiten. Dann will er eilig weiter, ins Hotel Renaissance, noch ein kurzes Statement für die Presse abgeben.

»Peinlich« und »entwürdigend« finden viele Opelaner sein Auftreten, sie fühlen sich sitzengelassen. Zu Tumulten sei es gekommen, als der Opel-Interimschef den Saal mit zwei anderen Vorständen durch die Hintertür verlassen wollte, erzählen sie. Ein Vertrauensmann wollte Sedran zur Rede stellen, doch zwei Sicherheitskräfte hätten sich gleich auf ihn gestürzt, ihn zu Boden gedrückt und gewürgt.

»Es kann nicht sein, dass einer von uns rausgegriffen wird und so behandelt wird«, schimpft Opel-Arbeiter Paul Fröhlich. Er steht schräg unter einem gelben Banner mit der Aufschrift »Zukunft für ALLE bei Opel Bochum« und spricht in ein Mikrofon.

Alle – das sind junge Auszubildende genau so wie andere, die ihr halbes Leben zu Opel in Bochum gehört haben. »Zu Weihnachten so eine Aussage – das ist gerade für Familien ziemlich niederschmetternd«, sagt Peter Porsdorf, der in der Reparatur arbeitet. Er ist jetzt 48 Jahre alt. Dem alleinerziehenden Vater graut es davor, sich mit Anfang 50 noch einmal einen neuen Job suchen zu müssen. Dass er dann auf Dauer auf Jobsuche gehen muss, steht für ihn schon jetzt fest.

Ähnlich schwarz sieht Opelaner Joachim Güsskamm: Der 52-Jährige fürchtet, 2016 endgültig zu alt für den Arbeitsmarkt zu sein: »Wer will mich denn dann noch einstellen?«

Noch ist unklar, wie es für viele der mehr als 3000 Opel-Mitarbeiter nach 2016 weitergeht. Bis dahin einfach so weitermachen wie bisher – das kann sich hier in Bochum aber keiner vorstellen. Fast alle wollen kämpfen. »Es ist noch offen, ob morgen um sechs Uhr die Produktion startet«, sagt der Opelaner Fröhlich.
Florentine Dame und Julia Wäschenbach, dpa


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