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19.01.2012 16:59 Uhr 0 Kommentare

Zukunft von Manroland Offenbach weiter ungewiss

Massenentlassungen werden vorbereitet Die Einschnitte beim Druckmaschinenbauer Manroland sind tief. Die Zukunft des Standorts Offenbach bleibt ungewiss, auch weil es bis zu einer Landesbürgschaft noch weit ist. Rund 1000 Leute verlieren ihren Job. Ihnen wird in einer Transfergesellschaft geholfen.
Mit der geplanten Zerschlagung des insolventen Druckmaschinenbauers Manroland hat das Ringen um die Zukunft des Offenbacher Werks weiter zugenommen. Während in Wiesbaden um eine noch gar nicht beantragte Landesbürgschaft gestritten wurde, laufen in Offenbach die Vorbereitungen für Massenentlassungen. Die Arbeitsagentur sagte am Donnerstag zu, dass alle rund 1000 Betroffenen in eine Transfergesellschaft übernommen werden können.

Nach den ersten Plänen vom Mittwoch sollen deutschlandweit von 4700 Arbeitsplätzen noch 2500 bleiben, die meisten davon im Stammwerk Augsburg. In Offenbach schrumpft die Zahl der Jobs von zuletzt gut 1800 auf 750. Die Gläubiger des Konzerns haben entschieden, das Werk Augsburg an die Lübecker Possehl-Gruppe zu verkaufen. Die Werke in Offenbach und Plauen werden abgetrennt. In Hessen will der Insolvenzverwalter Werner Schneider zunächst Gesellschafter des Standorts bleiben und gemeinsam mit dem Management nach einem Investor suchen.

Bei Gewerkschaften und Kommunen überwiegt die Erleichterung, dass zumindest Teile des Konzerns nach der Zerschlagung weiter machen können. Gesamtbetriebsratschef Jürgen Bänsch sagte im Bayerischen Rundfunk: »Ich gehe davon aus, dass wir mit dem deutlichen und harten Personaleinschnitt eine Größenordnung erreicht haben, mit der wir langfristig stabil arbeiten können.«

Der Bogendruck in Offenbach muss die tiefsten Einschnitte verkraften. »Es sind alle geschockt«, sagte die IG-Metall-Bevollmächtigte Marita Weber. Der Betriebsrat überprüft gerade, ob das Unternehmen bei den Personalentscheidungen die sozialen Kriterien ausreichend berücksichtigt hat. Die Nachfolgefirma müsse wie ein mittelständisches Unternehmen ausgerichtet werden, verlangte die Gewerkschafterin.

Insolvenzverwalter Schneider will am Montag weitere Details zum geplanten Stellenabbau an den drei Standorten in Augsburg, Offenbach und Plauen offenlegen. Unter anderem müsse geklärt werden, welche Beschäftigten bereits etwa unter Altersteilzeitregelungen fallen oder selbst einen neuen Job gefunden haben.

Bis zum 31. Januar zahlen noch die Arbeitsagenturen das Insolvenzgeld für die Mitarbeiter. Ab dem 1. Februar sollen drei Transfergesellschaften an den jeweiligen Standorten die Mitarbeiter übernehmen, die nach der Zerlegung des Unternehmens nicht mehr an Bord bleiben können. Sie erhalten dann für bis zu zwölf Monate das sogenannte Transfer-Kurzarbeitergeld, das aus Versicherungsbeiträgen der Arbeitsagentur stammt. In der Höhe entspricht es mit 60 Prozent vom Netto (67 Prozent mit Kind) dem Arbeitslosengeld I. Die Transferzeit gilt nicht als Arbeitslosigkeit.

Welche private Transfergesellschaft den Zuschlag für die Betreuung der Offenbacher Manroland-Beschäftigten erhalte, liege in der Hand des Insolvenzverwalters, sagte eine Sprecherin der Arbeitsagentur. In der Transferzeit sollen die Menschen weiterqualifiziert und möglichst in neue Jobs vermittelt werden. Die Tätigkeit wird auch von den Alteigentümern Allianz und MAN mitfinanziert, die dafür nach Verhandlungen 24 Millionen Euro bereitgestellt haben.

Hessen mahnte den angekündigten Fortführungsplan für Offenbach an. Schneider müsse sein Konzept nun schwarz auf weiß vorlegen, erklärte Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) in Wiesbaden. »Erst auf dieser Grundlage können wir eine Rettungsbürgschaft prüfen. Konkrete Unterstützung bedarf konkreter Pläne und kann nicht auf Zuruf erfolgen.« Posch wies darauf hin, dass bei einer öffentlichen Bürgschaft zwingend die Kreditvergabe durch eine Bank und die Zustimmung der EU-Kommission erforderlich sei.

Die Opposition warf der Regierung Untätigkeit bei der Rettung von Manroland vor. SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel sagte am Donnerstag, die Einigung von Mittwoch hinterlasse einen »schalen Nachgeschmack«. Einerseits sei es gut, dass 750 Arbeitsplätze am Main gerettet werden könnten. Aber es sei nicht verständlich, dass die Lübecker Unternehmensgruppe Possehl ausgerechnet am Offenbacher Werk nicht interessiert sei. Dabei würden den Maschinen für den Bogendruck aus Offenbach von Analysten bessere Zukunftschancen vorhergesagt als den Produkten anderer Werke.

Wie die SPD setzten sich auch die Grünen für eine Landesbürgschaft zum Neustart des Industrieunternehmens ein. Der Abgeordnete Kai Klose sagte, das Land müsse die weitere Entwicklung von Manroland in Hessen aktiv unterstützen. Es liege im Interesse des Landes, das Werk in der Stadt mit der höchsten Arbeitslosigkeit in Hessen zu erhalten. Auch die CDU bekannte sich zu dem Ziel, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. »Zur Prüfung einer Rettungsbürgschaft muss der Insolvenzverwalter aber ein stichhaltiges Konzept vorlegen«, verlangte der CDU-Politiker Holger Bellino.

Druck macht auch Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD). Er sei nach Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter, Gewerkschaftern und Managern davon überzeugt, dass die Hightech-Bogendruckmaschinen »made in Offenbach« weiterhin gute Chancen auf dem Weltmarkt haben, sagte er. Es sei ein Vorteil, dass das Werk nun alleine agieren könne. Die Zusammenarbeit mit MAN habe sich nicht bewährt. »Wir haben zehn Jahre lang erlebt, wie der Standort ausgesaugt wurde.« Die Stadt stecke seit 20 Jahren in einem tiefgreifenden Strukturwandel, so dass auch die Manroland-Insolvenz das Gemeinwesen nicht unvorbereitet treffe. Von Christian Ebner, dpa



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