Dienstag, 22.5.2012
 
Login | Neu hier?
 
 
  
 
hinzufügen Merkliste (0 Objekte)
 
Punkte
Text vergrößern
Text verkleinern
Artikel drucken
Artikel weiterempfehlen
Artikel kommentieren
+
Bookmark
Del.icio.us
Digg
Facebook
Google Bookmarks
Mister Wong
Webnews
Yigg
30.05.2011 18:05 Uhr 0 Kommentare

Dolmetschen bei Gericht – spannend und schwierig

Abwechslungsreiche Arbeit Ob Zivilprozesse, Strafsachen oder Verhandlungen am Familiengericht, Dolmetscherin Alla Kusch ist häufig im Gerichtssaal – oft mehr als mancher Richter. Sie liebt die abwechslungsreiche Arbeit für die Justiz – auch wenn die Bedingungen nicht immer einfach sind.
Gerichts-Dolmetscherin
Die Dolmetscherin Alla Kusch wartet im Landgericht in Darmstadt auf den Beginn eines Prozesses (Foto vom 14.04.2011). Frank Rumpenhorst (dpa)
Zwei Jahre hat der längste Prozess gedauert, bei dem Alla Kusch (55) ihr ganzes Können als Dolmetscherin einbringen musste. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen wurde am Landgericht Limburg illegaler Drogenschmuggel verhandelt – mit Rauschgifthunden und Kontrollen an jedem Verhandlungstag. »Das ist spannend und so, als würde man einen Krimi live erleben«, sagt die gebürtige Lettin, deren Muttersprache Russisch ist.

Der Liebe wegen kam Kusch vor 20 Jahren nach Südhessen. Zuvor hatte sie in Moskau Germanistik studiert und promoviert. Dann arbeitete sie zehn Jahre als Deutschdozentin an der Uni in Riga. Beste Voraussetzungen, um in Deutschland als Dolmetscherin für Russisch und Lettisch zu arbeiten. Nachdem sie die staatlichen Prüfungen zur Dolmetscherin und Übersetzerin in Hessen bestanden hatte, dachte sie bald daran, im Gericht zu arbeiten.

»Am Anfang war das nicht so einfach, denn ich fühlte mich unter einem ähnlichen Druck wie die Angeklagten. Es hängen ja Schicksale davon ab, wie authentisch ich das Gesagte rüberbringe.« Denn Richter, Staatsanwälte und Anwälte sollen in ihren Worten den Angeklagten und die Zeugen reden hören, und nicht die Dolmetscherin. Es sei eine »unheimlich verantwortungsvolle« Tätigkeit, bei der sie schnell reagieren müsse. Oft ergebe sich auch ein ganz neuer Blick auf die Welt, denn »die Menschen und Schicksale vor Gericht sind immer anders und immer neu«, sagt Kusch, die auch bei Hochzeiten, Konferenzen und Messen dafür sorgt, dass sich die Menschen richtig verstehen.

Junge Leute, die sich für ein Dolmetscherstudium entscheiden, hätten zwar gute Chancen, die Rahmenbedingungen speziell für Gerichtsdolmetscher seien aber durchaus verbesserungswürdig. »Das Verständnis für diese Arbeit ist generell nicht sehr groß«, bedauert Kusch. »Als Dolmetscher kommt man beispielsweise in den Gerichtssaal ohne zu wissen, worum es überhaupt geht.« Dies soll die Unvoreingenommenheit sicherstellen, erläutert Kuschs Kollegin Ilse Freiburg vom Berufsverband der Übersetzer und Dolmetscher Hessen. »Wir wünschen uns aber, vorab zumindest grob über die Art des Falles informiert zu werden – immerhin sind wir vereidigt und unterliegen der Schweigepflicht!«

Eine andere Schwierigkeit: Nur in wenigen Bundesländern müssen Dolmetscher vor der Berufung ans Gericht ausreichende Kenntnisse der Rechtssprache und der Grundlagen des deutschen Rechts nachweisen. Hessen gehört nicht dazu. »Hier kann im Moment jeder ad hoc vereidigt werden, auch ohne Dolmetscherstudium und Sprachkenntnisnachweis«, sagt Kusch. »Wir müssen aber sehr viel mehr können als nur die Sprache zu sprechen.« Die akustisch zu verstehen sei auch nicht immer einfach, denn in manchen Gerichtssälen gebe es noch immer keine Mikrofone.

Das alles und die Arbeitszeit macht den Job oft anstrengend: »Acht Stunden Verhandlung mit einer kurzen Mittagspause sind keine Seltenheit«, berichtet Kusch. Und in der ohnehin schon knappen Pause werde sie oft gebeten, noch schnell das eine oder andere Gespräch zwischen Anwalt und Mandant von einer Sprache in die andere zu übertragen. Anderswo in Europa seien oft zwei Dolmetscher gemeinsam im Gericht, die sich im Halbstundentakt ablösen, ergänzt Ilse Freiburg.

Das anspruchsvolle und anstrengende Dolmetschen vor Gericht »wird leider unter dem Niveau der auf dem freien Markt üblichen Honorare bezahlt«, sagt Kusch. »Und trotzdem gehen unsere Stundensätze in einigen behördlichen Bereichen immer weiter nach unten in einem Maß, dass man getrost von der Gefährdung eines Berufsstandes sprechen kann.« Allzu leicht gewinne man den Eindruck, den Behörden sei nicht bewusst, dass es kompetente Dolmetscher mit Kenntnissen über juristische und kulturelle Unterschiede brauche, damit Verfahren fair und reibungslos ablaufen könnten.

Trotzdem ist Alla Kusch mit Herzblut Gerichtsdolmetscherin – und würde auch ihrer Tochter jederzeit empfehlen, eine Laufbahn als Sprachvermittlerin einzuschlagen. »Es kommt nie Langeweile auf. Und im Angesicht vieler Aussagen, die man dort hört, lernt man sein eigenes Leben viel mehr zu schätzen und merkt, wie gut es einem eigentlich geht.«

Petra Knobel, dpa



Mehr zu diesem Artikel
Kommentare
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein!
Benutzername  
Passwort  
     
Zu diesem Artikel sind keine Kommentare vorhanden.
 
 
 
 
 
Ihr Standort: Aschaffenburg
 

Unsere Tipps für Sie
Spessartsommer
Spessartsommer
Alle Informationen und Veranstaltungen rund um den Lohrer Spessart-Sommer 2012
Wirtshaus im Spessart
Alle Informationen und Termine rund um das Wirtshaus im Spessart

da-20120522-dirker
 
WEBTIPPS
ANZEIGE
Halten Sie sich mit aktuellen Nachrichten im Internet auf dem Laufenden.

 


tk-20120519-arnold
 


SUCHE IM RESSORT

BÖRSE AKTUELL
DAX
DAX 6.397,00 +1,04%
TecDAX 760,50 +1,21%
EUR/USD 1,2802 -0,05%

Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation


REGIONALE UNTERNEHMEN
BIEN-ZENKER AG 6,51 ±0,00%
CURASAN AG 2,86 ±0,00%
GERRESHEIMER 34,26 +0,78%
KÖNIG & BAUER 13,81 +2,03%
LINDE 123,45 +0,86%
LOGWIN AG 0,900 -1,64%
RHÖN-KLINIKUM 21,69 -0,12%
SAF HOLLAND... 5,46 +5,27%
SINGULUS 1,96 +0,67%

TELEFON- UND BRANCHENBUCH
Was suchen Sie?


Wo suchen Sie?