Bilderserie, "Wenn Politiker gute Miene zum bösen Spiel machen müssen", dpa
Täuschung der Zuschauer: Dass die am 5. März wiederholte Sendung vom Starkbieranstich auf dem Nockherberg ohne vorherige Information in einer gekürzten Fassung ausgestrahlt wurde, sei »eine Täuschung der Fernsehzuschauer«, teilte der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) am Montag in München mit. Die Zuschauer hätten sich laut BJV nur durch die vollständige Übertragung der Rede des Kabarettisten Michael Lerchenberg ein eigenes Bild machen können. In der Wiederholung der Sendung war von Lerchenbergs umstrittenem KZ-Vergleich nichts mehr zu hören. Auch eine kritische Passage zur bayerischen Polizei wurde herausgeschnitten. Nun müsse hinterfragt werden, ob die Paulaner-Brauerei in der Zusammenarbeit mit dem BR unzulässigerweise auch Einfluss auf die Sendeinhalte genommen habe, so BJV-Vorsitzender Wolfgang Stöckel.
"Politische Zensur": Nach dem öffentlichen Wirbel um die jüngste Salvatorrede von Schauspieler Michael Lerchenberg und dessen Rücktritt als Fastenprediger haben die Landtagsgrünen Vorwürfe gegen den Bayerischen Rundfunk (BR) erhoben. So habe das Bayerische Fernsehen bei der Wiederholung des Starkbieranstichs am Freitagabend die Rede des »Bruder Barnabas« nicht in vollem Umfang ausgestrahlt, sondern umstrittene Passagen »einfach ohne weiteren Hinweis für die Zuschauer herausgeschnitten«. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Margarete Bause, und Rundfunkratsmitglied Ludwig Hartmann beklagten am Sonntag in München laut Mitteilung: »Das ist eine Form politischer Zensur, die in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen einfach nicht stattfinden darf.«
BR weist Kritik zurück: Ein BR-Sprecher wies die Kritik zurück. Die Wiederholung des zweieinhalbstündigen Live-Materials habe auf zwei Stunden gekürzt werden müssen. Deshalb habe sich der Sender »aus übergeordneten Gründen« entschieden, »auf die inkriminierten Passagen zu verzichten«. Im übrigen sei die Sendung erst am Tag der Ausstrahlung fertig geschnitten worden, so dass gar keine Zeit geblieben sei, »die Öffentlichkeit über einzelne Schnitte zu informieren«.
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Nachspiel im Rundfunkrat: Nach dem Willen der Grünen soll der Umgang des Fernsehens mit der Nockherberg-Wiederholung nun ein Nachspiel im Rundfunkrat haben. Der BR habe nicht nur den KZ-Vergleich herausgeschnitten, der letztlich Stein des Anstoßes und Grund für Lerchenbergs Rückzug vom Nockherberg gewesen sei. »Das Bayerische Fernsehen hat die Zensurschere weiter wüten lassen und quasi im vorauseilenden Gehorsam gleich auch noch Lerchenbergs Kritik an der bayerischen Polizei eliminiert«, kritisierten die Grünen. Diese Passage hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) empört, »der pikanterweise auch Vertreter der Staatsregierung im Rundfunkrat ist«, hieß es weiter.
Bause sagte: »Es kann nicht angehen, dass den Zuschauern die umstrittenen Stellen vorenthalten werden und im Windschatten der Kritik an Lerchenbergs KZ-Vergleich auch gleich weitere für die Staatsregierung unliebsame Textteile zensiert werden.«
SPD-Chrf nimnt Lerchenberg in Schutz: Der Münchner SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann indessen hält die Aufregung um den KZ-Vergleich bei dem Starkbieranstich für überzogen. Lerchenberg habe zwar einen Tabubruch begangenen, indem er FDP-Chef Guido Westerwelle mit einem Nazi verglichen habe. Der eigentliche Ärger müsse sich aber gegen Westerwelle richten, forderte Pfaffmann. Dieser habe mit seiner Hartz-IV-Kritik auf rechtspopulistische Weise hunderttausende Arbeitslose und deren Familien beschimpft. »Es ist nicht in Ordnung, wenn Kabarettisten, die auf diesen Skandal hinweisen, zum Schluss die Dummen sind«, betonte Pfaffmann. mai, dpa


































