Bilderserie von Margot Werner: dpa
Die flammend roten Haare galten als ihr Markenzeichen: Die Sängerin, Tänzerin und Entertainerin Margot Werner begeisterte jahrzehntelang ihr Publikum – und genoss das Rampenlicht. Auch mit 70 dachte sie nicht ans Aufhören – sie hatte einen vollen Terminkalender und Tourneepläne. »Soll ich etwa damit warten, bis ich 80 bin?«, sagte sie damals. »Dass ich so gut erhalten bin, verdanke ich meiner Tanzkarriere, die hat meinen Rücken gestählt.«
Am Sonntag starb Margot Werner in München. Die 74-Jährige stürzte aus einem Krankenhausfenster, die Umstände blieben am Dienstag unklar. Die Ermittler schließen Fremdverschulden jedenfalls aus. »Die Nachricht vom tragischen Tod Margot Werners hat mich tief erschüttert – der Freistaat Bayern verliert mit ihr eine charismatische, große Künstlerpersönlichkeit«, sagte Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP). »Margot Werner wird nicht nur mir, sondern allen, die ihre Auftritte erleben durften, unvergesslich bleiben.«
Die Entertainerin, die gut 30 Jahre lang mit Jochen Litt verheiratet war, hat eine außergewöhnliche Karriere absolviert. 1937 in der Mozartstadt Salzburg geboren, erhält sie schon mit drei Jahren Ballettunterricht. Mit 17 wird sie vom Bayerischen Staatsballett in München engagiert, wo sie eine steile Karriere absolviert: 1958 wird sie Vortänzerin, ab 1960 ist sie mehr als ein Jahrzehnt die Primaballerina des weltberühmten Ensembles. Ihre für eine Tänzerin »überragende« Körpergröße von 1,77 Meter ist kein Hindernis.
»Sie gehörte zu den das Ensemble prägenden Solistinnen, die zahlreiche starke Frauenrollen kreierte, und war ein absoluter Publikumsliebling«, erklärte Ballettdirektor Ivan Liska nach dem Tod des einstigen Stars des Hauses. Werner arbeitete mit Choreographen wie John Cranko und tanzte mit ihrem Kollegen Heinz Bosl, nach dessen Tod sie sich auch für die Heinz-Bosl-Stiftung engagierte.
Ihr Schauspiel-Talent beweist die Tochter eines Exportkaufmanns und einer Pianistin erstmals als Jenny in der »Dreigroschenoper« im Münchner Residenztheater. Den Grundstein für die Karriere als Sängerin legt sie 1972 mit einem Auftritt im Wiener Konzerthaus. 1973 präsentiert Sammy Drechsel, den sie ihren großen Lehrmeister nennt, die Sängerin mit der kräftigen, tiefen Stimme mit der ersten »One-Woman-Show«. Ein Jahr später erscheint ihre erste LP (»Und für jeden kommt der Tag«).
1975 folgt die erste Fernseh-Personality-Show, für die sie mit der »Goldenen Europa« ausgezeichnet wird. Am Fernsehen findet Werner Gefallen. Gleich im nächsten Jahr dreht sie eine neue Show. Außerdem folgen zahlreiche Auftritte in Sendungen wie »Klimbim«, »Dalli-Dalli« oder »Am laufenden Band«. Auch in Roland Klicks Simmel-Verfilmung »Lieb Vaterland, magst ruhig sein« oder in der Krimi-Reihe »Tatort« taucht das Multitalent auf. Ihr freches Bekenntnis »So ein Mann, so ein Mann, zieht mich unwahrscheinlich an« war ihr berühmtester Song – er wird zum Schlager und macht sie 1977 endgültig populär.
Bei den Bayreuther Festspielen war sie Stammgast, genoss die Aufmerksamkeit und posierte bei der alljährlichen Auffahrt vor der Eröffnung der Festspiele geduldig vor den Kameras.
Bis zuletzt zeichnet Margot Werner große Wandlungsfähigkeit aus. Mit »Movie Classics« feierte sie 1994 Erfolge in der Münchner Philharmonie und der Stuttgarter Liederhalle. Lieder von Marlene Dietrich, Zarah Leander oder Melina Mercouri gehören ebenso zu ihrem Programm wie Chansons von Edith Piaf. Deren »Je ne regrette rien« wird auch zum Lebensmotto für die Diva, ihre LP von 1978 trägt den Titel »Ich hab im Leben nichts bereut«.
Sabine Dobel und Christian Fürst, dpa
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