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03.08.2009 00:00 Uhr 0 Kommentare

Vom Realismus zum Impressionismus

Vernissage Ausstellung mit rund 80 Werken von Carlos Grethe im Hofgartenschlösschen eröffnet

Wertheim-Hofgarten Rund 100 Besucher sind am Samstag zur Eröffnung der Ausstellung mit Werken von Carlos Grethe ins Hofgartenschlösschen gekommen. Museumsdirektor Dr. Jörg Paczkowski und OB Stefan Mikulicz begrüßten die Gäste. Dr. Ingrun Stocke, die im letzten Jahr zu Leben und Werk des Malers promoviert hatte, führte in die Präsentation ein.
Vom Realismus zum Impressionismus
Viele Besucher kamen am Samstag zur Eröffnung der Ausstellung mit Werken von Carlos Grethe. Peter Riffenach
"Menschen, Meer und Hafen waren sein Sujet", sagte Mikulicz über Grethe, der von Wertheim praktisch wiederentdeckt worden sei. Die letzte umfassende Ausstellung mit Werken des süddeutschen Malers, der überwiegend in Norddeutschland arbeitete, fand 1916 in Baden-Baden statt. "Diese Präsentation ist die erste umfassende seit 90 Jahren", sagte Mikulicz. Auch deshalb kamen neben Verwandten des Künstlers auch viele der Leihgeber nach Wertheim.

Man hätte ihm sicher kein schöneres Geburtstagsgeschenk machen können. Dr. Ingrun Stocke über Grethe und die Ausstellung Mikulicz lobte die logistische Leistung, die von Mitarbeitern des Museums erbracht werden musste, um die 80 Werke nach Wertheim zu holen. "Das letzte Exponat kam 45 Minuten vor der Eröffnung an", berichtete Paczkowski.

"Man hätte ihm sicher kein schöneres Geburtstagsgeschenk machen können", war Dr. Ingrun Stocke sicher. Denn die Ausstellung im Schlösschen wird im Jahr des 145. Geburtstags des Künstlers, der am 25. September 1864 in Montevideo (Uruguay) das Licht der Welt erblickte, eröffnet.

"Was ich ausdrücken möchte, ist das Verhältnis des Menschen zur Natur, allerdings nur einem bestimmten Teil derselben, dem Meer", zitierte Stocke den Künstler, der seiner Bewunderung für das Heldentum der nordischen Seeleute Ausdruck verlieh, die mit Ruhe und Selbstverständlichkeit sich im Klaren darüber seien, dass sie irgendwann ihr Grab auf dem Grund fänden. "Aber erst nach hartem Kampf und nachdem ein gut Teil Beute erzwungen worden ist." Mit diesen Worten drücke Grethe den Inhalt seiner künstlerischen Bemühungen aus, die Aussage spiegle aber auch seinen Charakter wider: "Denn auch er führte ununterbrochen einen Kampf als Künstler im Ringen nach einer neuen Darstellungsweise und ebenso als Kunstpolitiker in Baden und vor allem in Württemberg."

In der Kunstpolitik unterlegen Seine künstlerischen Ausdrucksformen habe er bis zu seinem Tod immer wieder verändert. "In der Kunstpolitik ist er schließlich nach heftigen Auseinandersetzungen unterlegen", stellte die Expertin fest, wobei sich der Rückzug aus der Kunstpolitik 1908 positiv auf sein Schaffen ausgewirkt habe.

"Zu Lebzeiten genoss Grethe als Künstler hohe Anerkennung, nahm an vielen Ausstellungen teil, fungierte als Jurymitglied bei Präsentationen und wurde mit Auszeichnungen geehrt", berichtete die Biografin. Besprechungen, die sich mit Grethes Werken beschäftigten, bezeichneten ihn als "genialsten Darsteller unseres deutschen Seelebens" oder "genialen Marinemaler".

Reisen führten den Maler, neben regelmäßigen Besuchen in Norddeutschland, zum Studium von Landschaft und Menschen nach Italien, Cornwall und an die belgische Küste nach Nieuwpoort, wo er die Crevettenfischer beobachtete. Den Darstellungen dieser Fischer ist im Schlösschen ein separater Raum gewidmet.

Grethe, der am 24. Oktober 1913 an den Folgen einer Blinddarmentzündung in Nieuwpoort starb, widerfuhr das Schicksal vieler Künstler, die vor dem Ersten Weltkrieg starben. Nach der großen Zäsur, die dem Krieg folgte, geriet er weitgehend in Vergessenheit.

Zu Unrecht, wie nicht nur die Verantwortlichen für die Ausstellung, sondern auch Besucher der Vernissage meinten, denn Grethe nehme eine Sonderstellung innerhalb der Malerei der Jahrhundertwende ein, und die Entwicklung vom modernen Realismus zum Impressionismus werde in der Präsentation im Schlösschen sehr deutlich, sagte Paczkowski. Er meinte sogar, in späten Werke Grethes expressionistische Züge zu erkennen. riff Die Ausstellung ist bis zum 1. November dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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