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23.07.2008 00:00 Uhr 0 Kommentare

Schrägaufzug ist beschlossene Sache

Mit 20 Stimmen: Fahrgäste steigen im Rosengarten ein und überqueren Mühlenstraße - Vertagungs-Appelle fruchtlos

Wertheim Drei Stunden beschäftigte sich der Wertheimer Gemeinderat am Montagabend im wArkadensaal mit der Wertheimer Burg. Einstimmig wurden die nächsten Entwicklungsschritte auf der Burg abgesegnet. Fünf Stadträte lehnten die anschließend beschlossene Verwirklichung des umstrittenen Schrägaufzuges vom Rosengarten über die Mühlenstraße zur Burg ab.
Zunächst hatte die Verwaltung vorgeschlagen, als weitere Schritte auf dem Weg von der Burgruine zur "Erlebnisburg" Maßnahmen im Burggraben und im Bereich der Gaststätte vorzuschlagen. So soll der Burggraben ein mobiles Zeltdach bekommen, neue Toilettenanlagen sollen hinter dem bisherigen Bretterzaun neben dem Küchentrakt der Gaststätte entstehen, und auch ein Glasdach im Innern des Löwensteiner Baus ist geplant, das diesen bisher ganz offenen Raum nach oben abschließt, ohne den Blick auf den Bergfried zu verstellen, den die Ruine des Baus gewährt.

Schrägaufzug Wertheim
Der Längsschnitt durch die Trasse des geplanten Schrägaufzugs zeigt den »Bahnhof« am Rosengarten, die Überquerung der Mühlenstraße und die Fahrbahn des Aufzugs auf 15 bis zu neun Metern hohen Stützen bis zur Burg.

schräge Länge: 163,70 Meter Höhendifferenz: 55,30 Meter
horizontale Länge: 154,10 Meter
Kabinengröße: 25 Personen
minimale Neigung: 16,50 Grad
maximale Neigung: 21,10 Grad
Neigungsunterschied: 4,60 Grad
Stützenzahl: 15
maximale Stützenhöhe 9,0 Meter
Grafik: Wertheimer Zeitung / Vorlage: Stadtverwaltung Wertheim


Stadt: 92 000 besuchten Burg Angela Steffan, bei der Verwaltung für den Kulturbereich zuständig, bezifferte die Zahl der Burgbesucher im Jahre 2007 auf 92 000. Sie sieht hier noch ungenutzte Reserven, da man 400 000 Tagesbesucher pro Jahr in Wertheim anstrebe.

In der Diskussion der Entwicklungsschritte herrschte weitgehend Einigkeit. Auf Vorbehalte bei anderen stieß allein die Forderung von Patrick Schönig (SPD), in der Verwaltung, nahe beim Oberbürgermeister, einen "Burgkoordinator" einzurichten. Den geplanten Maßnahmen stimmten alle Stadträte grundsätzlich zu.

Differenzierter zeigten sich die Meinungen dann allerdings bei dem getrennt beratenen Schrägaufzug zur Burg. In einem von allen Seiten gelobten Vortrag präsentierte zunächst Armin Dattler von der Bauverwaltung seine umfangreiche und aufwendige Untersuchung aller vorgeschlagenen Alternativen, auch der zuletzt in einem Leserbrief empfohlenen Variante Schlossgasse, zu dem von der Verwaltung favorisierten Schrägaufzug.

Keine bodennahe Variante Das Ergebnis der vergleichenden Studie, dass es keine Alternative zu der vorgeschlagenen Lösung gebe, wurde im Prinzip von vielen Debattenrednern anerkannt. Einige, die ebenfalls einräumen, dass der Zugang in die Burg am besten von der Seite des Hirschgrabens erfolge, verlangten aber, mit dem Grundsatzbeschluss auch die Variante offen zu halten, die einen bodennahen Transport durch den Hirschgraben von einer Talstation auf der östlichen Seite der Mühlenstraße vorsieht.

Dem wurde jedoch von Seiten der Verwaltung mit dem Hinweis auf unnötige Straßenüberquerungen von Fußgängern, auf einen unattraktiven Wartebereich und auf die fehlende Aussicht während der Fahrt widersprochen. Erst ganz zum Schluss der Diskussion erwähnte Oberbürgermeister Stefan Mikulicz, dass der ins Auge gefasste österreichische Partner die bodennahe Lösung nicht wolle, sondern vielmehr auf die Aussicht während der Fahrt Wert lege.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgten Stadträte, die eine Vertagung des Punktes verlangten, insbesondere Dr. Günther Heger und Patrick Schönig (beide SPD), Reimund Klein (FDP) und Richard Diehm (Grüne). Sie wehrten sich dagegen, die Qualität des Grundsatzbeschlusses mit der Bemerkung herunterzuspielen, dies sei ja noch kein Baubeschluss. In Wirklichkeit würden wichtige Weichen endgültig gestellt. Wie auch eine Reihe von Befürwortern des Beschlusses kritisierten die Gegner die Informationspolitik des Oberbürgermeisters gegenüber der Bürgerschaft. Es sei nicht richtig, sagte etwa Heger, zunächst den Beschluss zu fassen und erst einen Abend später mit den Bürgern zu diskutieren. Andere äußerten sich ähnlich.

Die Kritiker stellten fest, dass die Voraussetzungen des geforderten Beschlusses fehlten: Es gebe nach wie vor kein Gesamtkonzept für die Burg; das als unabdingbar versprochene Einvernehmen mit den Bewohnern der Mühlenstraße 11 fehle nach wie vor, und es gebe nicht einmal einen Entwurf für ein Finanzierungskonzept.

Altstadtbeirat gegen Überquerung Reimund Klein hatte bei Gesprächen mit Bürgern "keinen einzigen getroffen, der für diesen Aufzug gewesen wäre". Demgegenüber nahmen andere wie Egon Beuschlein oder Bernd Hartmannsgruber (beide CDU) sowie Renate Gassert (SPD) für sich in Anspruch, erfolgreiche Aufklärungsarbeit betrieben zu haben.

Für den Altstadtbeirat signalisierte Hans-Karl Hollenbach ein einstimmiges Ja - allerdings nur für die Variante mit Talstation am Fuße des Hirschgrabens.

Nach drei Stunden für das Thema Burg mit einer auch durch Hitzigkeit und persönliche Angriffe gekennzeichneten Debatte beschloss die Abstimmung - 20 Ja- und fünf Neinstimmen - den Tagesordnungspunkt. Friedrich Lehmkühler



Zahlen und Fakten: Die Abstimmung


Für die Variante "Schrägaufzug im Hirschgraben in Höhenlage" , die die Verwaltung vorgeschlagen hatte, sprachen sich 20 Ratsmitglieder aus. Fünf Stadträte stimmten dagegen.

Die Ja-Stimmen: Dr. Bernd Kober, Bernd Hartmannsgruber, Egon Beuschlein, Manfred Busch, Heinz Freudenberger, Gerold Kempf, Dr. Franz Kohout, Heinz Ott, Michael Schwend (alle CDU), Renate Gassert, Erika Knittel, Dorothea Meisinger, Patrick Schönig (alle SPD), Dr. Jutta Finkenauer, Songrit Breuninger, Gerhard Kohout, Werner Kozyra, Hubert Sadowski (alle FBW), Michael Althaus (FDP) und Oberbürgermeister Stefan Mikulicz.

Die Nein-Stimmen: Sieglinde Ittig (CDU), Dr. Güther Heger, Dr. Bertholf Uphoff (beide SPD), Reimund Klein (FDP) und Richard Diehm (Bündnis 90 / Die Grünen). Lk


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