Ein wenig bitter mag dieser schon gewesen sein. Ihm selber waren nämlich bisher männlichen Erben versagt geblieben. Aus seiner Ehe mit Maria Charlotte Antonia Prinzessin von Holstein-Wiesenburg war bisher nur die Tochter Leopoldine als einziges Kind hervorgegangen. Mit weiteren Erben war nicht zu rechnen, denn Karl Thomas war mit seiner Ehefrau zerstritten, und diese lebte weit entfernt von Wertheim auf ihren Gütern in Horaschdiowitz in Böhmen.
Überhaupt drohte dem Haus Löwenstein-Wertheim-Rochefort zu diesem Zeitpunkt das Aussterben. Karl Thomas hatte zwar noch sechs jüngere Brüder, die theoretisch als Nachfolger infrage kamen, doch die gehörten entweder dem geistlichen Stand an oder heirateten nicht standesgemäß, so dass ihre Kinder nicht erbberechtigt waren. Lediglich mit dem zwölf Jahre älteren Vetter Joseph Anton wuchs für Dominik Constantin ein Konkurrent auf das Amt heran. Doch als der im Jahr 1772 im Alter von 22 Jahren ohne Erben starb, war für den noch nicht ganz Zehnjährigen die Bahn frei.
Neuer Stern am Himmel
Dominik Constantin hatte mehrere Geschwister. Denn sein Vater, der der jüngste Bruder von Karl Thomas war, zeugte mit seiner Gattin Katharina Luise Eleonore Gräfin zu Leiningen-Dagsburg acht Kinder, von denen allerdings nur zwei das Erwachsenenalter erreichen sollten. Mit der Geburt des kleinen Dominik Constantin ging also ein neuer Stern am Himmel des Hauses auf.
Der Sohn wurde noch am selben Tag in der Pfarrkirche St. Rochus in Nancy getauft. Er wuchs teils in Nancy, teils in Straßburg auf, wo er auch die Militärschule besuchte. Seine Kinder- und Jugendzeit verbrachte er also überwiegend im französischen Kultur- und Sprachbereich, was ihn sicher prägte, vielleicht sogar mehr als seine deutsche Herkunft. Da sich sein Vater anlässlich seiner Eheschließung in Frankreich sogar naturalisieren ließ - heute würde man sagen, er hatte die französische Staatsbürgerschaft - war Dominik Constantin rechtlich gesehen Franzose.
Von Frankreich wandte er sich mit seinem Hofmeister, also einem Begleiter und Erzieher, der darauf zu achten hatte, dass der junge Mann nicht über die Stränge schlug, zum Studium nach Fulda. In sicherer Erwartung, seinem Onkel auf dem Fürstenthron nachzufolgen, nahm er im Jahr 1783 seinen Wohnsitz in Wertheim und zwar in einer ehemaligen Beamtenwohnung im Kiesling’schen Haus, heute Rittergasse 1. Seinem Onkel kam er damit nicht in die Quere, denn der lebte in Kleinheubach oder Frickenhausen.
Die Wertheimer mögen ihren künftigen Herrscher trotz allen Untertanengeistes misstrauisch beäugt haben. Schließlich kannten sie ihn bisher nicht. Ob sie allerdings etwas von dessen finanziellen Problemen mitbekommen haben, darf bezweifelt werden. Nur hie und da dürften sie mit seiner Zahlungsmoral, mit der es nicht zum Besten stand, konfrontiert worden sein. Den Hintergrund bildete seine eher magere Versorgung per Apanage, denn er musste jährlich mit 4000 Gulden auskommen, für den Hausstand eines Erbprinzen eine eher erbärmliche Summe. Zahlreiche Akten im Archivverbund Main-Tauber geben Zeugnis davon. Sein Onkel hielt ihn kurz. Zu seinem Onkel hatte Dominik Constantin ohnehin kein gutes Verhältnis. Sein Vater Theodor Alexander hatte kurz vor seinem Tod als Vormünder für seinen Sohn zwei Herren benannt, die ihrerseits mit dem Fürsten nicht gerade ein freundschaftliches Verhältnis pflegten.
Heirat mit knapp 18 Jahren
In Erwartung einer besseren finanziellen Ausstattung heiratete er schon kurz vor seinem 18. Lebensjahr am 5. Mai 1780 Maria Leopoldine Prinzessin von Hohenlohe-Bartenstein. Mit seiner knapp ein Jahr älteren Gattin zeugte er zumindest am Anfang seiner Ehe fast jedes Jahr ein Kind, insgesamt sollten es neun werden, von denen aber wiederum nur vier das Erwachsenenalter erreichten.
Bei einer so großen und ständig wachsenden Familie war die zunehmende Verschuldung programmiert. Dazu kam, dass der junge Mann offensichtlich ein Faible für Pferde hatte, eine schon damals recht kostspielige Beschäftigung. Auch sein übriger Lebenswandel scheint recht luxuriös gewesen zu sein, denn sein Onkel warf ihm Verschwendungssucht vor. Der Präsident der fürstlichen Verwaltung Hieronymus Heinrich von Hinckeldey stellte sogar eine Art Haushaltsplan für ihn auf, der aber nie ausgeführt wurde. Die Vormünder - damals wurde man erst mit 25 Jahren volljährig - erreichten 1782 schließlich eine Erhöhung der Apanage, und die Lage entspannte sich vorerst etwas. Aber schon drei Jahre später betrugen Dominik Constantins Schulden etwa 78 000 Gulden.
Auch das Verhältnis zu seiner Mutter war offenbar gestört, und als Dominik Constantin nach dem Tod der Großmutter die Herrschaft Püttlingen in Lothringen erbte, wurde es nicht besser. Im Februar 1789 beendeten sie gar ihre Beziehung. Nur zur Erinnerung: Zu dieser Zeit herrschte in Frankreich die Revolution und Katharina Luise entging nur knapp der Hinrichtung. Sie starb 1805 in Püttlingen, ohne ihren Sohn wiedergesehen zu haben.
1789 Nachfolger des Onkels
Als am 6. Juni 1789 Fürst Carl Thomas nach einer Regierungszeit von 54 Jahren im Alter von 75 Jahren in Kleinheubach starb, wurde Dominik Constantin zum vierten Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort. Der Beisetzung seines Onkels in der Wertheimer Stadtkirche blieb er fern. Zu dieser Zeit hielt er sich auf seinen Besitzungen in Cugnon im heutigen Belgien auf.
Dass er zumindest am Anfang seiner neuen Stellung einen gewissen Reformwillen mitbrachte und die Regierung und Verwaltung in seinen Besitzungen neu strukturieren wollte, zeigt der Erlass eines Dienstorganisationsedikts am 12. Juli 1789 und anderer Verordnungen. Dieser erlahmte allerdings nach kurzer Zeit wieder. Er zog sich schon bald aus dem politischen Tagesgeschäft zurück und gab lieber seinem lebenslustigen Naturell nach.
Das Tagesgeschäft übernahmen ehrgeizige und kompetente Beamte. Sie hielten die Stellung während der schwierigen Zeit des Reichsdeputationshauptschlusses von 1802, der die Entschädigung der deutschen Adeligen für ihre linksrheinischen Verluste an Frankreich regelte, und der Mediatisierung 1806, in der die Karte Deutschlands von Napoleon neu gegliedert wurde. Fürsten wie die Löwensteiner büßten dabei ihre Hoheitsrechte zu einem großen Teil ein.
Auch räumlich trennte er sich zunehmend von Wertheim. Mit seiner zweiten Frau Maria Crescentia, einer geborenen Gräfin zu Königsegg-Rothenfels, mit der er nach dem Tod seiner ersten Frau seit 1807 verheiratet war, bewohnte er ein gemietetes Haus in Frankfurt am Main auf der Zeil und pflegte einen luxuriösen Lebensstil. Dort starb er am 18. April 1814 nach längerer Krankheit an der Wassersucht im Alter von knapp 52 Jahren. Sein Körper wurde auf dem Engelberg beigesetzt, sein Herz aber fand seinen Platz in der evangelischen Stadtpfarrkirche in der fürstlichen Gruft.
Martina Heine
Diesen Artikel auf Ihrer Website einbinden
Das Einbinden eines Artikels erfolgt über eine Verlinkung aus Ihrer Website heraus hin zum Main-Netz. Unser spezielles Modul generiert dabei automatisch einen HTML-Quellcode, dessen optische Darstellung Sie individuell an Ihre Bedürfnisse anpassen können. Diesen Quellcode können Sie einfach markieren und in Ihre Website kopieren.Diesen Artikel einbinden








































