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31.07.2010 00:00 Uhr 0 Kommentare

»Längst ein halber Wertheimer«

Besuch aus Kalifornien: Jüdischer Emigrant Bert Schwarzschild zeigt seiner Frau Naomi seine Vaterstadt

Wertheim  
Zum vierten Mal, seit er in der NS-Zeit seine Vaterstadt verlassen musste, ist der mittlerweile 85-jährige jüdische Journalist, Autor, Natur- und Tierschützer Bert Shimon Schwarzschild jetzt in Wertheim zu Besuch gewesen. Begleitet von seiner Frau Naomi, war er aus Kalifornien angereist und feierte nun im Kreis von Freunden, Schulkameraden und Bekannten ein Wiedersehen.
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Zum vierten Mal zu Besuch in seiner Geburtsstadt: Bert Schwarzschild (unten, Zweiter von rechts, mit Frau Naomi) traf sich auch diesmal wieder mit alten Bekannten, Freunden und Schulkameraden (von links, vorn): Albrecht Englert, Gertrud und Ludwig Dreikorn, Walter Heitmann und (oben, von links) Brigitte Schweizer, Dr. Hugo Eckert und Wilfried Jankowski. Foto: privat
Vor genau 35 Jahren verbreitete die Stadtverwaltung Wertheim eine, wie sie meinte, überaus positive Nachricht, die tatsächlich nicht nur bundesweit, sondern ebenso im Ausland, auch in den USA, von den Medien mit großem Wohlwollen aufgenommen wurde. Einige nannten sie sogar »beispielhaft«.
Der damalige Oberbürgermeister von Wertheim, Karl-Josef Scheuermann, war bei einem privaten Besuch in New York bei der Suche eines Hotelzimmers im Telefonbuch zufällig auf den Namen Wertheimer gestoßen, knüpfte mit dem Herrn sofort einen Kontakt und erfuhr dabei, dass zahlreiche frühere jüdische Bürger der Main-Tauber-Stadt in New York und Umgebung lebten.
Scheuermanns Initiative
Ihm war sofort klar, dass er diese Menschen erreichen und ihnen die Gelegenheit geben musste, ihre einstige Heimat nach all dem Leid und den grausamen Erfahrungen aus der NS-Zeit in der neuen demokratischen Situation zu besuchen. Mit finanzieller Hilfe der Bürger machte er es möglich, die ehemaligen jüdischen Wertheimer - wo immer er sie auch ausfindig machen konnte - in die Heimatstadt einzuladen. Sie kamen aus den USA, aus Großbritannien und auch aus Israel, um sich ein Bild des neuen Deutschland zu machen. »Diese Einladung ist eine unausgesprochene Bitte um Verzeihung, Ihr Kommen ist Zeichen der Vergebung,« stellte Karl Josef Scheuermann bei den Besuchen 1975 und 1976 heraus.
Die Familien Strauß, Fleischmann, Brückheimer oder Shelton, viele andere dazu, wagten diesen Schritt, traten die Reise an und erlebten ihre frühere Heimat in einer wahrlich anderen Dimension, kamen mit den alten Nachbarn und Schulfreunden zusammen, führten intensive Gespräche mit ihnen und lernten somit eine Stadt und ihre Umgebung kennen, die mit ihren alten Erinnerungen nichts mehr gemein hatte. 1976 wurde in Wertheim eine Gedenktafel für die 1940 erloschene, einst blühende jüdische Gemeinde enthüllt: An der Stadtmauer beim Neuplatz, ganz in der Nähe jenes Ortes, an dem die letzte jüdische Synagoge stand. Im Jahre 1978 lud das deutsche Generalkonsulat in New York frühere jüdische Bürger aus Wertheim zu einem Empfang ein. In seinen Dankesworten vor 60 Gästen stellte Scheuermann heraus, dass er die Stadt Wertheim auch in Zukunft als ein Gemeinwesen führen wolle, »in dem Menschlichkeit, Brüderlichkeit und Recht keine hohlen Worte sind«.
Bert Shimon Schwarzschild gehörte mit seiner Familie zu jenen, die gleich zum Anfang dem neuen Wertheim einen Besuch abstatteten. Der international anerkannte Natur- und Tierschützer, der sich in vielen Projekten für Tiere und Natur einsetzt (Internet: www.shimons.org), blieb seitdem seiner Heimat, den Freunden, Nachbarn und Schulkameraden eng verbunden. Und in diesen Tagen war er mit seiner Frau Naomi einmal mehr Gast an Main und Tauber, traf bei diesem Aufenthalt auch mit Scheuermann zusammen und suchte vor allem wieder das Gespräch mit vielen Bekannten.
Wiedersehen mit Freunden
Auch jetzt, beim vierten Besuch, überraschte er - 1925 geboren - durch eine herausragende Vitalität, die vielen Erinnerungen aus seiner Kinderzeit sowie zahlreiche Anekdoten, die damit verbunden sind. Weiterhin ist er ständig auf der Suche nach Erinnerungen und nach Gesprächen, die ihm noch mehr Wissenswertes aus der Vergangenheit vermitteln können. Diesmal wollte er vor allem seiner Frau Naomi seine Geburtsstadt und deren Umgebung zeigen, in einer kleinen Runde seines beachtlichen Bekannten- und Freundeskreises traf er sich im Baunachshof zum neuerlichen Gedankenaustausch mit seinen früheren Schulkameraden Ludwig Dreikorn und Walter Heitmann, als alte Bekannte waren Gertrud Dreikorn, Brigitte Schweizer, Stadtführerin mit dem Schwerpunkt jüdisches Leben in Wertheim, Albrecht Englert, Dr. Hugo Eckert und Wilfried Jankowski, der für die Stadtverwaltung die Besuche der früheren jüdischen Mitbürger organisiert und begleitet hatte, dabei. Aus gemeinsamem Erleben gab es an diesem Nachmittag viel zu erzählen und der Schatz der Erinnerungen wurde einmal mehr noch angereichert. »Ich fühle mich längst als halber Wertheimer und ich denke nach dieser wiederum herzlichen Aufnahme: Mindestens einmal muss ich noch wiederkommen,« stellte Bert Schwarzschild bei seinem Abschied heraus.

Wilfried Jankowski
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