An grellen Effekten mangelte es weiß Gott nicht, Effekten, die geradezu marionettenhaft abliefen, exakt, witzig, gestisch und akustisch äußerst drastisch. Besonders die Kampfchoreographie, die Kevin E. Osenau verantwortet, mit Fredericks Ringer Charles, hervorragend kostümiert und hochgespielt von Beate Metz, dem Markus Hennes alias Orlando auch außerhalb der Kampfszenen in nichts nachstand, beeindruckte. Mit Osenau hat das Team der Landesbühne offensichtlich viel gewonnen - das war schon bei der vorausgegangenen Kindervorstellung (siehe Bericht unten) klar geworden.
Was hier vorgeführt wurde, unter anderem eine Herde Schafe, die gewissermaßen das Publikum widerspiegelnd minutenlang diesem gegenüberstand, passte bestens in unsere Spaßgesellschaft. Beinahe alles wurde zur Persiflage, zum Rollenspiel. Rosalind verkleidet sich, wird der schöne Ganymed, in beiderlei Gestalt überzeugend. Es gibt den Narren Zündstein, auf Cornelia Heilmann geschnitten, den tanzenden Beau und den schrecklich singenden Tobias Gondolf, die Schießbudenfigur des Herzogs Senior mit Hannes Höchsmann.
Auch die Liebesgeschichten, aus denen das Stück überwiegend besteht - im Gegensatz zu anderen Shakespearewerken, die bekanntlich eine prägnante Handlung oder Charakterisierung der Personen aufweisen - kann man zunächst nicht ernst nehmen. »Die ganze Welt ist eine Bühne und Fraun und Männer nichts als Spieler. Sie treten auf und gehen wieder ab. Mit ihrer Zeit spieln sie verschiedne Rollen, und sieben Akte hat ihr Lebensstück« - nämlich von der Kindheit bis zur zweiten Kindheit, dem Vergehen.
Schlagartiger Schluss
Und dieses Geplänkel, dieses Allotria auf hohem sprachlichen Niveau mit einer Dichte, die man als Zuschauer so schnell gar nicht auflösen kann, konnte missverstanden werden als das Einzige, was hier dargestellt wird. Aber dann fällt urplötzlich der alte Diener Adam, anrührend gespielt von Stefan Holm, tot um. Das Spiel ist schlagartig aus. Auch unten beim Publikum konnte man dabei die besagte Stecknadel fallen hören.
Das ist Shakespeare in Reinkultur: im Lebensgenuss die Vergänglichkeit, das Carpe diem nicht ohne das Memento mori. Und auch die Liebe zwischen Orlando und Rosalind erweist sich als echt, Johann Sebastian Bachs »Air« im Hintergrund bestätigt das, noch ehe alle Paare glücklich verheiratet werden.
Wolf Wiechert






































