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Bilderserie: Ralf Hettler
Am Mittwoch war Premiere für seine meistgespielte Komödie, den "Sommernachts traum". Doppelten Debutcharakter besaß das Bühnenereignis für Marcel Krohn. Zum ersten Mal in seiner Karriere hat er ein Theaterstück als Intendant zu verantworten. Am Ende gab's viel Beifall für ihn und sein Ensemble.
Der gebürtige Oldenburger nahm ihn bescheiden entgegen, wirkte ganz in sich gekehrt. Im Gegensatz dazu die Akteure auf der Bühne: In keiner der Welten - weder im Reich der Elfen noch im Land der Griechen - war auch nur ein Anflug von Introvertiertheit zu spüren.
Liebeswirren: Lysander liebt Hermia. Helena liebt Demetrius. Demetrius liebt Hermia. Diese Konstellation allein verspricht eine Menge amouröser Komplikationen. Doch es kommt noch (liebes-)toller. Dank der Zauberkraft des Blumennektars verguckt sich Elfenkönigin Titania - ganz unstandesgemäß - in einen Weber, dem der schalkhafte Puck über Nacht auch noch einen Eselskopf verpasst hat. Im possenhaften Gegenspiel der Handwerker sterben Pyramus und Thisbe den Shakespearschen Tod Romeos und Julias. Irrlichternde Fantastereien, über die sich herrlich lachen lässt. Doch bei aller romantischen Spinnerei: Was Cupidos Liebespfeile alles anrichten können, hat wohl jeder Besucher im wirklichen Leben schon einmal am eigenen Leib verspürt.
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Bilderserie: Ralf Hettler
Flipperkugel: Puck - ein seltsamer Name, der überraschend viele Bedeutungen hat. Ein Mond des Uranus heißt so. Auf der Landkarte ist eine polnische Hafenstadt dieses Namens verzeichnet. Kinder kennen Puck, die Stubenfliege, aus Biene Maja, und Sportler denken - klar - sofort an jene Sportart auf spiegelglattem Eis, bei der rohe Kräfte sinnlos walten. Wie die Scheibe der Eishockey-Cracks flitzt Puck durch die Kulissenwelt der Clingenburg. Rasant und unberechenbar wie eine Flipperkugel saust er von Terrasse zu Terrasse, von Erker zu Erker.
Keine Frage: Fritzi Eichhorn ist der Star des Stücks. In "Charlie und Louise, das doppelte Lottchen" hat sie mit Zwillingsschwester Floriane den Durchbruch als Darstellerin geschafft, in Klingenberg entfaltet sie als Oberons Diener ein beachtliches mimisches und stimmliches Können - inklusive einer gehörigen Portion Akrobatik. Mal katzenhaft-dämonisch, verschwörerisch, mal schalkhaft-boshaft, stürzt sie die Liebenden in eine Flut widerstreitender Gefühle. Ach ja, Puck ist auch eine veraltete Bezeichnung für Troll oder Kobold.
Kleine Götterkunde: Theseus und Hippolyta, Lysander, Helena, Demetrius - illuster besetzt ist das Aufgebot des Bühnenpersonals. Dazu reihenweise Anspielungen. Diana, Dido, Phöbus, Neptun, Daphne, Cynthia und Procrus - auch auf sie wird Bezug genommen. So führt der "Sommernachtstraum" wie eine kleine Götterkunde durch die antike Mythologie. Bestens geeignet also für Schüler vor und vielleicht auch nach dem Abi, sollten sie ihr humanistisches Wissen testen wollen.
Keine Angst: Das große Latinum ist nicht vonnöten, geht es im "Sommernachtstraum" doch keineswegs um tote Sprachen, sondern einfach nur um Menschliches-Allzumenschliches von zeitloser Aktualität.
Kulissenzauber: Selten kam die Clingenburg so romantisch zur Geltung. Ein illuminierter Zauberwald, plätschernde Wasserkaskaden, verzückende Lichtspiele - vor allem jenes zwielichtige Duo Oberon und Puck profitiert von der intensiven Atmosphäre. Von Felsvorsprüngen hoch über den Köpfen der Griechen aus treiben sie, in fahles Scheinwerferlicht getaucht, auf gespenstische Weise ihr übles Spiel mit den Liebenden.
Gute Leistung, Marco Frezzato! Der Bühnenbildner ist in Eberbach am Neckar geboren, hat aber italienisches Blut in seinen Adern. Ob's auch daran lag?
Überraschungsgast I: "Percy Stuart, das ist unser Mann. Ein Mann, ein Mann, ein Mann, der alles kann..." Mancher ältere Leser wird sich noch an den reichlich dröge anmutenden Titelsong der legendären Abenteuerserie erinnern, die dem ZDF in 52 Folgen zwischen 1969 und 1972 traumhafte Einschaltquoten beschert hat. Volles schwarzes Haar, lange Koteletten, Agenten-Blick, sanfter als Bond, weniger kokett. Percy Stuart, ein steinreicher amerikanischer Millionär, hatte auf Vaters Wunsch Mitglied des Londoner Excentric-Clubs zu werden und dafür höchst abenteuerliche Aufgaben zu erfüllen. Gespielt hat ihn Claus Wilcke. Am Mittwoch weilte er, bald 70 Jahre alt und in Ehren ergraut, unterm Publikum. Mit seiner neuen, jungen und Regenbogenpresse-erprobten Angetrauten und inkognito!
Überraschungsgast II: Ganz anders ein anderer Theaterliebhaber. Wie schon bei der offiziellen Eröffnung der Spielzeit im Klingenberger Rosengarten scheute Georg Mittendrein trotz schwebendem Rechtsstreits mit dem Festspielverein nicht den Kontakt mit seinem ehemaligen Arbeitgeber. Im weißen Anzug und mit Gattin Irene Budischowsky an der Seite war der baumlange, vor Vertragsende gekündigte Theatermann nur von denen zu übersehen, die ihn nicht sehen wollten. Karten fürs Stück hatte er sich selbst besorgt.
Mittendrein mittendrin: Das musste für Gesprächsstoff sorgen. Eine Provokation sagten die einen, "kein Problem" die anderen. Fest steht: Der Wiener traut sich was! Manfred Weiß










































