Es war der erste Wettbewerb für die 22-Jährige, die im ersten Jahr bei Fotografenmeisterin Claudia Bornemann in Dieburg in die Lehre geht. Eine Arbeitskollegin hatte sie auf die Ausschreibung in einer Fachzeitschrift hin aufgefordert: »Mach doch mit!« Zum Thema »Das Bild vom Menschen« war ein Papierbild einzureichen, dessen Daten sie als Preisträgerin später nachschickte.
»Ich habe nicht damit gerechnet, einen Preis zu gewinnen. Der Anruf ein paar Wochen später im Fotogeschäft war eine große Überraschung«. Das Bild ohne Titel gelang ihr im Fotostudio mit ihrer Kamera, einer Canon EOS 50D und einem Vario-Objektiv von 35 bis 80 Millimeter Brennweite. Modell stand ihre Freundin Julia.
Das Foto ist eine klassische Doppelbelichtung, kein am Computer aus mehreren Fotos kombiniertes Bild, wie man vermuten könnte: Es entstand in Langzeitbelichtung mit dreimaligem Blitzen, während sich die Person langsam gedreht hat. Lediglich die Umwandlung der ursprünglichen Farbaufnahme in ein Schwarz-Weiß-Bild und die Lichtreflexe besorgte das Bildbearbeitungsprogramm.
Freundin immer bereit
Es ist das am besten gelungene aus einer ganzen Fotoserie. »Glücklicherweise ist meine Freundin immer bereit, mitzumachen und meine spontanen Ideen mit umzusetzen«, erklärt die kreative junge Frau. Denn die Vorbereitung einer Fotosession mit Schminken, Frisieren und passenden Stoffen braucht Zeit. Dankbar ist sie auch ihrer Chefin, dass sie das Fotostudio benutzen darf.
»Angefangen hat es im Alter von 13 oder 14 Jahren, als ich mit der Kompaktkamera meines Vaters Blumen oder meine Haustiere abgelichtet habe«, erzählt sie. »Schon damals hat es mir besonders Spaß gemacht, mit der Freundin zusammen fotografisch zu experimentieren«.
Irgendwann hat die kreative junge Frau gespürt, dass aus dem Hobby ein Beruf werden kann. Als nach der Schule nicht sofort ein Ausbildungsplatz frei war, nahm sie Aushilfsjobs an, bis sich die gewünschte Lehrstelle fand. Dort lernt sie nun Hochzeits- und Porträtserien anzufertigen, sowie Bilder im Bereich Kinder-, Industrie- oder Aktfotografie. In der Berufsschule wird gleichzeitig das Wissen über Technik, Beleuchtung oder Bildgestaltung vermittelt und der Umgang mit den Kunden. Passfotos und Bewerbungsbilder darf sie als Azubi schon selbst machen. Bildbearbeitung und das Auswählen von Fotos aus Serien gehört teilweise ebenfalls bereits zu ihren Aufgaben.
Richtigen Beruf gefunden
Für Lisa Semmler, die noch bei ihren Eltern in Kleinwallstadt wohnt, sind neben der Fotografie auch die Musik, Konzertbesuche und das Ausgehen mit Freunden wichtig. Den richtigen Beruf gefunden zu haben ist sie überzeugt und sie kann sich gut vorstellen, später selbst einmal ein Fotostudio zu führen. Wer mehr sehen will: Einige ihrer Fotoarbeiten stehen auf der Facebookseite »Liz PhotoArt«. Birgit Kuhn
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