Gerade Siegerin Melanie Unsleber schien der vierstündige Wahlmarathon zum Ende hin ziemlich an die Nieren zu gehen. Wahrscheinlich erklärt sich daraus ihr nach Bekanntgabe des Ergebnisses durch Weinbauverbands-Präsident Artur Steinmann fast inbrünstiges Versprechen: »Ich werde mein Bestes geben und ich werde Sie bestimmt nicht enttäuschen.«
Für die 24-Jährige, die am Ende von ihrer Vorgängerin Anna Saum zur Weinkönigin gekrönt wurde, und für ihre fünf Konkurrentinnen hatte das stundenlange Wahlritual marternde Momente. Die Schwüle im Max-Littmann-Saal ließ schon bei den Gästen das Sakkotragen zur leidvollen Pflicht werden. Zusätzlich heizte das chronische Blitzlichtgewitter der Kameras die Atmosphäre auf. Prüfende Blicke von 107 Juroren, darunter Prominenz aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben, und auf der Empore die mitgebrachten enthusiastischen Fans. Für Franziska König (Randersacker), Manuela Schmitt (Nordheim), Melanie Unsleber (Ramsthal), Verena Waigand (Erlenbach), Karoline Wallrapp (Theilheim) und Nicole Weissenseel (Traustadt) war die Zeremonie ihre bislang wohl härteste Prüfung.
Zwar achteten Nicole Then, Deutsche Weinkönigin von 2003, und Axel Robert Müller, Rundfunkmoderator bei Bayern 3, mit charmanter Behutsamkeit darauf, den Druck nicht weiter zu erhöhen, dennoch war es für die jungen Damen wohl gerade das Schwierigste, beim Smalltalk mit den beiden Entertainern auf Augenhöhe zu bleiben (was nicht gelang!). Es ging ums Spektakel! Scherzhaft, aber konsequent sprach Moderator Müller von »Deutschlands ältester Casting-Show«.
Ihre stärksten Augenblicke hatten die jungen Frauen, als das Thema war, womit sie sich in den vergangenen Wochen in Expertengesprächen und probeweise arrangierten Fragerunden am intensivsten befasst hatten: der fränkische Wein. Was ist besonders an der Gemeinschaftsaktion »Franken - Wein.Schöner.Land!«? Was bedeutet im Weinbau Nachhaltigkeit? Damit konnten die Weinbotschafterinnen mehr anfangen als mit Fragen wie der Müllers an Unsleber, ob es denn an der Copacabana tatsächlich so adrette brasilianische Boys gebe, wie behauptet.
Präpariert hatte sich das Sextett für die Präsentation ihrer Weinfavoriten. Die sechs edlen Tropfen - allesamt von weißer Farbe - konnten die Juroren überzeugen, nicht aber in jedem Fall die mitgelieferte Beschreibung. Die spritzige Frische eines 2009er Müller-Thurgau Kabinett mit dem stramm auf die Fünfzig zumarschierenden Brad Pitt zu erklären, ist mehr als gewagt. Und einen 2008er Riesling Spätlese pathetisch mit dem Wortbild »flüssig gewordenes Sonnenlicht« zu umschwärmen, deutet auf naive Winzermädchenfantasien hin.
Am Ende siegte Manuela Unsleber nicht unverdient, auch wenn die Zweitplatzierte Karoline Wallrapp den reifsten Eindruck hinterlassen hatte. Da drängen sich sofort zwei Fragen auf: Welchen Einfluss hat die Farbe des Kleides. Schon fünfmal hintereinander soll Rot der Trägerin zum Sieg verholfen haben. Und: Welche Rolle spielt Testosteron? 79 der 107 Jury-Angehörigen waren Männer.
Manfred Weiß
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Bilderserie, Wahl der Weinkönigin, Teil 1, "So schön jubelt die neue Weinkönigin", dpa
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Bilderserie, Wahl der Weinkönigin, Teil 2, "Der Erlenbacherin Verena Waigand auf der Spur", dpa












































