Bislang, so Jürgen Farrenkopf, sei er immer davon ausgegangen, dass der Buntsandstein ab der Haagsaussicht gen Tal befördert worden sei. Dann habe ihm aber Sandsteinfachmann Franz Zeller bei einem zufälligen Zusammentreffen erklärt, dass der Abtransport mittels Bergbremsbahn auf einem Damm von der Wenschdorfer Höhe verlief.
Daraus könnte man doch etwas machen, dachte sich der Wirt des Gasthauses Zum Hirschen. Zusammen mit einigen Helfern wurde der »Bahndamm« freigelegt, auf dem einst die Schienen talwärts verliefen. Oben auf einer kleinen ebenen Fläche wurde eine Lore aufgestellt, die den Wenschdorfern von den Miltenberger Betrieben Heim und Wassum zur Verfügung gestellt wurde. Da die Westfrankenbahn noch ein paar Schienen beigesteuert hatte, konnte man die Lore auf Schienen stellen. Die Lore wurde anschließend fest mit den Schienen verbunden, so dass auch Vandalen keine Chance haben, die eiserne Konstruktion aus der Verankerung zu lösen.
»Die Bergbremsbahn ist hoffentlich interessant für Spaziergänger im Wald«, sagte Farrenkopf, der auch die Stadt Miltenberg lobte für ihre Aufgeschlossenheit dem Projekt gegenüber. Passanten können aber nicht nur die Bahn bewundern, sondern auch an einer Infotafel mehr über die Geschichte des Sandsteinabbaus am Berg erfahren. Das neben der Bahn stehende Schild habe Klaus Schenk erstellt, ergänzte Farrenkopf.
Eigene Infotafel
Dass hier im Wald einmal eine Bergbremsbahn fuhr, erklärt der Miltenberger Historiker Wilhelm Otto Keller in einem Text, den er für die Infotafel schrieb. Demnach hatte die Stadt Miltenberg 1890 in den Waldabteilungen Haag und Steige sechs Hektar erschließen und in acht Lose aufteilen lassen. Die Pacht, die sich aus der Menge des abgebauten Steins berechnete, hat laut Keller der Stadtkasse viel Geld beschert. Der hier abgebaute Sandstein war von hoher Qualität und schöner Farbe, schreibt der Historiker. Bis zu 100 Arbeiter seien an den Abbaustellen beschäftigt gewesen. Als problematisch gestaltete sich jedoch der Abtransport des wertvollen Materials. Ein rund eineinhalb Kilometer langer Abfuhrweg erwies sich als wenig praktikabel, da die schweren Fuhren den Weg ständig beschädigten. Also errichtete der Unternehmer Braunwart 1906 eine Bergbremsbahn. Näheres ist in der Schirmer-Chronik der Stadt Miltenberg zu erfahren.
Im Prinzip handelte es sich um eine Bahn, die das grobe Material in Loren auf Schienen gen Tal transportierte, gehalten von dicken Stahlseilen. Oben wurde die Bremse über eiserne Räder reguliert, anschließend wurden die leeren Loren wieder nach oben gezogen. Mit der Bahn wurde nicht nur der Transport verkürzt, auch die Fuhrkosten halbierten sich, so dass sich die Anlage vermutlich schnell amortisierte. Wie Keller weiter schreibt, wurde am Berg bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts Sandstein abgebaut, ehe die Firma Wassum als letztes Unternehmen den Abbau einstellte.
Bremse fehlt noch
Was Jürgen Farrenkopf und seinen Mitstreitern zu ihrem Glück noch fehlt, ist eine Bremse. Er hätte Leute an der Hand, die eine solche Bremse nachbauen würden, erklärte er. Farrenkopfs Projekt stieß im Bauausschuss auf einstimmiges Lob. Bürgermeister Joachim Bieber ließ es sich nicht nehmen, ihm und seinen Helfern im Namen des Gremiums für die Umsetzung der Bergbremsbahn zu danken. »Die Wenschdorfer sind aktiv«, lobte Bieber, der Gemeinschaftsgeist in dem Höhenort sei vorbildlich.
Winfried Zang






































