Leute des Platzes verweisen
»Die Leute von der Sicherheitswacht sollen Augen und Ohren der Polizei auf der Straße sein«, erklärte Wenzel den Stadträten. Sie sollen vor allem abends zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf Streife gehen, Störungen der öffentlichen Sicherheit unterbinden oder an die Polizei melden. Bei konkreter Gefahr dürfen sie auch Personen anhalten, befragen, Personalien aufnehmen und des Platzes verweisen
Die Ordnungshüter, so Wenzel, würden Armbinden oder Jacken mit der Aufschrift »Sicherheitswacht« tragen, dazu Funkgeräte und Pfefferspray zur Selbstverteidigung haben. Es könnten Frauen und Männer zwischen 18 und 60 Jahren sein.
Der Stadtrat zeigte sich durchweg angetan von der Idee, hatte aber Fragen im Detail. »Kann die Sicherheitswache auch gegen Jugendliche vorgehen, die Lärm machen und ihren Müll herumliegen lassen?«, wollte Elisabeth Büchler (CSU) wissen und nahm damit ihrem Parteifreund, Bürgermeister Joachim Bieber, die Worte aus dem Mund - auch wenn der Jugendbeauftragte Hubertus Bundschuh (MWG) einwarf, dass beileibe nicht nur Jugendliche Müll produzierten. Wenzel antwortet zur Zufriedenheit Büchlers: »Es geht ausdrücklich auch um Lärmschutz und öffentliche Ordnung.«
Bedenken vor Drohgebärden
Auf der anderen Seite befürchtete Büchler, dass die Sicherheitswacht den Bürgern mit Drohgebärden begegnen könne. Auch Ruth Schöyen (LM) betonte, die Sicherheitsleute müssten carakterlich geeignet und gut geschult sein, um Konflikte nicht etwa aufzubauen, sondern zu entschärfen. »Wir können keine selbst ernannten Sheriffs brauchen und werden bei den Bewerbungsgesprächen auf soziale Kompetenz achten«, beruhigte Wenzel sie.
Die Wachleute, so der Polizist, müssten die Verhältnismäßigkeit achten, da sie im Auftrag der Polizei und unter ihrer Dienstaufsicht eingesetzt würden. Personenbezogene Daten dürften sie nur an die Polizei weitergeben und seien ansonsten zur Geheimhaltung verpflichtet. In insgesamt 40 Stunden würden sie nicht nur in Rechtsfragen, sondern auch um Psychologie geschult. Günther Vogt (ÖDP) war skeptisch: »Bekommt man für 7,16 Euro pro Stunde qualifiziertes Personal?« Wenzel bejahte das, da es zu Beginn der Wache in Aschaffenburg viermal mehr Bewerber als Stellen gegeben habe.
Vogts Parteifreund Ulrich Frey sagte, der Freistaat solle besser mehr Polizeibeamte einstellen: »Wenn man erst einmal eine Sicherheitswache hat, ist ein regulärer Personalausbaus schwierig durchzusetzen.«
Mehr Beamte wären besser
Wenzel räumte ein, dass ihm mehr Beamte auch lieber seien, schätzte die Chance darauf aber als gering ein. Die Inspektion Miltenberg habe zwar genug Planstellen, aber durch Mutterschutz, Elternzeit und Krankheiten stünden viel weniger Mitarbeiter zur Verfügung. Für Fußstreifen habe die Polizei längst keinen Freiraum mehr. »Eine Sicherheitswacht ist deshalb genau das, was uns in Miltenberg fehlt.«
Mathias Himberg






































