24 Stunden lang schicken die musikbegeisterten Birkenfelder echte Rockmusik hinaus in die Welt. Die ersten Fans haben sie schon: »Wir sitzen hier in der Nähe von Frankfurt in einem Seminar, in der Mittagspause läuft euer Sender und alle sind begeistert«, schreibt ein Zuhörer in das Online-Gästebuch. Selbst in Kolumbien schalten Hörer regelmäßig Rockcorner ein.
Ein Traum wird wahr
Ein Traum, der für Martin Ludwig dank der neuen Technik im Internetzeitalter, wahr geworden ist. Mikrofon und Mischpult haben den Birkenfelder schon als Kind fasziniert. Als Neunjähriger hat er mit seinem ersten Kassettenrekorder eigene Ansagen aufgenommen und mit Musik aus dem Radio gemixt. Mit 15 Jahren wurden aus den Kassetten CDs, der Rekorder wurde zur Stereoanlage. Ludwigs Begeisterung blieb und er nahm viele eigene »Sendungen« auf, die er anschließend an Freunde verschenkte. Heute ist Martin Ludwig 25 Jahre alt - und hat seinen eigenen Radiosender. Mit seiner Idee hat er die »Nutcorners« aus Birkenfeld angesteckt. Der Freundeskreis trifft sich seit Jahren, um gemeinsam zu feiern. Für Unfug und Kreatives jeglicher Art sind die Birkenfelder immer zu haben: Weil sie alle gerne Nussecken essen, nannten sie sich spontan die »Nutcorners«. Zwar gibt es das Wort im Englischen gar nicht, aber das stört hier niemanden.
Erst bewerben, dann senden
»Martin war so begeistert von der Idee eines eigenen Radiosenders. Nach und nach machen wir nun alle mit«, sagt Martin Hörning, der jüngste Nachwuchs. Gerade erst feierte der 28-Jährige mit einer Sendung Premiere. »Ich hätte nie gedacht, dass das so einfach geht«, sagt Martin Ludwig. Angeregt durch den Kinofilm »Radio Rock Revolution« informierte sich Ludwig im vergangenen April über die Möglichkeiten: Die Gema zu teuer, eine eigene Sendefrequenz undenkbar. Die Lösung: Internetradio über Laut.fm.
Ludwig schickte eine Bewerbung als DJ los und schon im Mai bekam er das Okay für seinen eigenen Online-Radiosender. Um die passenden Songs für die Sendungen auszusuchen, haben die Birkenfelder Zugriff auf die Musikdatenbank von Laut.fm. Jingles, also Erkennungsmelodien für einzelne Sendungen, und Ansagen produzieren die Freunde in Ludwigs Arbeitszimmer, das als Studio dient. Zusammengestellt wird das Programm schon vor der Sendung, so dass niemand 24 Stunden vor dem Mikrofon sitzen muss. Das wäre auch gar nicht möglich, schließlich betreiben die Birkenfelder das Radiomachen nur als Hobby. Im wahren Leben sind sie Mechaniker, Erzieherin, Student oder wie Martin Ludwig Bankbetriebswirt.
Zehn verschiedene Sendungen
»Die Mischung macht's«, sagt Ludwig. Zwischen 20 und über 50 Jahre alt sind die Birkenfelder - so sind auch alle Musikrichtungen und Genres vertreten. Allen gemein ist aber: Sie lieben die gute alte Rockmusik. Von Nazareth über ACDC zu Deep Purple: Bei Rockcorner laufen auch schon mal zehnminütige Versionen alter Rockklassiker über den Äther - Pardon, über die Datenautobahn.
Zehn verschiedene Sendungen haben die Birkenfelder inzwischen im Angebot. Ob »Rock und Metal Liga« am Samstagabend, »Woodstock« am Dienstag oder »Rafft die Röcke 60er« am Freitagabend: »Wir wollen ein gutes und abwechslungsreiches Programm machen«, sagt Ludwig.
Während andere Internet-Radiosender nur eine Playlist haben, werkeln die Nusseckenliebhaber stetig an neuen Konzepten. »Classic meets Rock ist so eine neue Idee«, sagt Ludwig und man darf gespannt sein, wann die erste Sendung klassische Musik mit harten Gitarrenriffs verbindet. »Wenn man manchmal doch einen herkömmlichen Radiosender beim Autofahren hört, tut es in der Seele weh«, sagt Thomas Meining.
Unkonventionell statt kommerziell
Werbesendungen, Wiederholungen, kommerzielle Popmusik, das wollen die Musikliebhaber aus Birkenfeld vermeiden. Die Fans danken es. So wirbt bereits der Männergesangverein Frohsinn auf seiner Homepage für die unkonventionellen Radiomacher, ebenso wie der Schützenverein und die Gemeinde Birkenfeld.
Deren Oberhaupt, Bürgermeister Werner Schebler, wird demnächst auch ein Wörtchen mitreden dürfen: Zumindest ein Grußwort. Das nämlich wollen die »Nutcorners« mit ihrem neuen mobilen Aufnahmegerät einholen, um es anschließend durch die Breitbandleitungen an Internetnutzer weltweit zu schicken.
Bianca Löbbert
www.nutcorner.de
www.laut.fm/rockcorner






































