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09.06.2010 00:00 Uhr 0 Kommentare

Kleine Leute mit großen Sorgen

Filmforum: Matti Geschonnecks Tragikomödie »Boxhagener Platz« läuft morgen im Marktheidenfelder Movie-Kino

Marktheidenfeld  Das Filmforum der Volkshochschule (Vhs) zeigt am Donnerstag, 10. Juni, um 20.30 Uhr und am Montag, 14. Juni, um 19 Uhr im Movie-Kino Matti Geschonnecks Tragikomödie »Boxhagener Platz«.
Mehr als 20 Jahre sind seit dem Mauerfall vergangen. Seitdem erreichen uns in regelmäßigen Abständen Filme, die sich teils mit den skurrilen, teils mit den hässlichen Aspekten des Lebens im ehemaligen SED-Staat auseinandersetzen.

Das Filmforum der Volkshochschule Marktheidenfeld zeigt am Donnerstag, 10. Juni, um 20.30 Uhr im Movie-Kino Matti Geschonnecks Tragikomödie »Boxhagener Platz«.

Foto: Pandora

Basierend auf dem Romandebüt des Potsdamer Dramaturgiedozenten Torsten Schulz, der auch das Drehbuch verfasste, bringt nun der TV-erfahrene Regisseur Matti Geschonneck mit »Boxhagener Platz« eine Geschichte auf die Leinwand, die beide Seiten in gelungener Form vereint zu einer Art »Berliner Heimatfilm«, mit dem Geschonneck und Schulz dem Bezirk Berlin-Friedrichshain, in dem beide aufwuchsen, ein liebenswert-nostalgisches Denkmal setzten.
Es ist das Jahr 1968, in welchem der Zuschauer eintaucht in den Mikrokosmos dieses Viertels der einfachen Leute. Während der Westen von den Studentenunruhen und der Sexuellen Revolution beunruhigt wird, rollen die Panzer der Ostblockarmee durch Prag, um den dortigen politischen Frühling niederzuschlagen. Im beschaulichen Ost-Berlin herrschte noch trügerische Ruhe. Dort zählen die kleinen Aufmüpfigkeiten, nicht der große Widerstand. Wenn der elegante Ex-Spartakist Karl ein Flugblatt »Russen raus aus Prag« oder den westlichen »Stern« auspackt, dann stößt das bei der lebensfrohen, kochbegeisterten Oma Otti schon mal auf subversive Neugier. Die hat schon fünf Ehemänner zu Grabe getragen, weshalb die hellwache Achtzigjährige mit ihrem Enkel Holger, der seinerseits nichts wie Zoff mit seinen Ernährern hat, auch viel Zeit auf dem Friedhof verbringt.
Als dann der dicke Fischhändler Winkler, einer von Omas zahlreichen Verehrern, eines Morgens tot in seinem Laden liegt, überschlagen sich die Ereignisse. Holger avanciert zum Hobbydetektiv und lernt dabei einiges über die Liebe, die 68er Revolte und wie man mit »revolutionären« Geheimnissen Frauen rumkriegt.
Geschonnecks muntere Hommage an kleine Leute mit großen Sorgen und Hoffnungen begeistert durch eine Fülle stimmiger Details, dank derer die Groteske des sozialistischen Alltags ebenso beiläufig wie pointiert entlarvt wird. Ein straffes Drehbuch, treffende Dialoge mit trockenem Berliner Humor gepaart mit melancholischem Charme sind die Zutaten, mit denen Geschonneck seine leichtfüßig inszenierte Ost-Burleske würzt, die besonders von ihrer prägnanten Figurenzeichnung lebt. Diese wird von einem erstklassigen Ensemble, allen voran die versierte Berliner Theatermimin Gudrun Ritter als kluge Überlebenskünstlerin, Michael Gwisdek als integrer Alt-Kommunist sowie Samuel Schneider in seiner ersten Kinorolle als pfiffiger Holger, spielfreudig auf die Leinwand gebracht.

Nächste Woche läuft im Filmforum der Vhs das oscarnominierte Sozialdrama »Ajami«.

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