Für ein Jahr werden Schüler und Lehrer nach Rodenbach ziehen, damit das Wombacher Schulgebäude in der Zwischenzeit erweitert und saniert werden kann. Ein Mädchen nickt auf die Frage, ob es sich auf die neue Schule freue. Vielleicht freut es sich aber eher auf die Sommerferien.
Schulleiterin Elisabeth Zock kann nicht ganz so rasch in den Urlaub entschwinden. In der ersten Ferienwoche bleibt das Kollegium beisammen, um sich erst einmal in Rodenbach häuslich einzurichten. Da müssen die vielen Kisten wieder ausgepackt werden. Später in den Ferien stoßen einzelne Lehrkräfte je nach Urlaubsplanung immer wieder hinzu, um weiter anzupacken. Im Rodenbacher Schulhaus wird es für ein Jahr ziemlich eng werden. »Ein Abstellraum für Bücher wird mein Büro«, lacht die Rektorin.
Doch zunächst kommt es für alle ziemlich dick. »Es ist ein wahnsinniger Akt«, sagt Elisabeth Zock, der Kraft kostet. Bereits in den Pfingstferien verstauten die Lehrer nicht mehr benötigte Sachen in 70 Pappkisten, die schon fort sind. Nun folgen noch viele weitere. Manches landete schon auf dem Sperrmüll. Alte Bücher gehen an rumänische Schulen. Die letzte Woche vor den Ferien hat es nun richtig in sich. »Was so ein Schulhaus in sich birgt«, schüttelt die Rektorin den Kopf und meint: »Wir sind am Limit«.
In den letzten Wochen waren neben den Umzugsvorbereitungen die letzten Arbeiten zu schreiben und die Zeugnisse zu machen. Für die beiden ersten Klassen wird mitten im Umzugstrubel noch ein Unterricht als Notbehelf aufrecht erhalten, während die Räume drumherum zunehmend kahler werden. Die Verwaltung muss jedenfalls bis ganz zum Schluss funktionieren. So sitzt Sekretärin Alexandra Wach im letzten noch voll ausgestatteten Raum. Bauhofleiter Peter Bechold schaut kurz vorbei. Sieben seiner Leute sind am Werk, damit der Umzug so rasch wie möglich über die Bühne gehen kann. Ihm bleibt nur die eine Woche. Plötzlich huscht Hausmeisterin Katharina Merz vorbei. Peter Bechold sagt noch, »wir brauchen die«, und ist auch schon selber wieder entschwunden.
Bauhoffahrzeuge pendeln zwischen Wombach und Rodenbach. Derweil haben zwei Mitarbeiter, die sich sonst um die Spielplätze in der Stadt kümmern, in einem Klassenraum die Tafel abgeschraubt und verschnaufen etwas, bis die nächste Fuhre ansteht.
»Es gab schon viele Umzüge«, sagt Steffen Werthmann, »wir haben schon alles mitgemacht«. Als die Grundschule in Ruppertshütten schloss, musste der Bauhof ran, um alles auszuräumen. Später wurden die große Grundschule in der Stadt und die in Sackenbach saniert. Auch da fungierte der Bauhof als Möbelspedition. Und da war zuletzt der Umbau des Seeweg-Kindergartens. Aber das macht den Leuten vom Bauhof nicht allzu viel aus, denn »schaffen muss man überall«.
Im Zimmer der 3. Klasse macht am Dienstag noch Michaela Klüg ihren Unterricht. Sie hat »aus der Not eine Tugend gemacht und alle Tische zusammengestellt«, so dass die Kinder drumherum sitzen. Ringsherum ist alles schon weg. »Die Kinder haben jeden Tag geholfen«, erläutert die Lehrerin. Bald wird es auch in ihrem Klassenzimmer richtig leer aussehen.
Im Werkraum ist Ulrike Weislogel am Beschriften bereits gepackter Kisten. Darin sind Werkzeuge und Arbeitsmaterialien. Auf dem Flur stehen schon einige Kartons und warten auf Abholung. Beim Packen der Kisten gehen gehen ihr zwei Schüler zur Hand: Johannes Fuchs und Felix Rack aus Wombach. Die beiden Jungen zücken den Kleber um die Kisten mit Nummernzetteln zu versehen. Per Hand schreibt Ulrike Weislogel den Zielort drauf: »Dachboden«. Denn »in Rodenbach haben wir keinen Werkraum«, erläutert die Werklehrerin. Das Werken werde ausfallen. Deshalb gab es heuer schon Werkunterricht für Jahrgangsstufen, die laut Lehrplan erst im kommenden Schuljahr an der Reihe wären.
»Es ist eine Übergangszeit und wir müssen uns behelfen«, sagt Ulrike Weislogel. Der Behelf sieht so aus, dass im nächsten Schuljahr eben ausschließlich mit Stoff gearbeitet wird. Außerdem macht die Werklehrerin umzugsbedingt gleich Inventur. Anhand der Nummern und Abkürzungen auf den Kisten kann in der Liste nachgeschaut werden, was wo drin ist. Da wissen auch ihre beiden Helfer genau Bescheid.
Wieder ist eine Kiste fertig, die die beiden Jungen raus auf den Flur tragen, wo schon zehn andere stehen. Nein, »es sind elf«, sagt einer der beiden jungen Helfer, die den Überblick haben. Ihnen ist es lieber, der Werklehrerin zur Hand zu gehen, als im Klassenzimmer zu sitzen.
Schulleiterin Elisabeth Zock schaut bei den Erstklässlern vorbei und gibt bekannt, »ihr seid die Jüngsten, ihr habt am meisten vom neuen Schulhaus«. Die dritte Klasse wird dagegen ihre Grundschulzeit in Rodenbach abschließen.
Mit dem Verlauf des Umzugs ist Zock bislang sehr zufrieden. »Es ist ein tolles Team hier«, lobt sie ihre Kolleginnen und die Mitarbeiterinnen. Für den Schulumbau »wird es Zeit«, bedeutet sie, die seit 2005 in Wombach ist und vorher 16 Jahre lang in Wiesthal war. Dann muss auch sie sich wieder kümmern.
Ulf Kampfmeier









































