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03.04.2012 00:00 Uhr 0 Kommentare

Einsatzrekord für die Aktion Pflegepartner

Zehn-Jahr-Feier: Entlastung der Angehörigen als Ziel

Lohr »Wenn es die Aktion Pflegepartner nicht schon gäbe, müsste man sie erfinden«, meinte Dekan Michael Wehrwein am Freitagabend bei der Zehn-Jahr-Feier der Freiwilligenorganisation im Pfarrheim St. Michael. Die von Caritas und Diakonie getragene Aktion hat es sich zum Ziel gesetzt, pflegende Angehörige zu entlasten und ihnen freie Stunden zu ermöglichen, in denen sie eigenen Interessen nachgehen können.
»Zehn Jahre klingen zunächst nach nicht sehr viel, aber man muss bedenken, wie schwierig es oft ist, ehrenamtliche Helfer zu finden«, meinte Klaus Becker, der Vorsitzende des St. Rochus-Vereins, der die gleichnamige Sozialstation trägt. Die Aktion feiere ihr zehnjähriges Bestehen in einer Zeit, in der es die Solidarität in der Gesellschaft nicht leicht habe.
Einen Rückblick auf die letzten zehn Jahre gaben die beiden Projektleiter Michael Donath (Diakonie), der von Anfang an dabei ist, und Heike Wenisch (Caritas), die vor drei Jahren dazukam. Erste Überlegungen, pflegende Angehörige zu entlasten, habe es 1998 im Lohrer Seniorenbeirat gegeben, erinnerte sich Donath. Einige Pflegedienste seien irritiert gewesen, weil sie befürchtet hätten, die Aktion nehmen ihnen Patienten weg.
Bis zum Umfallen
Als Gisela Lambertz von der Caritas mit einer ähnlichen Idee auf ihn zugekommen sei, hätten die Gespräche mit den Trägern begonnen. Als er den damaligen Bürgermeister Siegfried Selinger informiert habe, dass manche Menschen ihre Angehörigen bis zum eigenen Umfallen pflegten, habe auch dieser seine Unterstützung zugesagt. Im Jahr 2000 seien er und Lambertz mit der Projektleitung beauftragt worden.
Ihnen sei von Anfang an klar gewesen, dass die freiwilligen Helfer geschult und betreut werden mussten. Denn hinter der Aktion Pflegepartner »steckt viel Fachwissen«, unterstrich Donath. Um für die Schulungen Geld zu bekommen, habe sich die Aktion an die Stadt Lohr und die Kommunen des Altlandkreises gewandt. Diese zahlten laut Donath ursprünglich 40 Pfennig und jetzt 15 Cent pro Einwohner an die Aktion. Bereits Ende 2000 habe die Aktion 40 freiwillige Helfer »von der Hausfrau bis zur examinierten Krankenschwester« gehabt.
Überlastung nimmt zu
Offizieller Projektstart sei dann 2001 mit 308 Einsätzen gewesen. »Darauf waren wir stolz, aber wie konnten nicht ahnen, wie es weitergeht«, sagte der Projektleiter. Seine Kollegin Heike Wenisch berichtete, dass die Aktion Pflegepartner im Jahr 2011 so viele Einsätze wie noch nie absolviert habe: 2271 mit 36 Mitarbeitern. Die Zahl der Einsatzstunden sei von 655 beim Projektstart auf knapp 5200 im vorigen Jahr geklettert. Wenisch führte die Steigerung darauf zurück, dass die Überlastung pflegender Angehöriger immer mehr zunimmt.
Mit 1472 Einsätzen lag Lohr mit seinen Stadtteilen nach Wenischs Angaben in der Statistik 2011 wieder ganz vorne, gefolgt von Neustadt mit 170 Einsätzen, Frammersbach mit 153 und Partenstein mit 139. Laut Wenisch kommen immer mehr Anfragen aus Kommunen außerhalb des Altlandkreises Lohr, auf den sich die Aktion eigentlich beschränken wollte. Aktuell gebe es 43 Pflegepartner.
Der Zeit voraus
»Sie waren ihrer Zeit voraus«, bescheinigte Landrat Thomas Schiebel der Aktion Pflegepartner. Er könne sich eine Ausweitung der Aktion auf den gesamten Landkreis durchaus vorstellen. Die Aktion kümmere sich um die pflegebedürftigen Menschen in einer Weise, die wegen des Zeit- und Arbeitsdrucks professionellen Pflegekräften kaum noch möglich sei.
Pfarrer Sven Johannsen erinnerte an das Wort des Apostels Paulus: Einer trage des anderen Last. Das tue die Aktion, ihre Arbeit sei »Dienst am Menschen«. Für die Stadt Lohr meinte Stadtrat Gerold Wandera, es sei »ganz toll, was die Aktion jeden Tag leistet«. Altbürgermeister Siegfried Selinger meinte, er sei dankbar, beim Start helfen zu können. tjm

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