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27.06.2008 10:04 Uhr 0 Kommentare

Bahn-Unfall: Oberleitung zwischen Aschaffenburg und Kleinostheim heruntergerissen - Verspätungen

Kleinostheim  Hans Hofmann steht neben seinem gelben Reparatur-Triebwagen auf der Bahnstrecke zwischen Aschaffenburg und Kleinostheim und schaut hoch zur Oberleitung. Am Abend zuvor ist sie bei einem Unfall heruntergerissen worden. Kein Zug weit und breit. Der 58-Jährige ist Werkmeister bei der Bahn, seit halb fünf im Dienst an diesem Freitag. Er sagt: »43 Jahre bin ich im Job. Einen so großen Schaden habe ich noch nicht erlebt.«
Wie es zu dem Schaden kam, weiß Peter Ebert (48) von der Bundespolizei. Am Kleinostheimer Bahnhof geht er an einem Güterzug entlang; darauf zwölf rote Elektrobusse, acht demoliert.

Donnerstag, 18.35 Uhr: Der Zug ist von Süden kommend über Aschaffenburg unterwegs nach Paderborn. Ladung: Metallrollen, Bleche – und elektrische Busse, die von Bremerhaven aus nach Venezuela verschifft werden sollen. Auf der Strecke Aschaffenburg - Kleinostheim in der Nähe von Mainaschaff löst sich an dem Stromabnehmer eines Busses die Sicherung.

 Nach dem Unfall - Beschädigte Busse und Leitungen:

Fotogalerie: Klicken Sie auf eines der Bilder, um die Fotogalerie zu starten:
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43 Jahre bin ich im Job. Einen so großen Schaden habe ich noch nicht erlebt.
Hans Hofmann, Bahn-Werkmeister
»

Der Abnehmer schnalzt in die elektrische Oberleitung«, sagt Ebert. Diese wird abgerissen oder stark beschädigt – auf einer Länge von zwei Kilometern, schätzt der Bundespolizist. Stahlausleger, an denen die Leitung befestigt ist, werden herausgerissen und krachen auf Busse, berichtet die Feuerwehr.

»Durch einen Stromüberschlag entstand ein starker Funkenflug«, teilt die Pressestelle der Bahn mit. Was das bedeutet, sieht man an den 20 Tonnen schweren Bussen: Reifen sind geplatzt, Fenster zerborsten, Busdächer kaputt.
 44 Feuerwehrleute haben die Sache schnell im Griff. Polizist Ebert schätzt den Gesamtschaden auf mehrere hunderttausend Euro. »Die Ermittlungen laufen.« Verletzt wird niemand.

Während der Oberkommissar am Kleinostheimer Bahnhof die Stellung hält, haben Meister Hofmann und seine drei Männer auf der Strecke viel zu tun. Zwei stehen auf einer Hebebühne, reparieren die Leitung. Drei solcher Trupps sind im Einsatz. Hofmann weiß: Eines der beiden Gleise wurde gerade freigegeben – das in Richtung Aschaffenburg. Es ist Freitag, 10.36 Uhr.

Aufräumarbeiten nach dem Bahnunfall und ein ICE in Stockstadt: 

Fotogalerie: Klicken Sie auf eines der Bilder, um die Fotogalerie zu starten:
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Genaueres teilt Thomas Kießling (29), DB-Notfallmanager, mit. Auf dem freien Gleis fahren wieder Nahverkehrs- und Regionalzüge. Abwechselnd in beide Richtungen, Verspätung inklusive. Um halb zwölf trudelt ein ICE in Kleinostheim ein. Das heißt: Die am Donnerstag für den Fernverkehr eingerichtete Umleitung von Aschaffenburg über Darmstadt nach Frankfurt und umgekehrt ist aufgehoben – zum Teil, wie gleich bekannt wird.

In Richtung Süden fährt der ICE, in Richtung Frankfurt geht?s noch über Darmstadt. Das soll sich am Samstagmittag ändern, wagt die Bahn am Freitagabend eine Prognose. Bis dahin werde auch Gleis Nummer 2 frei sein.

»Wir haben die Strecke sofort gesperrt«, sagt Manager Kießling. Der Bahnübergang in Mainaschaff ist zu. Durch die Umleitung hatte der Fernverkehr 30 Minuten Verspätung. Für Regionalzug-Pendler setzte die Bahn bis Freitagmittag zwischen Aschaffenburg und Kleinostheim Busse ein. Verspätung: eine gute Viertelstunde.

 Draußen auf den Gleisen müssen Werkmeister Hofmann und seine Mitarbeiter bis nachmittags um fünf ranklotzen. Dann kommt die Ablösung. »Das geht wohl die ganze Nacht durch«, sagt er.
Matthias Schwind/Fotos und Video: Ralf Hettler





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