Das bedeutet allerdings nicht automatisch dass Aschaffenburg und der bayerische Untermain mit dem Verlust des ICE-Anschlusses rechnen müssen. Die Planungen seien »absolut ergebnisoffen«, versicherte Kraft: »Wir sind nicht auf eine Trasse festgelegt«. Neben der als in »Mottgers-Spange« bekannt gewordenen Schienentangente durch den Nordspessart komme auch eine Trassen-Entwicklung auf der Achse Hanau-Fulda oder der Ausbau der weiter südlich gelegenen Achse Hanau-Aschaffenburg-Würzburg infrage.
Bürger sollen beteiligt werden
Kraft versprach eine neue Dimension von Bürgerbeteiligung: Interessenverbände, Initiativen und Kommunen könnten aktiv an den Planungen mitwirken. Nach Angaben des Infrastruktur-Chefs der Bahn soll eine Projektgruppe zunächst rund ein Jahr lang die 2002 eingestellten Pläne aktualisieren. Für die Vorplanung müsse mit weiteren drei bis vier Jahren gerechnet werden, weitere zwei Jahre für das Raumordnungsverfahren. Ein Baubeginn sei frühestens in zehn bis elf Jahren möglich.
Im erste Anlauf waren die Planer nur bis zum Stadium einer »Raumempfindlichkeitsanalyse« gekommen, die 2002 veröffentlicht wurde. Darin wurden für weitere Untersuchungen zwölf Varianten ausgewählt: Neben dem Ausbau der bestehenden Strecken Hanau - Würzburg und Hanau - Fulda mehrere Verlaufstrassen für eine Neubaustrecke zwischen Gelnhausen bis zu Einmündung in die Schnellbahnstrecke Würzburg - Fulda. Der nächstgelegene Ort, Mottgers, gab dem Projekt seinen Namen.
Es wurde in der Folgezeit zum Schreckgespenst für Kommunalpolitiker, Umweltaktivisten und die Wirtschaft am bayerischen Untermain. Auch bei der Neuauflage der Planungen würde der Fernverkehr bei einer Entscheidung für die »Mottgers-Variante« wohl überwiegend an Aschaffenburg vorbei geführt werden.
»Projekt aus der Mottenkiste«
Der Aschaffenburger OB Klaus Herzog SPD) sprach deshalb in einer ersten Reaktion von einem »Projekt aus der Mottenkiste«. Er verwies gegenüber unserer Zeitung darauf, »dass die Bahn viel Geld für den Aschaffenburger Bahnhof ausgegeben hat«, Das sei »nicht zuletzt wegen des ICE« erfolgt.
Außerdem sei ein Neubau für die geringe Zeitersparnis zwischen Frankfurt und Würzburg nicht angemessen. Das sieht man bei der Bahn und in der hessischen Landesregierung allerdings anders. Verkehrsminister Rentsch sprach gestern von einem dringend Bedarf, das Engpassproblem zwischen Hanau und Fulda zu lösen. Die Verlagerung der Fernverkehre »auf eine neue Strecke« schaffe auf der Bestandsstrecke Kapazität für attraktiveren Nahverkehr und Entlastung von lärmintensiven Gütertransporten. Kraft ergänzte: »Die Strecke ist überbelastet und für den Fernverkehr zu langsam.«
Auf der südlichen Verbindung Hanau - Würzburg kommt es nach seiner Auffassung zwar durch das Projekt Schwarzkopftunnel zu Verbesserungen bei Güter- und Nahverkehr: »Aber für den Fernverkehr ändert sich dadurch wenig«.
Rainer Reichert
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