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03.11.2012 15:45 Uhr 0 Kommentare

NSU-Killer marschierten durch Aschaffenburg

Rechtsradikale Szene am Untermain Zehn Menschen haben die rechtsextremen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos kaltblütig ermordet. Als ihnen die Polizei zu nahe kam, brachten sie sich um. Bevor die Neonazis in den Untergrund gegangen sind, marschierten sie während einer Kundgebung durch Aschaffenburg. Das belegen jüngst veröffentlichte Fotos.



Fotogalerie: Klicken Sie auf eines der Bilder, um die Fotogalerie zu starten:
Münstermann-Gedächtnismarsch
Münstermann-Gedächtnismarsch
Münstermann-Gedächtnismarsch

Fotos zeigen NSU-Mörder in Aschaffenburg: Stefan Gregor/Screenshots, BR-Frankenschau

Dem Bayerischen Rundfunk (BR) liegen die Fotos vor. Die Aufnahmen wurden am 24. Februar 1996 gemacht. Die beiden späteren Mörder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos marschieren bei einem Neonazi-Aufmarsch, dem so­ge­nann­ten Müns­ter­mann-Marsch durch die In­nen­stadt. Nach Einschätzung eines Behördenvertreters reisten Böhnhardt und Mundlos 1996 ohne engere Kontakte zur regionalen Neonazi-Szene nach Aschaffenburg an. Antifaschisten vom Untermain hingegen werten die Demo-Teilnahme der NSU-Terroristen als Beleg für die Verzahnung der regionalen rechtsextremen Aktivisten mit militanten Neonazis. Nach Angaben des BR waren die Fotos beim antifaschistischen Dokumentationszentrum in Berlin archiviert.

Ein Filmbeitrag des BR-Franken (siehe Video unten) lässt einen Kenner der rechten Szene am Bayerischen Untermain zu Wort kommen. Seinen Recherchen nach radikalisiert sich die rechte Szene immer weiter. Seit der Aufdeckung der NSU-Mordserie komme es zu einer Zunahme rechtsradikaler Aktivitäten, sagt der Mann dem BR. Die rechtsradikale Szene scheint von den Morden geradezu aufgepuscht zu sein.

Reinhard Frankl von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Aschaffenburg-Miltenberg berichtet beispielsweise von gezielten Einschüchterungsversuchen seitens Rechtsradikaler. In einem NPD-Flugblatt, das diese an seine Nachbarn verteilt hatten, diffamieren ihn die Rechtsradikalen.

Hintergrund der Diffamierung ist eine Veranstaltung des Kreisjugendrings am 9. Oktober in Haibach. Thema war auch Rechtsradikalismus in der Region und dazu ein Interview mit Frankls. Das Aschaffenburger »Bündnis gegen Rechts« dokumentierte überdies, welche rechtsextremen Tendenzen es vor Ort gibt. Auch Tina Bellotti, Vorsitzende des Aschaffenburger Kreisjugendrings, sei von Anrufern aus den rechten Lager eingeschüchtert worden, berichtet der BR.

Der stellvertretende Vorsitzende des bayerischen NSU-Untersuchungsausschusses, Florian Ritter (SPD), sagte in einem Interview mit dem BR: Man stelle nicht nur am Bayerischen Untermain, sondern in ganz Bayern eine Radikalisierung der rechten Szene fest: "Da radikalisiert sich im Moment einiges."

Ritter fordert ein aktives Eingreifen der Menschen gegen rechte Umtriebe. Er macht aber auch deutlich, dass die Rechtsradikalen ihre Aktionen gegen ihre Gegner seit der Aufdeckung der NSU-Mordserie verstärken. Siehe das Beispiel Frankl. Zu den aufgetauchten Fotos, die  Böhnhardt und Mundlos in Aschaffenburg zeigen, sagt Ritter: "Sämtliche NSU-Verbindungn nach Bayern sind für uns von großem Interesse."

mai (Quellen: BR, ME)

Video von der BR-Sendung Frankenschau, 2. November


Das Main-Echo dankt dem BR für das zur Verfügung gestellte Video

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