Latente Gefährdung
House of Finance-Geschäftsführer Stephan Späthe bestätigte gegenüber dieser Zeitung die »latente Gefährdung« des unter den Studierenden umstrittenen finanzwissenschaftlichen Zentrums. Laut Späthe bleibe die Polizei deshalb auch nach dem Abbruch der Casino-Besetzung auf dem Campus. Der Zugang zum Gebäude ist zurzeit nur nach Einlasskontrollen möglich. Späthe: »Unsere Lehrveranstaltungen laufen aber im Regelbetrieb.«
Asta-Kulturreferent Markus Leinen dementierte Pläne für eine Besetzung des Haus of Finance energisch: »Davon ist uns nichts bekannt. Allerdings gibt es immer wieder solche Gerüchte, weil die als privilegiert empfundene Situation der Finanzwissenschaftler das Institut zum Hassobjekt für viele sich benachteiligt fühlende Studenten macht.«
Die Besetzung des historischen Casinos, das von der Unileitung auch für repräsentative Empfänge genutzt wird, stand im Zusammenhang mit den bundesweiten Protestaktionen gegen schlechte Studienbedingungen und Mängel bei der Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge.
Daneben warfen die Frankfurter Studierenden ihrer Unileitung auch »hausgemachte« Missstände vor. So gebe es auf die Forderung des Allgemeinen Studentenausschusses Asta auf eine schnellere Errichtung des geplanten Studierendenhauses auf dem neuen Campus Westend »nicht einmal eine Antwort«. Markus Leinen: »Der Architekturwettbewerb ist nicht ausgeschrieben. Diese Studentengeneration auf dem Campus Westend wird also voraussichtlich ihr Studium ohne Chance auf eigenverantwortete Veranstaltungs- und Begegnungsräume beenden.
Wie die Universität mitteilte, habe sich der »Vandalismus« im Laufe des Dienstags unter anderem auf die Beschädigung wertvoller Kunstwerke ausgedehnt. Der entstandene Sachschaden - in Mitleidenschaft gezogen wurden unter anderem auch eine Cafeteria und Toiletten, historische Parkettböden und Vertäfelungen - wird mittlerweile von der Unileitung auf einen sechsstelligen Betrag beziffert. Inzwischen steht allerdings fest, dass entgegen ersten Berichten das berühmte Wandgemälde von Georg Heck nicht in Mitleidenschaft gezogen und auch sonst keine bleibenden Schäden an Kunstwerken festgestellt worden sind.
Graffiti an einigen Wänden
Asta-Referent Leinen wirft der Universitätsleitung vor, sie operiere mit übertriebenen Vandalismus-Vorwürfen und »aus der Luft gegriffenen« Zahlen: »Es hat den Anschein, als versuche die Unileitung den Studenten Renovierungskosten anzulasten.« Tatsache ist jedoch, das Wände des Treppenhauses und eine kleine Fläche der Wandvertäfelung des Festsaals mit Graffiti beschmiert sind, die einen Neuanstrich notwendig machen.
Während Müller-Esterl das Verhalten der Polizei bei der Räumung als »fair und professionell« lobte, übte Asta-Vorsitzender Jonas Erkel scharfe Kritik: »Als die Räumung vollzogen war, wurden die Studierenden regelrecht vom Campus geprügelt.« Inzwischen hat der Universitätspräsident die Forderung des Asta nach seinem sofortigen Rücktritt wegen der Polizeiaktion zurückgewiesen.
ling/dpa







































