Erstmals werden in einem Wirtschaftsplan der Senio nun detaillierte Zahlen zu Kosten und Verlauf dieser Rettungsaktion vorgelegt. Insgesamt kamen - so steht es in einem angehängten Rechenschaftsbericht der »Gersprenz« - bis Ende 2009 aus dem Betrieb Verluste von rund 3,5 Millionen Euro zusammen. Der weitaus größte Teil ist schon 2005 angefallen, als kumulierter Verlust aus den Jahren 2003 bis 2005 in Höhe von knapp 2,3 Millionen Euro.
Da eine einmalige Übernahme dieser Verluste die kommunalen Haushalte der Senio-Kommunen über Gebühr belastet hätte, ist die Refinanzierung auf fünf Jahre gestreckt worden. So sind ab 2007 bis 2011 jeweils jährlich etwa 453 000 Euro fällig geworden, die von den Mitgliedskommunen nach dem Schlüssel der Einwohnerzahlen zusammengetragen wurden. Einzig für den Landkreis Darmstadt-Dieburg, der auch Zweckverbandsmitglied ist, gilt ein anderer Schlüssel. In den Folgejahren ist das aktuelle Betriebskostendefizit jährlich erfasst worden, sein Ausgleich aber auch wieder jeweils auf fünf Jahre gestreckt worden. Das letzte auf diese Weise auszugleichende Defizit ist 2009 in Höhe von knapp 150 000 Euro angefallen. Seitdem schreibt die Gersprenz gGmbH kleine schwarze Zahlen.
Das auf fünf Jahre gestreckte Umlageverfahren führt dazu, dass der Defizitausgleich aus dem Jahr 2009 bis in das Jahr 2015 reicht. Durch eine beigefügte Balkengrafik wird jedoch deutlich, dass der Anteil des Defizitausgleichs am gesamten Wirtschaftsvolumen des Senio-Verbands bis dahin immer kleiner wird.
Jetzt schon bildet die Immobilienwirtschaft mit einem Gesamtvolumen von über 600 000 Euro den größten Einzelposten im aktuellen Haushaltsplan des Senio-Verbands. Darin enthalten ist nicht nur der finanzielle Ausgleich für die Übernahme der »Gersprenz«-Immobilien in Reinheim und Groß-Zimmern mit einem Volumen von 13 Millionen Euro, sondern auch der Neubau der Kleeblatt-Pflegeheime in Münster und Groß-Umstadt. Während Münster mit 60 Pflegeplätzen 4,8 Millionen Euro gekostet hat, wird der bald fertig gestellte Neubau in Groß-Umstadt mit 72 stationären und zwölf Tagespflegeplätzen statt der ursprünglich einmal anvisierten 7,5 Millionen mit 9,6 Millionen Euro doppelt so teuer.
Zur Begründung sagte der Groß-Umstädter Bürgermeister und Senio-Vorstandsvorsitzende Joachim Ruppert: »Dafür ist hier auch ein ganz anderes Haus entstanden, mit einer Struktur für das Wohngruppenmodell, bei dem jeweils zwölf Pflegeplätze um einen gemeinschaftlichen Kern mit Aufenthaltsraum und vollwertiger Küche gruppiert sind. Diese Struktur schlägt sich in den Baukosten nieder, und das wird auch akzeptiert, wie der nachträgliche Zusatz-Förderbescheid vom Land Hessen zeigt.«
Mieter und Servicedienstleister
Wie in den anderen Senio-Häusern wird auch in Groß-Umstadt die »Gersprenz« als Mieter und Service-Dienstleister auftreten. Ob die vereinbarten Mieten »marktüblich« sind und den vom Senio-Verband zu leistenden Kapitaldienst decken, vermochte am Mittwoch auf Nachfrage kein Senio-Verantwortlicher beantworten. Die Wirtschaftlichkeit sei aber derzeit Gegenstand einer Prüfung durch das Revisionsamt des Landkreises, versicherte der »Gersprenz«-Steuerberater Günther Keil. hol
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