Am kommenden Sonntag, 11 Uhr, würdigt eine Feierstunde im Zunftsaal des Schlosses die bisherige Arbeit der Einrichtung. Die Erinnerung an Werden und Wirken des Museums ergänzt die Eröffnung einer Ausstellung im Haus Wolfsthalplatz. Sie zeigt Genisa-Funde aus Unterfranken (dazu Kasten »Hintergrund«).
Das Haus am Wolfsthalplatz war von der Zerstörung der benachbarten Synagoge in der Reichpogromnacht verschont geblieben und hatte seither wechselvolle Nutzungen erlebt. Bis April 1978 war hier ein selbstverwaltetes Jugendhaus eingerichtet, dann wurde es Baubüro zum Errichten der Sparkasse und daneben - skurril genug - ein islamischer Gebetsraum, wohl einer von wenigen in der Welt, deren Außenseite ein Davidstern zierte.
Kastenhain und Brunnen
Es dauerte einige Zeit und einige weitere Einladungen, es bedurfte darüber hinaus eines städtebaulichen Wettbewerbs zur Verbesserung des Wolfsthalplatzes, bis das Museum im Sommer 1984 eröffnet werden konnte - damals unter dem Namen »Dokumentationszentrum«. Der Platz war vier Jahre später fertig, noch einmal vier Jahre dauerte es, bis der Brunnen mit der Plastik »Zeitwagen« sprudelte.
Mit den Gebäuden der Umgebung, vor allem der Sparkasse des Architekten Alexander von Branca, und dem etwa dem Grundriss der Synagoge folgenden Kastenhain aus Platanen wird das Ergebnis allgemein zu den gelungenen Plätzen der Stadt gezählt. Seine Funktion ist die eines ruhigen Rückzugsraums inmitten der Hektik des Stadtzentrums. Dies steht im Einklang mit seiner Geschichte.
Mit der Einrichtung des Museums zählte Aschaffenburg zu den frühen Bemühungen, sich der Vergangenheit zu stellen, noch vor Projekten wie den Jüdischen Museen von Frankfurt oder Berlin. Bereits 1978 war beklagt worden, dass zwar überregionale Publikationen zur Verfolgung unter dem nationalsozialistischen Regime, lokal und regional aber keine Informationen vorlägen. 1979 förderte die kontrovers diskutierte TV-Serie »Holocaust« das Interesse am Thema.
Forschen vom Punkt Null
Eine 1982 zur Vorbereitung der Ausstellung eingesetzte Arbeitsgruppe musste weitgehend am Punkt Null beginnen. Gleichwohl ist es gelungen, Materialien zur Emanzipationszeit im 19. Jahrhundert, baulichen Zeugnissen, den inneren Verhältnissen der jüdischen Gemeinde, der weitgehenden Integration und der zunehmenden Verfolgung seit 1933 sowie zu Vertreibung und Vernichtung zusammenzutragen.
Mit dieser Ausstellung informiert das Haus Wolfsthalplatz bis heute an zwei Öffnungszeiten in der Woche, periodischen Öffnungen an Sonntag und an vereinbarten Terminen jährlich rund 4000 Besucher.
Einsatz für Toleranz
Das Museum am Wolfsthalplatz ist Kristallisationspunkt für Aktionen, mit denen der Förderkreis Haus Wolfsthalplatz zu weiteren Forschungen und zum Einsatz für Toleranz beiträgt. Dabei geht der 1985 gegründete Verein über die jährlichen Gedenkfeiern auf dem Platz hinaus. Sie sind seit einigen Jahren mit Vorträgen zu Aspekten der Erinnerungskultur verbunden.
Am bevorstehenden 9. November spricht Dr. Werner Konitzer vom Fritz-Bauer-Institut Frankfurt über dieses Datum als Erinnerungstag der Deutschen. Der Verein hat sich unter anderem in den bundesweiten Aktionen »Gesicht zeigen« und »Stolpersteine«, im Protest gegen Neo-Nazi-Aufmärsche in Aschaffenburg sowie in der Aufarbeitung lokaler Kriegsendzeitverbrechen , engagiert. Peter Körner

Das Jüdische Museum am Wolfsthalplatz informiert seit 25 Jahren über die Geschichte der Juden in Aschaffenburg und ihre Verfolgung und Vernichtung von 1933 bis 1942. Es ist im früheren jüdischen Schul- und Rabbinerwohnhaus von 1898 untergebracht. Der Platanenhain auf dem Platz der zerstörten Synagoge und der Brunnen »Zeitwagen« ergänzen das Ensemble. Foto: Peter Rogowsk





































