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03.09.2009 00:00 Uhr 0 Kommentare

"Die Familie ist ein starkes Korrektiv"

Norbert Geis Konservativ, umstritten und dennoch für die CSU ein sicherer Kandidat für den Bundestag

Aschaffenburg Norbert Geis hat seinen Wahlspruch klug gewählt. "Zukunft braucht Erfahrung", lautet er. Norbert Geis hat Erfahrung: Als 32-Jähriger wurde er Bürgermeister seines Heimatortes Kleinkahl-Edelbach, mit 42 zog er in den Landtag und mit 48 in den Bundestag. Heute ist er 70 und fühlt sich nicht verpflichtet, einem Jüngeren Platz zu machen.
\"Die Familie ist ein starkes Korrektiv\"
Festes Schuhwerk braucht Norbert Geis auf seinen Bergtouren. Doch auch auf politischem Parkett zeigt sich der CSU-Bundestagskandidat gerne standhaft. Harald Schreiber
Die Jugend seiner Partei nimmt ihm das nicht übel. "Weil wir wissen, was wir an Norbert Geis haben", sagt etwa der 18-Jährige Patrick Haschke, der sich in der Jungen Union in Laufach engagiert. Was sie an ihm haben: Vor allem einen Kandidaten, der in der Bundestagswahl vor vier Jahren 52,4 Prozent der Direktstimmen für die CSU eingefahren hat.

Sie haben auch einen streitfreudigen Mann; einen, der die Diskussion immer wieder sucht. "Ich glaube, es ist in der Politik nicht verkehrt, wenn man einen Standpunkt vertritt", sagt Geis dazu. "Wenn man nicht immer nur nach Political Correctness schaut, sondern auch eine scharfe Klinge zu führen weiß." Derzeit führt der redegewandte Rechtsanwalt diese Klinge in der Diskussion um Homosexualität. Zuletzt argumentierte er scharf dagegen, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen.

"Ich sage nichts gegen diese Lebensweise", stellt er klar, "ich respektiere diese Leute". Aber er wehre sich gegen jede Tendenz, die versuche, homosexuelle Lebensgemeinschaften der Ehe gleichzusetzen. Warum? "Weil ich die Ehe für eine elementare Voraussetzung einer funktionierenden Gesellschaft halte."

"Ich bin im Grunde kein streitbarer Mensch."
Norbert Geis

Bei aller Kontroverse legt Norbert Geis Wert darauf, dass abseits vom Rednerpult keine bleibenden Gegnerschaften entstehen. "Ich akzeptiere, wenn jemand eine andere politische Auffassung hat", so Geis. "Aber der Gegner muss auch akzeptieren, dass ich mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln seinen Standpunkt auseinander nehme." Schließlich geht es Geis um die Demokratie: "Widersprechen ist mein Auftrag", sagt er. Missverstanden fühlt sich Geis nicht, im Gegenteil: "Ich weiß, dass die Medien gerne harte Formulierungen aufnehmen", erklärt er. "Ein bisschen nütze ich das, um überhaupt wahrgenommen zu werden."

Abseits dieser Polemik füllt der CSU-Kandidat seinen Wahlkampf mit anderen Themen. Sein zentrales Anliegen für die Region Aschaffenburg ist "nach wie vor der Straßenbau": Per ICE-Schnelltrasse oder über die Autobahn gut angebunden, könne der örtliche Mittelstand auf neue Trümpfe setzen; auf Erforschung und Umsetzung neuer Technologien in den Bereichen Energiegewinnung und nachwachsende Rohstoffe etwa.

Die größte Herausforderung für den neuen Bundestag sieht Geis im demografischen Wandel: Weil der neue wirtschaftliche Probleme auslösen werde, fordert Geis Innovationen und im Vorfeld davon "Bildung, Bildung, Bildung". Auch auf Mehrgenerationenhäuser und auf "Zuwanderung, die wir brauchen" setzt er - allerdings nicht ohne verstärkte Integration.

Vor allem aber liegt ihm die Stärkung der Familie am Herzen. Die könne viele Formen annehmen: Ein höheres Erziehungsgeld, Baukindergeld, Kinderfreibeträge von bis zu 8000 Euro. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, möchte Geis zweigleisig fahren: Krippen ausbauen und zugleich die Möglichkeit der häuslichen Berufsausübung stärken.

Die Familie, deren Wert er so hoch hält, spielt auch privat eine große Rolle für Geis. Vier Kinder hat er mit seiner Frau Anneliese großgezogen, vier Enkel haben sie schon, die jüngste Tochter ist gerade zwanzig Jahre alt. Nicht nur Rückzugsraum, sondern auch "ein starkes Korrektiv" sei diese Familie: "Da kriege ich oft genug gesagt, dass ich da und dort überziehe", gesteht Geis, "und mir ist dieser Widerspruch sehr recht." Manchmal fürchte er gar, sich zu sehr danach zu richten. "Das hängt damit zusammen, dass ich im Grunde kein streitbarer Mensch bin", meint Geis. "Ich bin sehr froh, wenn in meiner Umgebung ein gewisses gegenseitiges Verständnis herrscht."

Warum also sucht er nicht endgültig den Rückzug ins Private, in den Ruhestand? "Weil ich die Sehnsucht danach noch nicht empfinde." Und doch: Die Wanderschuhe, die er zum Fototermin mitgebracht hat, stehen für einen Traum: Geis möchte den Monte Rosa im Schweizer Wallis bezwingen. Früher oder später wird Norbert Geis sicherlich auf der Spitze dieses Viertausenders stehen: Niederlagen sind nicht sein Stil. Moni Münch



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