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31.03.2012 00:00 Uhr 0 Kommentare

Streben zum Licht

Kirche: Kunst zur Passionszeit - Helmut Massenkeils Installation in der Stiftskirche

Aschaffenburg Die Vormittagssonne bricht durch die Kirchenfenster in den Altarraum der Stiftsbasilika. Das Licht erhellt einen Teil der Installation, die der Aschaffenburger Kulturpreisträger Helmut Massenkeil für das über 1000 Jahre alte Gotteshaus geschaffen hat. Wie ein Fischschwarm scheinen die über 30 spitz zulaufenden Keramikkörper zum Hochaltar zu streben.

Kunst zur Passionszeit: Kulturpreisträger Helmut Massenkeil (links) und Stiftspfarrer Martin Heim vor der Installation des Bildhauers im Altarraum der Stiftskirche. Foto: Björn Friedrich
Das Zentrum des Werks, das auf zwei zum Quadrat angeordneten Edelstahlplatten ruht, bildet eine runde, mit Asche gefüllte Keramikschale.
»Kunst in der Passionszeit« nennt Stiftspfarrer Martin Heim das Projekt, das zeitgenössische Kunst in die Stiftskirche holt. »Die Kirche ist schon immer ein Raum für Kunst gewesen.« Davon zeugen die zahlreichen Arbeiten in dem Gotteshaus aus allen Epochen seit dem frühen Mittelalter. In der Stiftskirche finden sich Werke vom ottonischen Kruzifix über Gemälde von Grünewald und der Cranach-Schule bis zu Altar und Tabernakel aus dem 20. Jahrhundert.
Massenkeils Installation vor dem Altarraum ist temporär und soll - so die derzeitige Planung - am Karsamstag dem üblichen Osterschmuck der Stiftskirche weichen. Die Arbeit rege die Kirchenbesucher zur Auseinandersetzung mit den Themen der Passionszeit an, ist der Pfarrer überzeugt. Auch in seinen Predigten ist Heim schon auf die Arbeit des Bildhauers eingegangen.
Die markanten spindelartigen Keramikgebilde sowie die Edelstahlplatten gehören schon seit längerem zu Massenkeils künstlerischem Formenkanon. Viele Aschaffenburger kennen die markanten Formen von der Wandinstallation an der Rückseite der Sparkassen-Hauptstelle am Wolfsthalplatz, wo sie den Fluss des Geldes und der Wirtschaft versinnbildlichen.
Neue Bedeutung
In einer neuen Umgebung wie der Stiftskirche erhalten Massenkeils formale Grundbausteine eine ganz andere Bedeutungsebene. Bewusst zitiert der Bildhauer die kirchliche Symbolsprache: Die Gebilde aus gebrannter Keramik lassen sich als Fische deuten, ein zutiefst religiöses Motiv. Die Asche in der Schale aus der Werkstatt von Massenkeils Lebensgefährtin Andrea Müller ist sowohl Symbol für die Schöpfung als auch für die irdische Vergänglichkeit. Das Gesamtarrangement indes verweist auf einen fließenden Prozess und damit auf die Auferstehung. »Die Fließrichtung ist klar zum Altar ausgerichtet«, sagt Massenkeil.
Mit seiner Ästhetik setzt Massenkeil auf Offenheit, was durchaus im Sinne des Pfarrers ist. Eine Konkretisierung - und sei es nur durch einen Titel - würde einengen. Die Abstraktheit des Werks eröffnet den Betrachtern einen größtmöglichen Deutungsspielraum.
Schon häufiger hat Massenkeil in Kirchenräumen ausgestellt. Zuletzt waren seine Werke gemeinsam mit Arbeiten von Andrea Müller in einer großen Werkschau in der Jesuitenkirche zu sehen. Weniger Glück hatte er 1991 mit einer Installation in der Obernauer Kapelle. Damals wurde sein Werk noch vor der Vollendung immer wieder von Unbekannten zerstört. Die Motive der Täter sind Massenkeil bis heute unbekannt: »Die haben vielleicht befürchtet, es handelt sich um die Relikte einer okkulten Messe«, sagt er heute. Alexander Bruchlos
Bis Karsamstag in der Stiftskirche. Am Sonntag eröffnen Helmut Massenkeil und Andrea Müller in der Werkstattgalerie in der Stiftsgasse die Ausstellung »Fokus: Zeichnung«. Vernissage 15 Uhr.

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