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13.03.2010 00:00 Uhr 0 Kommentare

Mit Gott auf Du und Du

Jugend: In der Schweinheimer Pfarrei Sankt Gertrud sorgt das »Projekt Jugendkirche« für frische Glaubens-Impulse

Aschaffenburg  . In Schweinheim ist Kirche ein ganzes Stück bunter als anderswo. Wer in die katholische Pfarrkirche Sankt Gertrud kommt, kann das sogar sehen: Dort nämlich hat das Team vom »Projekt Jugendkirche« das Kirchengebäude mit weißen Ytong-Steinen nachgebaut.

Mit ihrem »Projekt Jugendkirche« machen sie St. Gertrud bunter: Martina Deitz, Sabrina Brehm, Angela Desiderio, David Seifried, Matthias Tübel, Sarah Hartmann, Sebastian Seifried, Anna Gerlach, Sabrina Dobrick und Kerstin Koch (von links). Foto: Christine Blume-Esterer
Jedes Mal, wenn die jungen Leute eine Aktion für Kinder und Jugendliche auf die Beine gestellt haben, malen sie einen der Steine an - und bald wird kein weißer mehr übrig sein.
Nachwuchssorgen hat die kirchliche Jugendarbeit in Schweinheim nicht. Rund 100 Kinder zwischen 8 und 16 Jahren besuchen 14 verschiedene Gruppenstunden; gut 50 junge Leute engagieren sich im Sachausschuss Jugend und sind auf unterschiedliche Weise als Ehrenamtliche in die Jugendarbeit eingebunden.
Ausgezeichnete spirituelle Impulse
Eine Untergruppe vom Sachausschuss ist das »Projekt Jugendkirche«. Dahinter stecken zehn Aktive, die in der Jugendarbeit für spirituelle Impulse sorgen - mit Gottesdiensten, Andachten, Fahrten und Aktionen. Im Dezember hat der Stadtjugendring die Gruppe dafür mit dem Jugendleiterpreis ausgezeichnet.
»So wie sie normalerweise läuft, ist Kirche für viele Kinder und Jugendliche uninteressant«, erklärt der 24-jährige Sebastian Seifried, welcher Gedanke im November 2005 hinter der Gründung des Projektteams stand. Erreichen wolle das Projekt Jugendkirche Kinder und Jugendliche ab der dritten Klasse. »Denn die Kommunionvorbereitung finden viele noch gut, aber danach kommt ein Loch«, sagt Kerstin Koch. »Und zur Firmung gehen viele schon nicht mehr«.
Damit die Schweinheimer Kinder gar nicht erst in dieses Loch fallen, gestaltet das »Projekt Jugendkirche« regelmäßige Aktionen. Pilgerwanderungen und Themenfahrten gehören zu den Höhepunkten, Jugendgottesdienste und Meditationsstunden zum immer wiederkehrenden Angebot. Dass es in Aschaffenburg keine »richtige« Jugendkirche gibt, obwohl das Bistum schon vor einiger Zeit in Aussicht gestellt hat, eine örtliche Kirche umzugestalten (Siehe Interview »Es gibt Pläne für eine Jugendkirche in Aschaffenburg«), bremst den Elan der jungen Christen dabei nicht.
Wichtig ist den Aktiven vom Projekt Jugendkirche, dass sie immer auch einen spirituellen Aspekt anbieten, um Kindern und Jugendlichen einen Weg zum Glauben und zu Gott aufzuzeigen. »Dafür müssen sie ja nicht unbedingt am Sonntag in die Kirche kommen,« erklärt Sabrina Dobrick. Das Projekt Jugendkirche wolle vielmehr alternative Wege finden. »Denn einige von uns haben ja im Team angefangen, weil sie selbst einen schweren Zugang zu Gott hatten«, ergänzt Sebastian Seifried.
Auch wenn sie manches anders angehen als die Amtskirche: Die Werte des christlichen Glaubens zählen im Projekt Jugendkirche ungebrochen. »Dinge wie Freundschaft und Liebe sind uns allen sehr wichtig«, sagt Kerstin Koch. Worauf sie achten müssen, damit diese Werte tatsächlich bei anderen jungen Leuten ankommen, wissen Kerstin Koch und ihre Mitstreiter. Denn zum Auftakt hatte die Gruppe vor fünf Jahren Kinder und Jugendliche aus der Gemeinde befragt, was sie an der Kirche stört: »Zu früh, zu lang, zu langweilig, zu schwierige Texte, zu altmodische Lieder«, nennt Matthias Tübel einige der Kritikpunkte, die da genannt wurden.
Ob sie sich auch selbst hin und wieder an der Amtskirche reiben, beantwortet die 20-jährige Anna Gerlach denn auch ohne lange nachzudenken. »Mit Sicherheit«, sagt sie, »sonst würden wir das hier ja gar nicht machen.«

Moni Münch

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