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13.03.2010 00:00 Uhr 0 Kommentare

Nur für Suchende und religiöse Eltern?

Kirche: Katholische Büchereien wünschen sich mehr Wertschätzung - Podiumsdiskussion im Martinushaus

Aschaffenburg  »Wer liest denn schon ein Papstbuch?« In der katholischen Bücherei Haibach-Dörrmorsbach offenbar keiner: Dort hat die Büchereileiterin zwei Werke von Johannes Paul II. aus Platzgründen wieder aus dem Regal genommen, weil sie kein einziges Mal ausgeliehen wurden.

»Wer liest denn schon ein Papst-Buch?« Über das angeblich angestaubte Image der katholischen Pfarrbüchereien diskutierten im Martinushaus (von links) Annegret Boros, Buchhändlerin, Karl-Peter Büttner, Leiter der Fachstelle für kirchliche Büchereiarbeit im Bistum Würzburg, Manfred Ullrich, ehrenamtlicher Büchereileiter in Mömbris, Petra Reuter-Bulach, Leiterin der Aschaffenburger Stadtbücherei, sowie Dr. Erich Jooß, Direktor des Sankt Michaelbunds in München.

Foto: Harald Schreiber

Dass die 38 kirchlichen Büchereien - 9 in der Stadt und 29 im Kreis Aschaffenburg - ein wichtiges Scharnier zwischen Gesellschaft und Kirche sind, zeigte sich am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion im Martinushaus. Dekan Stefan-B. Eirich leitete die Diskussion über das angeblich angestaubte Image der Einrichtungen.
»Das Angebot ist gefragt«
»Das Angebot ist gefragt«, verteidigte Karl-Peter Büttner, Leiter der Fachstelle für kirchliche Büchereiarbeit im Bistum Würzburg, die meist katholischen Pfarrbüchereien vor rund 100 Zuhörern. Die steigende Zahl der Ausleihen im Bistum spreche für sich.
Im vergangenen Jahr liehen sich 15 462 Leser von Alzenau über Heimbuchenthal und Johannesberg bis Wenigumstadt rund 230 000 Medien aus. 411 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgten für Bestandserneuerung, Pflege und Ausleihe der insgesamt 171 000 Bücher, Hörbücher und Spiele. Finanziert werden die Büchereien aus Mitteln der Diözese Würzburg, staatlichen Geldern und aus eigenen Erlösen.
Offene Begegnungsstätten
Büchereien sollten soziale, offene Begegnungsstätten sein, die von engagierten Mitarbeitern betrieben werden und den Lesern den Geschmack auch für religiöse Literatur wecken, wünschte sich Dr. Erich Jooß. Er leitet das katholische Medienhaus St. Michaelsbund in München, das 1200 Büchereien in Bayern betreut.
Eltern, die ihre Kinder religiös erziehen wollen, und Erwachsene, die den Sinn des Lebens suchen, bilden den Schwerpunkt der Leser, schilderte Michael Ullrich, Leiter der Bücherei Mömbris. Das sei in der Aschaffenburger Stadtbibliothek ähnlich, bekräftigte deren Leiterin Petra Reuter-Bulach. »Religiöse Inhalte müssen aber auch kritisch sein, nicht nur rein katholisch«, forderte Ullrich. »Die Leute lesen kein theologisches Hardcorebuch«, sagte auch Büttner. »Jedes Buch kann religiös sein, ohne als solches auf den ersten Blick erkennbar zu sein.«
Immerhin stelle in ihrer Buchhandlung das religiöse Buch das viertstärkste Segment dar - noch vor den Kinderbüchern, erklärte Annegret Boros von der Buchhandlung Pfeiffer. Sie plädierte für eine individuelle Handschrift in jeder der kirchlichen Büchereien. »Entwickeln Sie Ihr eigenes Leitbild, abgestimmt auf Ihre Vorstellungen und die Ihrer Leser.«
Staat halbiert Zuschüsse
Die Wertschätzung von oben ist es, die Sigrid Sauer von der Stadtarbeitsgemeinschaft vermisste. »Wie sieht unsere Zukunft aus?«, fragte sie mit Blick auf knappe Etats in den Bistümern und eine Reduzierung der staatlichen Zuschüsse um 50 Prozent. Die Bischöfe schätzten die Arbeit der Büchereien durchaus, stellte Büttner klar. Auch die Haushaltsmittel seien im Bistum Würzburg nicht gekürzt worden.
»Bringen Sie sich in Ihrer Gemeinde ins Gespräch, arbeiten Sie in anderen Gremien mit, kämpfen Sie für Ihre Bücherei«, forderte Jooß die Mitarbeiter auf. Dem widersprach Ullrich: Noch mehr Engagement sei von den Ehrenamtlichen nicht zu leisten. Sie fühlten sich oft genug im Stich gelassen und müssten sich durch viel Eigeninitiative mitfinanzieren.
Cornelia Müller

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