
Gemeinsam gegen die Angst: Christen, Muslime und Bahai, Integrationsbeauftragte der Stadt, ein Polizist und ein Stadtrat haben sich im Martinushaus über die Moscheebaupläne des Islamischen Arbeitervereins unterhalten. Der Interreligiöse Gesprächskreis Aschaffenburg trifft sich seit fünf Jahren in wechselnder Besetzung. Foto: Stefan Gregor
Mohammed El Ouaamari, Moscheebau-Initiator des Islamischen Arbeitervereins (Mitglieder vorwiegend marokkanischer Herkunft), sagte: »Der Stadtrat hat eine gute Entscheidung getroffen, jetzt sind wir dran zu beweisen, dass die Ängste vor dem Moscheebau unbegründet sind.« Das Minarett (9,50 Meter hoch) sei nicht Machtdemonstration, sondern Teil der Architektur. Mehrere Mitglieder des Kreises äußerten sich entsetzt über den »Wortkrieg« gegen die Muslime in der Debatte. »Ich schäme mich für meine Mitchristen, die es nicht besser wissen«, sagte die katholische Theologin Ursula Silber. Religionslehrer Peter Spielmann fügte an: »Es gibt aber auch nichtwissende Muslime, was den christlichen Glauben angeht.«
Lautenschläger betonte, dass die Muslime die Pfarreien Schweinheims in ihre Bemühungen um ein Miteinander einbeziehen sollten. Sie schlug vor, den Gesprächskreis ins Pfarrheim zu verlegen und bat die Muslime, ihre Frauen mitzubringen. Die Ideen reichten von Moscheebesuchen mit Schulklassen über die Mitarbeit an der architektonischen Gestaltung der Moschee bis zum gemeinsamem Straßenfest auf »neutralem« Boden. Eine Bahai sagte: »Die Menschen müssen sich eingeladen fühlen mitzudenken.«
Zum Moscheebau sagte ein katholischer Rentner: »Es ist wichtig, dass wir diese kleine Blume, die aus dem Schnee ragt, pflegen und vor Angriffen schützen.« Er erinnerte an die Schweineblut-Attacke auf die Milli-Görü_-Gebetsräume in Elsenfeld im Oktober. Michael Auer, Ansprechpartner für Moscheevereine der Polizei Würzburg, sagte dazu, der Anschlag habe nicht der Moschee gegolten, sondern sei Auswuchs eines Streits deutscher und türkischer Jugendlicher gewesen.
Stadtrat Robert Löwer (CSU), der entgegen der Mehrheit der CSU-Fraktion für den Moscheebau gestimmt hatte und dafür auch anonyme E-Mails mit aggressiven Formulierungen erhielt, nahm die Moscheegegner seiner Fraktion in Schutz. Es sei in der Fraktion nicht in hetzerischer Sprache diskutiert worden. Allerdings räumte er ein, dass viele Mitglieder der CSU-Fraktion das Gefühl gehabt hätten, dass nicht ein Aschaffenburger den Bauantrag gestellt habe, sondern jemand aus einem fremden Land.
Nesat Polat, Religionsbeauftragter der türkischen Ditib-Gemeinde, betonte, »wir werden unseren Teil dazu beitragen, dass die Moschee gebaut wird«. In Richtung aller Bürger sagte er: »Die Moschee gehört allen, uns genauso wie euch. Ich spreche jetzt im Namen der Muslime, da gibt es keinen Unterschied zwischen Marokkanern und Türken.« Einen Unterschied gibt es aber in der Architektur. Während in der Türkei runde Türme osmanischen Stils das Bild prägen, bauen die Marokkaner eckig. Dass das Aschaffenburger Minarett einen quadratischen Grundriss hat, erstaunte die Ditib-Leute. Imam Ahmet Ali Kurt fragte, ob das von der Stadt diktiert worden sei, was El Ouaamari verneinte. Der Imam plädierte dafür, den Baustil der Türkei zu übernehmen. Eine Bahai-Vertreterin lehnte dies ab: »So schön die Blaue Moschee ist, sie wird unserem Stil nicht gerecht.« Als Vorbild wurde stattdessen die Penzberger Moschee genannt.
Die konstruktive Stimmung kippte, als Gabriele Lautenschläger die Forderung der deutschen Bischöfe weitergab, die Muslime sollten sich für den Schutz der Freiheitsrechte christlicher Minderheiten in islamischen Ländern einsetzen. El Ouaamari nannte dies eine Unterstellung. Auch bei der Ditib regte sich Unmut. Lautenschläger beharrte aber: »Es zu leugnen, damit werden Sie viel Vertrauen verlieren.«
Sonja Maurer de Aguirre






































