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07.12.2009 00:00 Uhr 0 Kommentare

Über den Beruf zur Hochschulreife

Bildung: Kultusminister Spaenle erläutert Reformpläne der Staatsregierung beim Schulforum in Aschaffenburg

Aschaffenburg  »Teilhabegerechtigkeit« soll die Bildungschancen der Schüler von ihrer sozialen Herkunft lösen: Das hat Kultusminister Ludwig Spaenle in Aschaffenburg als Ziel der CSU bezeichnet. Trotz des Nachholbedarfs in Bayern - die berufsorientierte Bildung sei hier bereits fortgeschritten: Er verwies auf den Angebotskatalog, der es Schülern mit Haupt- und Realschulabschluss ermögliche, zur Hochschulreife zu gelangen.
Spaenle sprach beim Schulforum »Berufsorientierte Bildung« am Freitagabend in der Berufsschule I vor einem Fachpublikum aus Bürgermeistern, Schulleitungen, Eltern- und Schülervertretungen. Nur kurz riss er daher die Angebote an, die Schülern mit mittleren Abschlüssen oder mit Berufsausbildung den Weg an die Hochschulen ebnen, etwa die Fach- und Berufsoberschulen.
Regierung will nachlegen
Zudem wolle die Koalition von CSU und FDP in München hier noch nachlegen. Spaenle sprach von der »zweiten Berufsbildungsebene«. Meisterbriefe oder vergleichbare Bildungsnachweise sollen künftig die allgemeine Hochschulreife einschließen.
Den Berufsschulleitern bescheinigte Spaenle Engagement und Organisationstalent. Nötig mache das die ständigen Differenzierung der Berufsbilder und der Kooperation der Berufsschulen mit anderen Schularten.
Möglichst viele dieser Einrichtungen an einem Standort zu bündeln, um die Kooperation zu erleichtern und die »vertikale Durchlässigkeit« von unten nach oben zu verbessern, dieses Ziel sei in Aschaffenburg weitgehend verwirklicht, sagte der Kultusminister auf eine Anregung des Leiters der Berufsschule II, Ferdinand Klinger. Keine Hoffnung machte Spaenle den Schulleitern, dass der Organisationsaufwand mit zusätzlichen Planstellen in der Verwaltung aufgefangen werde.
Schwerpunkt Mittelschule
Dabei wird der Aufwand mit der Hauptschulreform wachsen, das ließen Diskussionsbeiträge von Bürgermeistern wie Markus Grimm (Waldaschaff) oder Reiner Pistner (Schöllkrippen) erkennen.
Die Mittelschulen waren der Schwerpunkt des Forums in Aschaffenburg. Die Entwicklung der Hauptschulen sei keinem Zeitdruck unterworfen, so Spaenle. In Dialogrunden sollten Kommunen und Schulen Verbundlösungen suchen. Gelinge ihnen das zum kommenden Schuljahr, könnten sie damit beginnen.
Wer mehr Zeit brauche, könne sie sich nehmen - eine Frist gebe es nicht. Gleichwohl sei die Reform unabdingbar, um möglichst viele der 970 Hauptschulstandorte in Bayern zu erhalten und den Schülern wohnortnah die Möglichkeit zum mittleren Schulabschluss zu bieten.
Dass größere Schulverbünde den Bedarf an Schülerbeförderung wachsen lassen, darauf verwies Pistner. Er ist Vorsitzender des Schulverbands Schöllkrippen, der schon heute 13 Standorte umfasst. An den Zuschüssen zur Schülerbeförderung werde sich nichts ändern, versicherte Spaenle. Eine Absage erteilte er dagegen dem Vorstoß Pistners und Grimms, wonach der Landkreis den Kommunen die Trägerschaft für Mittelschulen abnehmen sollte - wie das bei den Realschulen der Fall sei.
Grundschulen und Gymnasien
Kurz streiften Spaenle und die Diskussion auch andere Schularten.
• An den hohen Richtzahlen für Klassenstärken an der Grundschule will Spaenle nicht rütteln - auch wenn Klassen mit 29 oder 30 Schülern wie in Aschaffenburg-Nilkheim die Ausnahme seien. Im Gegenteil: Der Kultusminister stellte das Ziel, die Klassenstärke bis 2013 auf 25 zu senken, wegen der Steuerausfälle in Frage.
• Die Förderschulen wolle die CSU erhalten - trotz des Modellversuchs jahrgangsgemischter Eingangsklassen an Grundschulen, die je nach Eignung der Schüler in einem, zwei oder drei Jahren durchlaufen werden können. Dass die Auslese damit in der ersten Klasse beginne, wies Spaenle zurück.
• Eine erneute Nachbesserung des achtjährigen Gymnasiums soll die Belastung der Schüler in der neuen Oberstufe senken. In »Talentklassen« an den Realschulen können begabte Schüler einen Jahrgang überspringen.
• Die privaten Montessori- und Steinerschulen bleiben bei der Förderung schlechter gestellt, weil ihre Konzepte zu weit vom staatlichen abwichen. Die Kooperation mit privaten Wirtschaftsschulen werde verbessert.

Peter Freudenberger

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