Das mag stimmen. Was aber, wenn sich der stellvertretende JU-Vorsitzende, Felix Scholtysik, selbst in einem Forum äußert, das sich »Politisch Inkorrekt« (PI) nennt?
Nach der CSU-Veranstaltung mit dem bayerischen Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer in Aschaffenburg beteiligte er sich an der PI-Diskussion. Er stellte eine Äußerung klar, die ihm zugeschrieben wurde, erklärte, versehen mit einem Smiley, dass er die Forumsbeiträge »seit Jahren täglich lese«, nannte das Main-Echo »eine linke Postille, welche am liebsten an jeder Straßenecke eine zweite Hagia Sofia hätte« und bedauerte, »wie weit sich die Führungselite der CSU vom Volk bereits entfernt hat«.
Scholtysiks Wortwahl ist moderat. Andere Diskussionsteilnehmer sind es weniger. Politiker, die auf Integration oder Dialog bedacht sind, werden »Volkszertreter«, »Volksverräter«, »politische Selbstbefriediger«, »Linksgrüne« oder »verblödete linke Dressurelite« genannt. Als »linke Postille« kommt das Main-Echo noch ähnlich gut weg wie die »Welt«, die bei PI als »grün-liberal« gilt. Medien, die sich seriös um Aufklärung bemühen, heißen auch schon mal »linksideologisch ausgehärtete deutsche Arschlochpresse«.
»Juveniles Ventil«
Lesen Sie auch zum Thema: Islam-Diskussion - Junge Union darf nicht in PfarrsaalScholtysik distanziert sich im Gespräch mit der Redaktion von diesen Äußerungen. Sie seien »Schwachsinn« und allenfalls »juveniles Ventil von Frust«. Aus seiner Sicht handelt es sich bei PI um ein »heterogenes Forum, dessen Spektrum von rechts bis links reiche. Gemeinsam sei ihnen nur das Thema: die Ablehnung des Islam. Seine eigenen Äußerungen gründe er auf Fakten.
Fakten für seine Äußerung, das Main-Echo wünsche sich »an jeder Ecke eine zweite Hagia Sofia«, nannte er nicht. Das sei ein »flapsiger Scherz« gewesen, ausgelöst durch die Unzufriedenheit der Aschaffenburger Jungen Union mit der Zeitung und durch die Ablehnung eines Leserbriefs.
Auch von seiner Äußerung, er lese die PI-News seit Jahren täglich, distanziert sich Scholtysik. Er schaue gelegentlich hinein, wie in viele andere Internetseiten auch. Das verlange sein Studium der Politikwissenschaften.
Zu seiner Kritik an der CSU-Führung steht er dagegen. Die CSU-Basis sei frustriert - unter anderem wegen der Haltung der Partei zum Islam. Unzufrieden sei die örtliche Basis auch mit Aschaffenburger CSU-Politikern, weil sie sich in der Frage des Moscheebaus zu keiner »eindeutigen Position« durchringen könnten, sondern sich auf das Baurecht zurückzögen.
Nachdrücklich distanziert sich Scholtysik von ausländerfeindlichem oder gar rechtsextremem Gedankengut. Er gehöre zwar der Bürgerbewegung »Pax Europa« an, die als rechtspopulistisch gilt, zahle aber nur Mitgliedsbeitrag. Zudem habe er den jetzt abgesagten Islam-Abend mit Mina Ahadi mitorganisiert - und die sei Kommunistin. Tatsächlich ist sie deshalb im PI-Forum als Bündnispartnerin gegen den Islam umstritten.
»Absolut integer«
Vorbehaltlos stellt sich der CSU-Vorsitzende Bausback hinter den JU-Vize: Scholtysik sei ein »aufrechter Demokrat«, von Äußerungen anderer Teilnehmer an Internetforen fürfe nicht auf ihn geschlossen werden. »Fleißig und absolut integer« nennt der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis den Aschaffenburger Nachwuchspolitiker.
Dass er, wie die Junge Union, den Bau von Moscheen mit Minarett in Aschaffenburg und andernorts ablehnt, habe inhaltliche Gründe, sagt Scholtysik. Erst müssten die islamischen Einwanderer ihre Haltung zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, zur Stellung der Frau oder zur Religionsfreiheit klären. Peter Freudenberger


































