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02.06.2012 00:00 Uhr 0 Kommentare

Schlecker geht, Tagespflege kommt

Seniorenpflege: Bessenbacher Caritas-Sozialstation eröffnet im Herbst Zweigstelle in ehemaliger Mespelbrunner Drogerie

Mespelbrunn Wo früher Körperpflegeprodukte verkauft wurden, sollen ab Herbst alte Menschen gepflegt werden: Der ehemalige Schlecker-Markt in der Mespelbrunner Hauptstraße wird derzeit zu einer Tagespflegestelle mit zwölf Plätzen umgebaut. Träger und Betreiber ist die Bessenbacher Caritas-Sozialstation St. Martin, die somit in Nachbarschaft des Rewe-Markts eine Zweigstelle eröffnet.

Probesitzen auf der Baustelle der neuen Mespelbrunner Sozialstation mit Tagespflege: Vermieter und Diakon Leo Stenger, Pflegedienstleiterin Sigrun Sahl, der künftige Einrichtungsleiter Günter Kreuzpaintner und Altenpfleger-Azubi Christopher Römlein. Fotos: Björn Friedrich
200 Quadratmeter plus Garten
Für 30. September ist die Eröffnung geplant, bis dahin wird die 200 Quadratmeter große, ehemalige Drogerie im Hochparterre des Wohnhauses umgestaltet: Es entstehen neben einem dominanten Aufenthaltsraum mit offener Küche ein Büro, zwei Bäder und ein Ruhebereich mit Liegen. Später soll noch ein 1500 Quadratmeter großer Garten hinter dem Haus seniorengerecht angelegt werden: mit Hochbeeten, Wegen und einem Pavillon. Der künftige Chef vor Ort und stellvertretende Pflegedienstleiter Günter Kreuzpaintner gerät schon ins Schwärmen: »Das wird wundervoll. Den alten Leuten geht das Herz auf, wenn sie hier ein bisschen Unkraut jäten und da ein paar Kräuter zupfen können.«
Eine »Fügung«
50 000 Euro gibt die Caritas für die Inneneinrichtung aus, den weitere 40 000 Euro teuren Umbau übernimmt der Vermieter: Leo Stenger aus Mespelbrunn. Der Berufsschullehrer ist Diakon in der Pfarreiengemeinschaft Bessenbach und spricht von einer »Herzensangelegenheit« und einer »Fügung«, dass er - der Seelsorger der Sozialstation in Bessenbach-Keilberg - als Hausbesitzer die »Expansion« der Einrichtung unterstützen kann.
Ein Zufall half: Als die angeschlagene Drogeriekette Schlecker ihre Mespelbrunner Filiale im vergangenen Herbst schloss und den Mietvertrag bei Stenger kündigte, hörte Stenger von entsprechenden Plänen der Sozialstation - und bot sofort seine Hilfe an. Pflegedienstleiterin Sigrun Stahl spricht nun von einem »extrem günstigen« Mietpreis. Keiner im Vorstand habe gezögert, das Angebot Stengers anzunehmen.
Eine Sozialstation mit Tagespflege mitten im Spessart ist, da sind sich alle einig, eine gute Sache: Wie überall macht sich auch hier der demografische Wandel negativ bemerkbar, der Bedarf an teilstationärer Pflege wächst. Immer mehr Leute werden immer älter, viele sind irgendwann auf Hilfe angewiesen. Doch die jungen Angehörigen haben der strukturschwachen Gegend entweder den Rücken gekehrt oder pendeln aus. Sie können ihre Eltern oder Großeltern tagsüber immer seltener pflegen. Gleichzeitig ist der dünn besiedelte, ländliche Raum für stationäre Pflegeheime wirtschaftlich uninteressant - solche Häuser gibt es mittlerweile geballt in und um Aschaffenburg, aber kaum im Spessart. Lediglich in Heimbuchenthal bietet das Haus »Sonnenblick« 26 Plätze.
12 Plätze, 26 Gäste
Die Folge: Pflegebedürftigen Senioren, die einer intensiveren Betreuung bedürfen als ambulante Pflege leisten kann, müssen entweder in ein Heim weit weg ziehen oder Angehörige geben ihre Arbeit zumindest teilweise auf. Oder die Senioren nehmen regelmäßig die lange Fahrt nach Keilberg in die Tagespflege der Sozialstation auf sich, im Moment tun das zum Beispiel schon fünf alte Menschen aus Dammbach, Mespelbrunn und Heimbuchenthal. Sie dürften mit anderen künftig in Mespelbrunn unterkommen: In der Sozialstation geht man davon aus, dass die zwölf Tagespflegeplätze von insgesamt 26 Patienten aus Mespelbrunn und Umgebung genutzt werden.
Standortfaktor Tagespflege
Das verschafft der Keilberger Station Luft: Dort gibt es aktuell 37 Gäste bei 15 Plätzen. Gleichzeitig hat man sich mit der nächsten Caritas-Sozialstation in Erlenbach im Kreis Miltenberg verständigt, in der Mespelbrunner Tagespflege auch Gäste aus Leidersbach, Volkersbrunn und Eschau aufzunehmen. Die mussten sich bislang auf den weiten Weg nach Erlenbach machen.
Es liegt auf der Hand, dass eine Tagespflege möglichst nah am Wohnort für alte, möglicherweise leicht verwirrte und im Dorf verwurzelte Menschen viele Vorteile hat. Sozialstations-Leiterin Sigrun Sahl kündigt an, auf Basis dieser Erkenntnis die neue Mespelbrunner Tagespflege zu öffnen und zu einem Begegnungsort zu machen: »Wenn drüben im Supermarkt die alte Bekannte gerade einkauft, soll sie gerne auf einen Plausch reinkommen.« Alles, was hilft, eine vollstationäre Pflege im Heim hinauszuzögern, ist gut.
Der künftige Leiter Günter Kreuzpaintner sagt: »Wir werden dafür sorgen, dass mehr Senioren in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.« Eine Tagespflege im Dorf sei heutzutage ein Standortfaktor. Bürgermeister Erich Schäfer widerspricht nicht: »Wir sind sehr froh über die Einrichtung.« Der Gemeinderat entscheide in seiner nächsten Sitzung über einen Zuschuss. Jens Raab
Informationen zu Plätzen und Kosten: www.sozialstation-bessenbach.de, Tel. 0 60 95 / 99 89 91

Oben und unten Wohnungen, in der Mitte Tagespflege: die Mespelbrunner Sozialstation.

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