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Bilderserie: Ralf Hettler
Matthias Gebhardt, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Aschaffenburg, bekam donnernden Beifall für seine Forderung, der Geschichte kämpfender Belegschaften am Untermain ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.
Rund 320 Menschen hatten sich nach Angaben des Betriebsrats gegen 14.30 Uhr vor dem ABB-Werk an der Borsigstraße auf den Weg gemacht. Hinter sich hatten sie, soweit sie zur ABB-Belegschaft gehörten, eine einstündige Betriebsversammlung, deren Verlauf nach Angaben von Teilnehmern nicht dazu angetan war, bestehende Ängste zu dämpfen. »Die Geschäftsleitung mauert«, berichtete ein junger ABB-Mitarbeiter. Weder gebe es belastbare Nachrichten über Ablauf und Zeitrahmen des beabsichtigten Personalabbaus noch ein Zeichen von Bereitschaft, der Forderung des Betriebsrats nach einem Aufschub nachzukommen.
Standort ausgezeichnet
Zeit gewinnen wollen die Arbeitnehmervertreter nach Worten der Betriebsratsvorsitzenden Susanne Nagel mit Hilfe der erweiterten Kurzarbeitsregelung. Von 24 möglichen Monaten seien erst sechs ausgeschöpft, so Nagel, die im Übrigen mit bitteren Worten an die erst im vergangenen April erfolgte Auszeichnung des ABB-Standorts Alzenau mit dem internationalen Dekra-Award für Qualitätsoptimierung erinnerte. Gerade die Alzenauer Beschäftigten hätten in den vergangenen Jahren mit hohem Engagement an einer verbesserten wirtschaftlichen Aufstellung des Standorts mitgewirkt. Weder vor noch nach der Ankündigung des Personalabbaus am 22. Oktober sei mit dem Alzenauer Betriebsrat über die Notwendigkeit weiterer Sparmaßnahmen gesprochen worden.Das regionale Moment betonten insbesondere Sprecher der Gewerkschaft. Martin Weiß von der IG Metall Frankfurt - die Hessen betreuen ABB, weil im Unternehmen Tarifbestimmungen aus dem Nachbarland gelten - begrüßte die hohe Beteiligung an der Demonstration als vielversprechenden Auftakt des Widerstands. ABB könne eine starke Präsenz in der Öffentlichkeit nicht ignorieren.
Wie auch der lokale Betriebsrat kritisierte Weiß, dass die Unternehmensleitung die in Alzenau vorhandene Mitarbeiterkompetenz in der Messtechnik nicht würdige, ja sogar noch 50 Fachleute vom Untermain bei der Produktionsverlagerung zu den Standorten Göttingen und Minden mitziehen wolle.
Ermutigung auch von Mahle
Die Chancen, bei ABB noch eine Wende herbeizuführen, bewertete der Frankfurter mit Blick auf lokal erstrittene Erfolge als günstig. Matthias Gebhardt erinnerte an die Kämpfe der Belegschaften von Mahle und Takata-Petri, ermutigt sahen sich die ABB-Kollegen auch von Mahle-Betriebsratschef Dieter Wissel.Die Solidarität der Stadt Alzenau sicherte der stellvertretende Bürgermeister Ralph Ritter zu. Ziel müsse sein, kurzfristige wirtschaftliche Probleme am Standort zu überbrücken und ABB in Alzenau dann langfristig zu sichern. Know-how-Verluste könne dem Unternehmen nur schaden.
Für die Alzenauer SPD forderte deren Stadtverbandschef Franz Walter eine gerechte Unternehmenspolitik ein: »Es wird Zeit, dass Manager auch an Misserfolgen beteiligt werden«.
Oliver Klemt /Foto: Karin Klemt







































