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30.07.2010 00:00 Uhr 0 Kommentare

Umweltradler loben die Solarstadt

Tour de Natur: 35 Teilnehmer informieren sich in Alzenau - Führung auf dem Sonnenrundweg - Besuch bei Schott

Alzenau  Spontaner Applaus für Alzenau: Die Stadt hat nicht nur den ältesten Solarparcours der Republik, sie setzt sich auch gegen den Ausbau des Kohlekraftwerks Staudinger ein. Das gefiel rund 35 Teilnehmern der diesjährigen »Tour de Natur«, die sich am Mittwoch auf dem Sonnenrundweg führen ließen.
Dr. Michael Neumann, Leiter der städtischen Umweltabteilung, und Johann Kugler, Vorsitzender des Solarvereins, hatten eine Menge zu erzählen. Zum Beispiel, dass die Sonnenstrom-Module an den 27 Parcours-Stationen theoretisch in der Lage wären, 30 Haushalte komplett mit Strom zu versorgen.
Die meisten der 1996 zum Ruhm der »Solarstadt« markierten Wegpunkte haben freilich vorwiegend demonstrative Aufgaben. Die Anlage auf dem Dach des Forstamtes an der Brentanostraße etwa ist mit 15 Jahren der lokale Veteran und deckt nach Worten Neumanns mit ihren 34 Kilowatt Spitzenleistung ein Drittel des Strombedarfs in dem Gebäude.
Mit Schott-Solar im Industriegebiet Nord lernten die Radler, die ihre Velos wohlweißlich auf dem Bauhof zurückgelassen hatten und den Solarpfad zu Fuß erkundeten, eine Solarzellenschmiede bei der Arbeit kennen. Neben angewandter Sonnen-Technologie bei einigen Firmen und Privathaushalten, intelligenten Installationen und Montagebeispielen kam auch die Holzhackschnitzel-Heizung am Spessart-Gymnasium zu Ehren.
In Biblis gestartet
Energiepolitik ist, neben der Landschaftszerstörung durch Straßenbau, tragendes Thema bei der diesjährigen Tour de Natur, die nicht zufällig bei Biblis startete. Der Protest gegen längere Laufzeiten für Atomkraftwerke stand dort im Vordergrund.
Die Initiatoren der Marathon-Fahrraddemo setzen sich für konsequente Orientierung auf erneuerbare Energiequellen ein, besuchen auf ihrer Reise entsprechende Projekte und machen mit Aktionen und Straßentheater auf ihre Anliegen aufmerksam. Nach Alzenau gelangt waren die Radler von Seligenstadt über Kahl und Karlstein, wo das im Abriss befindliche Versuchsatomkraftwerk Interesse fand.
Atomdorf und Wildpferde
Die Gruppe umfasste nach Angaben von Gerd Weibelzahl, der als Kapitän fungierte, etwa ein Drittel der seit Biblis zum Feld gestoßenen Teilnehmer. Die übrigen hatten sich für einen Ausflug von Seligenstadt nach Hanau entschieden, um sich das ehemalige »Atomdorf« in Wolfgang anzusehen und die Wildpferde auf dem ehemaligen Militärgelände Campo Pond zu besuchen. Auf ihrem Weg von Biblis nach Lichtenfels setzen die Radler, die dem Aufruf des Öko-Netzwerks Grüne Liga zur 20. Tour de Natur gefolgt sind, am Untermain einen Schwerpunkt. Schon am Dienstag traf die Gruppe aus Darmstadt kommend in Seligenstadt ein und nahm in der dortigen TGS-Turnhalle Quartier.
Für den Mittwochabend hatten die Bürgerinitiative Stopp Staudinger und der BUND zu Ehren der Gäste ein Rock-Konzert mit der Band »Poets Corner« organisiert.
Gestern ging es nach Zwischenstopps beim Großkrotzenburger Kraftwerk Staudinger und auf dem Marktplatz in Hanau, wo Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Gruppe empfing, weiter nach Gelnhausen. Am heutigen Freitag orientiert sich das Fahrerfeld über Bad Orb nach Altengronau, morgen wird wieder Kurs auf das Mainviereck gesetzt und Gemünden angesteuert. Dort thematisieren die Aktivisten die Idee einer Main-Spessart-Stadtbahn.
Über Leinach am Sonntag geht die Tour weiter nach Würzburg, wo am Montag und Dienstag wieder zwei Tage Aufenthalt mit Workshops und Aktionen eingeplant sind - diesmal zum Widerstand gegen die Würzburger Westumgehung. Bis zur Zieleinfahrt in Lichtenfels am 6. August sind Wiesentheid und Pettstadt bei Hirschfeld weitere Stationen. (Siehe auch Bericht auf Seite 21.)
kko

 
 
 
 
 

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