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13.03.2010 00:00 Uhr 0 Kommentare

1826 auf Sumpf gebaut, ab 1966 mit Aussicht

Durch Geiselbach (5): Die wechselvolle Geschichte der Schulhäuser - Wegen Einsturzgefahr wurden Schüler zeitweilig in Wirtshaus-Sälen unterrichtet

Geiselbach  . Der fünfte Teil unseres Rundgangs durch die Kahlgrundgemeinde Geiselbach widmet sich den Schulgebäuden. Wer sich in die historischen Aufzeichnungen vertieft, erlebt mehr als eine Überraschung, denn einige der früheren Gebäude ließen sehr zu wünschen übrig.

Das in Geiselbach 1966 eingeweihte Schulhaus wird seit einigen Monaten energetisch saniert. Zurzeit läuft der zweite Bauabschnitt, der im August abgeschlossen sein soll. Foto: Marion Stahl
Bereits um 1600 gab es eine Pfarrschule im Haus neben der Kirchentreppe. Dieses Schulhaus stand noch 1806, als der damalige Pfarrer Knapp berichtete, dass es »feucht und ungesund, um die Hälfte zu klein, elend und baufällig« sei.
Der Unterrichtsraum sei »so eng, dass die Kinder im Sommer wie Braten schwitzen und im Winter vor Feuchtigkeit und Kälte schnattern«.
Um 1800 gehörten Geiselbach, Omersbach und Hofstädten zum Amt Seligenstadt. Pfarrort war Geiselbach, Filialen waren Omersbach und Hofstädten sowie jeweils die Hälfte von Huckelheim und Oberwestern. In Geiselbach stand nicht nur die Mutterkirche, sondern auch die Mutterschule.
Die Filialorte hatten keine eigenen Schulhäuser, deshalb wurden die Kinder im Sommer in Geiselbach und im Winter in den Bauernstuben unterrichtet. Etwa 20 Jahre später beschlossen Geiselbach, Omersbach und Hofstädten (die Kinder aus Huckelheim und Oberwestern waren nicht mehr dabei), einen Neubau in der Kirchstraße, dort wo heute das Rathaus steht.
Lebensgefahr für 180 Schüler
Gebaut wurde das Schulhaus 1826/27, und gerade mal 15 Jahre später erfasste Pfarrer Gentil aus Alzenau das kalte Grausen, als er es betrat. In seinem Bericht an das Königliche Landgericht Alzenau, dem die drei Orte inzwischen unterstanden, schilderte er den gefährlichen Zustand des Hauses und dass er um das Leben der 180 Schülerinnen und Schüler bange.
Schon am nächsten Tag befand ein Gutachtergremium, bestehend aus 18 Personen vom Landrichter bis zum Maurermeister, dass das Gebäude auf sumpfigem Boden erbaut wurde. Es sei schlecht konstruiert und noch schlechter ausgeführt, das Fundament sei zu schwach und das Innere bestehe aus den schlechtesten Materialien. Deshalb müsse es durch ein neues und solides Gebäude ersetzt werden. Lediglich um die Zwischenzeit zu überbrücken, durfte das Schulhaus notdürftig repariert werden.
Ein Platz hinter dem Friedhof war für den Neubau schnell gefunden, und die Baupläne der Schulen aus Gunzenbach und Michelbach wurden zu Rate gezogen.
Die Regierung wollte den Neubau aber finanziell nicht unterstützen, deshalb geschah nichts. Zwei Jahre später wurde bei einer neuerlichen Besichtigung das Schulhaus in der Kirchstraße für einsturzgefährdet erklärt und geschlossen.
Nachdem sich der erste Schock gelegt hatte, stellten die Gemeindeväter fest, dass die Kinder in den Tanzlokalen der Gastwirte unterrichtet werden müssten. Deshalb gaben sie eine gründliche Hauptreparatur bei Werksmeister Paul aus Mömbris in Auftrag, der das Schulhaus 1847 neu fundamentierte und das Mauerwerk von Grund auf erneuerte.
Der Zweite Weltkrieg machte den neuerlichen Aktivitäten im Jahr 1939 einen Strich durch die Rechnung, obwohl bereits die Baugrube hinter dem Friedhof ausgehoben war.
Neubau 1962 beschlossen
So ging die Zeit ins Land. Erst 1962 beschlossen Bürgermeister Kilian Köbert und der Gemeinderat den längst fälligen Neubau.
Das Gelände auf der »Frohmolle«, dort wo heute das Schulhaus steht, wurde gekauft. Am 28. Oktober 1963 führte der örtliche Bauunternehmer Hermann Nees den ersten Spatenstich, am 31. Juli 1965 wurde Richtfest gefeiert und am 4. Juni 1966 wurde das neue Schulgebäude gesegnet.
Während das alte Schulhaus in der Kirchstraße zum Rathaus umfunktioniert wurde, stand das neue Schulgebäude »hoch über dem Dorf, mit einem herrlichen Ausblick von allen Klassenräumen«, wie in einem der älteren Heimatjahrbücher »Unser Kahlgrund« notiert ist. 1969 wurde es Teil des Schulverbands Krombach-Geiselbach, der, wie viele andere, im Zuge der großen bayerischen Schulreform gegründet wurde.
Dem Verband gehörten anfangs Krombach, Geiselbach, Mömbris (für den Ortsteil Dörnsteinbach) und Schöllkrippen (für den Ortsteil Hofstädten) an.
Heute nur noch Grundschulverband
Der erste Vorsitzende war der Geiselbacher Bürgermeister Kilian Köbert, und als Marianne Krohnen 1984 dessen Nachfolgerin wurde, wurde sie auch Schulverbandsvorsitzende. Dieses Amt übt sie bis heute aus, während der Schulverband nur noch aus Krombach und Geiselbach besteht und nach dem Wegfall der Teilhauptschule mit Wirkung zum 1. August 2007 - wegen der sinkenden Schülerzahlen gehen die Kinder jetzt in die Hauptschule Schöllkrippen - nur noch ein Grundschulverband ist.
Seit einigen Monaten wird das Gebäude, in dem es auch ein Schwimmbad gibt, energetisch saniert. Zurzeit ist der zweite Bauabschnitt in vollem Gange.
Marion Stahl

Von 1827 bis 1966 diente dieses Gebäude in der Kirchstraße, vor dem sich die Schulkinder zum Foto aufgestellt haben, als Schulhaus. Nach dem Bau des neuen Schulhauses auf der »Frohmolle« war darin das Rathaus untergebracht, bis es 1982 abgerissen wurde, um Platz zu machen für das heutige Rathaus. Im Hintergrund sieht man die alte Pfarrscheune, an deren Stelle heute das Pfarrheim steht. Foto: Gemeindearchiv


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