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04.09.2010 00:00 Uhr 0 Kommentare

Kabinettssitzungen bald in Künasts Gewächshaus?

Hauptstadtspitzen: Schwarz-grüne Gärtnerinnen aus Leidenschaft - Intime Details mit Fleischsalat und Marmelade

Berlin  Von Torsten Henke
In ihrem Bemühen, Sympathiepunkte zu sammeln und wie »normale Menschen« rüberzukommen, rutschen Politiker bisweilen ziemlich ins Banale ab. So wie Hessens neuer Ministerpräsident Volker Bouffier, der mit allen Stimmen der schwarz-gelben Koalition zu Roland Kochs Nachfolger gewählt wurde und somit einen Traumstart hinlegte. Jetzt verriet er, dass morgens im Bad bei ihm »jeder Handgriff sitzt«. Wie interessant! Noch bahnbrechender jedoch ist die Aussage, dass seine Ehefrau ihm morgens stets ein »ordentliches Frühstück« richtet. Und zwar »eine Mischung aus Fleischsalat und Marmelade«. Was für eine Mix. Wenn ihn das nicht sympathischer macht...
Auch Umweltminister Norbert Röttgen wollte jetzt ganz »nah beim Menschen« sein und kam in seinem Heimatstädtchen Meckenheim bei Bonn mit einem älteren Herrn ins Gespräch, der sich bitterlich über Röttgens liberalen Kabinettskollegen und Vizekanzler Guido Westerwelle beklagte. Und beim Christdemokraten ein offenes Ohr fand. Die FDP liege ja nicht zufällig bei vier Prozent. »Ich halte den Westerwelle für irreparabel beschädigt.« Dumm nur, dass ein Journalist eines großen Nachrichtenmagazins in Hörweite stand, der seine Leser mit der Episode erfreute.
Nun wird in Berlin kolportiert, stundenlang, gar einen ganzen Tag lang habe Röttgen versucht, »den Westerwelle« anzurufen, um sich zu entschuldigen. Doch der Außenminister war nicht zu sprechen. Zumindest nicht für »den Röttgen«. Der ließ erklären, es habe sich nur um ein »privates Gespräch am Rande einer Veranstaltung« gehandelt, und natürlich wolle der Minister auch weiterhin eine »gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit« mit der FPD.
Dann sollte er allerdings künftig Sorge tragen, dass Privates auch privat bleibt. Bundespräsident Christian Wulff zeigt sich auch gern als »Mensch wie du und ich«, seit er mit der Wahl eines Urlaubs-Domizils einige Kritik auf sich gezogen hat, und gibt kleine Einblicke ins Privatleben.
Eigentlich sollte es kein Problem für ihn sein, seinen Junior in einer Kindertagesstätte unterzubringen. Doch Familie Wulff ist sensibel geworden und ist peinlichst bemüht, sich keine Extrawürste braten zu lassen. Weil er Kinder habe, sei er nah dran an Kita- und Schulproblemen, erklärte er nun. »Man erfährt eben nicht von anderen, dass die Kita eine Warteliste hat, sondern steht selbst auf dieser Liste.« Wobei die Folgen für die Wulffs wohl weniger dramatisch sind als für andere.
In rund einem Jahr wird der Neu-Berliner Wulff erstmals seine Stimme bei der Berliner Kommunalwahl abgeben dürfen. Gut möglich ist es nach Ansicht von Demoskopen, dass die Grünen als stärkste Kraft aus dem Urnengang hervorgehen und Renate Künast erste Regierende Bürgermeisterin wird. Doch scheint sich die in Recklinghausen geborene Fraktionschefin zu sorgen, dass ihre antrainierte Berliner Schnauze manche Wähler verschrecken könnte.
Nun ließ Künast die Republik wissen, sie sei eigentlich »ganz emotional«. Früher habe sie ihren Vater noch verspottet, wenn der im Garten »den Rosen beim Verduften« zusah. Mittlerweile empfinde sie es »selbst als Wohltat zu sehen, wie die Dinge wachsen und sich entwickeln«. Sie träumt von einem Gewächshaus mit vielen Farnsorten, »in dem ich die Gäste mit selbst gekochtem Essen verwöhne«.
Das wäre ja eigentlich auch die perfekte Grundlage für eine schwarz-grüne Bundeskoalition. Schließlich ist auch von Angela Merkel bekannt, dass sie beim Unkraut jäten besonders gut nachdenken kann. Außerdem sind ihre Kochkünste berühmt. Warum sollten nicht demnächst die Kabinettssitzungen in Renate Künasts Gewächshaus stattfinden? Und Mutti Merkel serviert knusprigen Gänsebraten...

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