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07.02.2012 00:00 Uhr 0 Kommentare

Der Satire-Gipfel schwebt über der Affäre

Kabarett: Die Vorwürfe gegen Bundespräsident Wulff sind für Priol und Co. Nebensache - Allenfalls Kopfschütteln

Aschaffenburg Es ist, als hätte sich die Zunft darauf geeinigt, diesem Mann nichts umsonst zu überlassen - nix gibt's geschenkt, nicht einmal Spott: Und so titeln zwar nahezu tagtäglich Medien neue Ungereimtheiten im politischen Leben des Bundespräsidenten, im deutschen Kabarett aber spielen die Affären des Christian Wulff hinter Merkel-Schelte und FDP-Häme nur eine nachrangige Rolle.

Wulff als Kabarett-Motiv: im Fokus oder ausgeblendet? Foto: dpa
Fernsehsendungen wie der ARD-»Satire-Gipfel« am Montag und die letztwöchige ZDF-Ausgabe von »Neues aus der Anstalt« gelten als Gradmesser für die Themen des Kabaretts - sprechen hier doch mit Dieter Nuhr (ARD) sowie Urban Priol und Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig die derzeitigen Platzhirsche des Genres zu einem Millionen-Publikum. Hie wie da jedoch ist die Bildschirm-Ansprache deutlich: Der erste Deutsche im Land mag zwar eine Witzfigur sein - der Zeitenlauf aber bietet genügend wichtigere Themen für spöttische Analysen und analytischen Spott. Allenfalls Kopfschütteln, dass es in der Politik nicht einmal mehr für einen wahrhaften Skandal reicht, prägt den Wortwitz der politisierenden Humoristen.
Der am Freitag in Aschaffenburg auftretende Bruno Jonas zeigte in einem Main-Echo-Gespräch für die Branche ungewohnte Feinfühligkeit: So lange die Affären Wulffs mehr aus Ahnungen denn aus Beweisen bestünden, so lange gelte auch für den Bundespräsidenten die Unschuldsvermutung.
Eine Zurückhaltung, die es in Zeiten vor Bekanntwerden des Kredits für Wulffs Kauf eines - so Priol - »hässlichen Klinkerhauses« so nicht gab: da aber vor allem wegen des Zweifels am Sinn des Amts, was stellvertretend den aktuellen Inhaber - ebenfalls Priol - vom ersten Tag als »Knöddelpräsident« karikieren und ihn mit »Kermit, dem Frosch« vergleichen ließ.
Tatsächlich bietet Wulff Kabarettisten insofern wenig Angriffsfläche, als er sich - beispielhaft für den politischen Typ im Medienzeitalter - an öffentlicher Kritik nicht reibt, sondern sie - die Fernseh-Entschuldigung ist bester Beweis - ins Leere laufen lässt. Zudem versagt im konkreten Fall der moralische Anspruch von Kabarett, durch Überzeichnen die Perfidie eines politischen Systems zu entlarven: Es lässt sich momentan eben nicht verbindlich urteilen - und wenn, ist eine satirische Übertreibung nicht möglich. Deshalb trifft die Kabarett-Szene Wulff eher unbewusst, indem sie ihm das größte Geschenk für einen Politiker versagt: ihm Aufmerksamkeit zu geben - und das ganz und gar für lau. Stefan Reis

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